Winfried Nachtwei hält Vortrag „Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“ am Montag, 29. Januar, in der Alten Amtmannei in Nottuln

Winfried Nachtwei mit Jugendlichen eines Workcamp in Riga Bikernieki, die über nach Riga deportierten Juden forschten. In Nottuln hält er einen Vortrag.

Nottuln. „Die Nachbarn von nebenan – verschollen in Riga“. Zu diesem Titel hält Winfried Nachtwei am Montag, 29. Januar, um 19.30 Uhr in der Alten Amtmannei in Nottuln einen Diavortrag. Hierzu lädt die Friedensinitiative Nottuln (FI) alle Bürgerinnen und Bürger ein. Die Veranstaltung findet anlässlich des Gedenktages für die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt (Holocaustgedenktag) statt, der sich am Samstag, 27. Januar jährt.

In seinem Vor-trag folgt Nachtwei den Spuren der Verschleppten im deutsch-besetzen Riga und dem Schicksal der wenigen Überlebenden nach Kriegsende. Am 13. Dezember 1941 verließ ein Deportationszug mit 390 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus dem Münsterland den Güterbahnhof in Münster. Nachdem in Osnabrück 200 und in Bielefeld 420 weitere Menschen in den Zug gezwungen worden waren, fuhr er Richtung Riga. Dort, im „Reichsjudenghetto“, im KZ Salaspils und im Wald von Bikernieki begann der Massenmord an den jüdischen Menschen aus dem Münsterland, aus Westfalen und auch anderen Teilen Deutschlands. In Riga starben die weitaus meisten der über 170 Holocaustopfer des Kreises Coesfeld. Ihr Schicksal war über fast fünf Jahrzehnte weitgehend unbekannt.

1989 stieß der damalige Dülmener Geschichtslehrer Nachtwei im noch sowjetisch besetzten Riga auf die Spuren der Deportierten und lernte Überlebende von Ghetto und Konzentrationslager kennen. Als Bundestagsabgeordneter (MdB) setzte sich der Referent für eine würdige „Entschädigung“ der Holocaust-Überlebenden in Osteuropa ein, die 1998 durchgesetzt werden konnte. Am Beispiel des Massengräberfeldes und der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki schildert Nachtwei, wie nach Jahrzehnten die Erinnerung aufbrach. Eine zentrale Rolle hatten dabei der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und das Deutsche Riga-Komitee, in dem sich inzwischen 57 Herkunftsorte der Riga-Deportationen zu einem einzigartigen Netz der Erinnerung zusammengefunden haben. In Workcamps des Volksbundes kommen jährlich junge Leute aus Deutschland, Österreich, Lettland und anderen Ländern zusammen, um die Gedenkstätte zu pflegen und Erinnerung lebendig zu halten.

Winfried Nachtwei war von 1994 bis 2009 Bundestagsabgeordneter der Grünen, ist Mitglied der FI Nottuln und heute unter anderem im Vorstand von „Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.“ und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen/DGVN tätig.

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