Ehemaliger Lehrer Robert Hülsbusch gibt auch im Ruhestand Vollgas

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Robert Hülsbusch zeigt mit der Friedensfahne was ihm am Herzen liegt: Seit 1981 ist der pensionierte Lehrer für die Friedensinitiative Nottuln im Einsatz.

Nottuln. „Nun beginnt eine neue Zeit. Auch die wird spannend und ich freue mich darauf“, sagt Robert Hülsbusch aus Nottuln. „Eine bessere Welt ist möglich, lautet das Motto von Attac. Ich habe immer wieder versucht, mich in diesem Sinne in die Gesellschaft einzubringen.“ Seit dem Sommer ist Robert Hülsbusch Pensionär. 40 Jahre lang war er Lehrer: „Es war eine tolle Zeit an der Schule, aber ich habe aufgehört, als es am schönsten war. So ist es gut, sich nun mit mehr Muße weiteren Dingen, die mir wichtig sind, zu widmen.“

Zunächst aber war es ihm wichtig, richtig runterzukommen. Schon lange hatten er und seine Frau Ulla den sehnlichen Wunsch, eine Italienreise zu unternehmen. Und so reisten sie Ende August erst einmal in den Süden Europas, um die Landschaft und Kultur Italiens ausgiebig kennenzulernen. „Wir haben die Zeit richtig genossen und haben uns drei Monate lang durch das Land treiben lassen“, zieht der Neu-Rentner Bilanz. „Die Entscheidung war genau richtig, um nach und nach Abstand vom Schulleben zu bekommen.“

Seit 1991 an der AFG im Einsatz

„27 Jahre lang habe ich an der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) in Havixbeck unterrichtet. Die Schule war gerade mal ein Jahr alt, als ich mich beim damaligen Schulleiter Hannes Niehaus beworben habe. Schnell haben wir gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und so konnte ich 1991 nach Havixbeck wechseln“, erzählt der Nottulner. In der damals noch kleinen, im Aufbau befindlichen Schule gab es viele Möglichkeiten etwas zu bewegen. Alles war noch neu. Und weil an einer Gesamtschule der Ganztag mit seinen vielfältigen AGs eine wichtige Rolle spielt, entschloss Hülsbusch sich die „Schülerzeitung“ ins Leben zu rufen. Mit Erfolg: „Bis 2018 haben wir 55 Ausgaben herausgebracht. Auch einige Preise haben wir gewonnen. Zweimal war der „Habicht“ die beste Schülerzeitung Westfalens.“

Ein besonderes Angebot war das Wahlpflichtfach „Presse und Rundfunk“. Robert Hülsbusch erinnert sich zurück: „In der Anfangszeit saßen wir auf dem Flur und produzierten Sendungen für den Bürgerfunk mit einem kleinen Kassettenrekorder. Eigentlich ein Unding, aber es hat funktioniert. Und weil es früher noch Fördermittel der Landesregierung für Bürgerfunk gab, konnten wir mit diesen Einnahmen dafür sorgen, dass heute an der AFG ein kleines professionelles Ton- und Radiostudio eingerichtet ist. Auch nachfolgende Schülergenerationen werden davon profitieren.“ Im Laufe der Jahre sind so mehr als 300 Bürgerfunksendungen an der AFG produziert worden, die über Radio Kiepenkerl in den ganzen Kreis Coesfeld ausgestrahlt wurden.

Desweiteren hat Robert Hülsbusch den bundesweiten Geschichtswettbewerb an der AFG betreut und war für die Schulhomepage und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Seit dem Sommer ist Schluss mit diesen Tätigkeiten. Robert Hülsbusch widmet sich nun anderen Aufgaben, die er vorher auch schon geleistet hat. Der Unterschied: „Jetzt habe ich mehr Zeit!“

Frieden schaffen mit der FI Nottuln

Schon im Jahr 1981 wurde die Friedensinitiative Nottuln (FI) in Folge des damaligen Nato-Doppelbeschlusses als eine der ersten im Land gegründet. Nach dem Ende des Kalten Krieges sind viele dieser Initiativen wieder eingeschlafen, in Nottuln hingegen wurde sich stattdessen neuorientiert und der Friedensbegriff weitergefasst. Drei Begriffe erklären die Arbeit der FI Nottuln: „Umwelt“, „Entwicklung“, „Frieden.“

„Schon vor über 20 Jahren haben wir in der FI für ein Stück bessere Umwelt gesorgt, indem wir uns frühzeitig mit regenerativen Energien beschäftigt und zahlreich Fotovoltaikanlagen auf die Dächer unserer Häuser montiert haben“, erklärt der pensionierte Lehrer.

Bereits 1985 setzte sich die FI außerdem dafür ein, eine Städtepartnerschaft zu bilden mit einer Stadt aus Osteuropa: „Das war anfangs sehr schwer, war der eiserne Vorhang doch für viele im Rat der Gemeinde ein unüberwindliches Hindernis“. 1992 war es dann schließlich so weit und die Städtepartnerschaft zum Ort Chodziez in Polen konnte gebildet werden. „Hier arbeiten wir seit Beginn in einem wunderbaren Team zusammen“, freut sich Hülsbusch über die Kooperation. Vom Land NRW bekam die Gruppe 2018 dafür den Titel „Europaaktive Zivilgesellschaft“ verliehen und Robert Hülsbusch wurde für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Wer Interesse an der Arbeit der FI Nottuln hat, kann sich im Ort an verschiedenen Stationen auf dem „Friedensweg“ informieren. Näheres dazu ist einem Flyer bei der Gemeinde oder der Homepage der FI zu entnehmen. Dass diese Friedensarbeit weiter notwendig ist, davon ist Robert Hülsbusch überzeugt und schaut besorgt in die Zukunft: „Wir müssen uns dafür engagieren, dass Europa weiter ein Garant für den Frieden ist und nicht an nationalistischen und demokratiefeindlichen Bestrebungen zerbricht. Dazu gehört auch eine neue Entspannungspolitik mit Russland. Aber die größte Herausforderung wird der Klimawandel sein.“

Pensionär mit vielen Aufgaben

Über all die Kopfarbeit hinaus liebt Robert Hülsbusch außerdem die alten Rockscheiben, vor allem die aus den 1970er-Jahren. „Eine Reihe von Partys haben wir früher besucht. Selten gefiel uns allerdings die Musikauswahl. Der Pop überwog. 2002 haben wir dann mit drei Freunden beschlossen, in Nottuln die Rocknacht zu gründen. Das schlug ein wie eine Bombe. Stets über 200 Gäste geben uns bis heute Recht. Mit der Rocknacht sind wir nach wie vor auf dem richtigen Weg.“

Trotz zahlreicher Hobbys, bleibt er aber auch seiner alten Schuhle verbunden. Zusammen mit dem Schulleiter Dr. Torsten Habbel sorgt er dank Kabarettveranstaltungen der AFG für ausreichend „Schulkultur“. Außerdem zupft er weiterhin den Bass bei der Lehrerband „The Hawks“ und arbeitet mit im Friedenskreis der Schule. Im Januar 2019 erhält die AFG die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus.“ Und die Schüler wie Eltern und Kollegen baten ihren ehemaligen Lehrer, für diese Aktion die Patenschaft zu übernehmen. Neue Herausforderungen gibt es genug. Robert Hülsbusch lebt sein Leben intensiv. Es bleibt spannend.

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