Exkursion mit Revierförster und Forstamtsleiter

Waldbegehung in den Baumbergen: Leidende Wälder bereiten Sorge

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Heinz Peter Hochhäuser (vorne links), André Stinka (Mitte, rote Jacke) und Matthias Schulte Everding (rechts) führten die Gruppe durch den Wald.

Havixbeck. Eingeladen hatte André Stinka, SPD-Mitglied und Sprecher für den Naturschutz und die Landwirtschaft, zu einer Exkursion „Waldbegehung in den Baumbergen“. „Wir als Politiker müssen uns natürlich den Problemen stellen, die den Wäldern unserer Region solch große Schäden zufügen“, sagte er zur Begrüßung einer interessierten Wanderrunde durch den Wald nahe dem Haus Stapel in Havixbeck. Fachlich begleitet wurde die Gruppe vom Forstamtsleiter „Wald und Holz NRW“ Heinz Peter Hochhäuser sowie dem Revierförster Matthias Schulte Everding.

„Etwa 100000 Hektar Wald obliegt unserer Aufsicht“, so Hochhäuser gleich zu Beginn. „Große Probleme bereitet zunächst, dass sich diese Gesamtfläche aus sehr vielen Kleinstparzellen zusammensetzt, was ein Bewirtschaften schwierig macht. Außerdem sind etwa 80 Prozent des Waldes in Privatbesitz, wobei viele Kleinstwaldbesitzer sich aus verschiedenen Gründen nicht so um diesen kümmern, wie es notwendig wäre. Darüber hinaus macht uns der spürbare Klimawandel arg zu schaffen.“ Dürreschäden sind die Folge, was man bei genauem Hinschauen überall im Wald beobachten kann, am deutlichsten bei den Fichten.

„In Sachen Wald beschäftigen wir uns eigentlich immer mit fünf Grundfragen. A: Wer bist du (welche Baumsorten haben wir)?, B: Woher kommst du (wann wurde gepflanzt)?, C: Wohin willst du (wie ist die Entwicklung)?, D Wohin will ich dich haben (wie berücksichtige ich das Spiel von Licht und Schatten)?, E: Wie teuer ist das? Vor allem wegen des sich ändernden Klimas müssen wir uns diese Fragen noch genauer stellen als je zuvor.“ 

Dürreschäden sind eine Folge des Klimawandels, was man bei genauem Hinschauen überall im Wald beobachten kann, am deutlichsten bei den Fichten.


Konkret heißt das, dass Dinge, die früher richtig waren, heute nicht mehr gelten. „Jammern nützt aber nichts, die Hauptsache ist es, nach vorne zu sehen. Sicher ist: Was den Wald anbetrifft, so wird sich für die Menschen vieles spürbar ändern, denn die Auswirkungen sind schon jetzt drastischer, als wir das noch vor Jahren gedacht haben. Deshalb brauchen wir auch klare Zielsetzungen, die uns helfen, die Wälder zu retten. Auch die Politik muss helfen durch geeignete und vor allem unbürokratische Maßnahmen.“

Verkauf von befallenem Fichtenholz kaum möglich

1,5 Grad Celsius ist es in den vergangenen Jahrzehnten im Durchschnitt schon wärmer geworden. Das führt statistisch dazu, dass man etwa alle acht Jahre mit einem heißen Sommer rechnen muss. „Kommen, so wie prognostiziert, weitere 1,5 Grad Erwärmung hinzu, so muss man etwa alle zwei Jahre mit einem heißen Sommer rechnen.“ Dies führe zu veränderten Wuchsbedingungen für die Wälder, was wiederum für die Forstwirtschaft erhebliche betriebliche Risiken nach sich ziehe. Der sogenannte Standortdrift führe dazu, dass heute in unseren Regionen nicht mehr dieselben Bäume gepflanzt werden können wie noch vor 50 Jahren. Vor allem sei die Aufforstung mit Fichten unter wirtschaftlichen Aspekten nicht mehr sinnvoll.

Borkenkäfer richten unter der Baumrinde große Schäden an – so wie hier auf dem Foto zu sehen.


Zu berücksichtigen bei der Entwicklung eines Waldkonzeptes sind neben dem Klimawandel vor allem noch standortliche, waldökologische und forstwirtschaftliche Gesichtspunkte. Das heißt, dass nicht flächendeckend über einen ganzen Ort nach demselben Schema, sondern je nach Standort verschiedene Baumarten gepflanzt werden müssen.

Vor allem wirtschaftlich bereitet den Waldbesitzern das Leiden der Wälder große Sorgen. Durch die Stürme der letzten Jahre, durch die Trockenheit und durch Pilz- oder Parasitenbefall geschädigte Bäume sorgen für ein massives Überangebot oder schlechte Qualität bei den Hölzern. Eine wirtschaftliche Vermarktung ist kaum noch möglich. So liegen beispielsweise in den Wäldern zahlreich gefällte, vom Borkenkäfer befallene Fichten herum, die niemand gebrauchen kann. Ein Verkauf des Holzes ist kaum möglich. „Wir versuchen schon, Hölzer an die Industriebetriebe zu verkaufen, wenn diese mit Verbrennung arbeiten“, so Hochhäuser, „wirtschaftlich lohnen tut sich das aber auch kaum.“

Einige der Fichten sind zwar noch grün, aber laut den Experten schon befallen.


Auch personell arbeiten die Revierförster in den vergangenen Jahren bis zum Anschlag. „Etwa 200 Waldbesitzer habe ich zu betreuen“, so Revierförster Schulte Everding. Ständig brauchen sie Hilfe oder einfach nur Antworten. „Es ist klar, dass ich nicht immer und überall helfen kann. Dazu sind die Anzahl der Probleme und Anfragen zu viel und zu groß.“

Fachliches Wissen ist bei der Aufforstung gefragt

„Bei der Aufforstung ist forstfachliches Wissen von großer Bedeutung“, so noch einmal Forstamtsleiter Hochhäuser. „Gut wäre es zum Beispiel, mit den Privatbesitzern Pachtverträge abzuschließen, wobei das Land den Privatwald für eine gewisse Zeit übernimmt, fachgerecht aufforstet und später wieder an die Besitzer zurückgibt. Hierzu müssen natürlich die Masse der Waldbesitzer erreicht und ausreichend Fördermittel von der Politik zur Verfügung gestellt werden.“

Letztlich sind sich die Fachleute vom der Forstverwaltung einig, dass man mit viel gutem Willen und ausreichender Förderung die Probleme lösen kann. „Wir sind doch in der Verantwortung, dass auch spätere Generationen noch genauso schöne und erholsame Wälder vorfinden, wie wir sie von unseren Vorgenerationen vorgefunden haben“, so Heinz Peter Hochhäuser.

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