Messdaten am Havixbecker Barfußgang erhoben

Handfeste Wetterdaten aus Tilbeck seit 2004

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Florian Zumbusch am Niederschlagsmessgerät.

Havixbeck. Wer den rund 2,5 Kilometer langen Barfußgang von Stift Tilbeck abläuft, um ohne Schuhe unter anderem über Glasscherben, Rindenmulch, Holzpfähle und durch Wasser zu gehen, kommt etwa zweihundert Meter nach dem Startpunkt automatisch an einer professionellen Wetterstation vorbei. Sie liefert von dort seit November 2004 Wetterdaten und ist die einzige Wetterstation, die der Wetterdienstleister MeteoGroup im Kreis Coesfeld betreibt – in Kooperation mit dem Stift Tilbeck.

„Immer wieder mal wird Tilbeck beziehungsweise Havixbeck in den Wetterberichten in der ARD und im WDR genannt. Wir sind von daher durchaus bekannt“, sagt Florian Zumbusch. Der Havixbecker ist einer der 21 Mitarbeiter von tom (Tilbecker Objekt Management). Diese Abteilung kümmert sich um die an verschiedenen Standorten und in verschiedenen Orten verteilten Immobilien – 85 000 Quadratmeter Gebäudegesamtfläche – des Stifts Tilbeck, einem der größten Arbeitgeber im Kreis Coesfeld. Mit rund 850 Mitarberinnen und Mitarbeitern kümmert sich die Stift Tilbeck GmbH um rund 470 Bewohnerinnen und Bewohner und in den Tilbecker Werkstätten um rund 470 Beschäftigte.

Einmal die Woche checkt Florian Zumbusch Anlage

Einmal die Woche ist die Wetterstation am Barfußgang Ziel von Florian Zumbusch. „Ich schaue, ob der Auffangtrichter vom Niederschlagsmessgerät sauber ist. Viel herausholen muss ich meist aber nicht. Es ist jedoch schon mal vorgekommen, dass Erde vom Acker oben in die Öffnung des Regenmesser geworfen worden war. Dann muss natürlich gehandelt werden“, so der 36-jährige Elektromeister, während er in den Sammeltrichter schaut. Drei Weizenkörner liegen an diesem Freitag unten an der Sohle. Kein großes Problem, sie herauszuholen. „Ab und an nehme ich auch die Verkleidung des Regensensors ab und mache etwaige Spinnennester weg.“

Sonst aber ist nicht viel zu tun an der Anlage. „Einmal im Jahr kommt die Herstellerfirma und macht eine Wartung. Dazu klappt sie den Masten herunter, so dass leicht an die Messgeräte zu kommen ist“, so Zumbusch.

Der Mast, mehrere Meter vom Regensensor entfernt, ist zwölf Meter hoch und trägt Messinstrumente für die Ermittlung von Daten zur Luftfeuchtigkeit, zum Luftdruck, zur Lufttemperatur, zur Registrierung von Niederschlägen, zu Windgeschwindigkeiten und zur Windrichtung und zur Sonnenschein-Dauer. Am Regenmessgerät ist dann noch ein Sensor, derfünf Zentimeter über dem Boden die Temperatur misst.

Datenübertragung alle zehn Minuten

„All diese Daten werden via GPRS-Modem an uns übermittelt. Diese lokalen Messwerte bilden sozusagen den Grundstein für die lokalspezifische Vorhersageerstellung. In die Vorhersagen fließen dann aber noch weitere Daten und Wettermodelle ein“, sagt Beate Debiel von der MeteoGroup. Eine Wettervorschau für die nächsten vier Tage findet sich im Internet, dargestellt in einem Diagramm. Und auch die aktuellen Daten sind online abrufbar. Einfach in der Suchmaschine „Wetterstation“ und „Tilbeck“ eingeben.

Rund 520 Wetterstationen dieser Art betreibt die MeteoGroup in Deutschland. Mal sind es etwas mehr, mal etwas weniger. Eine minimale Schwankung ergebe sich einfach: „Für unsere professionellen Wetterstationen gelten internationale Standards. Diese beziehen sich auf die Messtechnik, aber auch auf den Standort, an dem gemessen wird. Wenn sich im Umfeld einer Station, etwa durch bauliche Maßnahmen, etwas verändert, kann es passieren, dass die Messungen beeinträchtigt werden. Zu ,Störquellen’ müssen gewisse Abstände eingehalten werden. Es kann aber auch sein, dass eine Station einem Bauvorhaben weichen muss. Wir überlegen dann immer gemeinsam mit unseren Partnern, wie man die Messbedingungen verbessern kann. Gegebenenfalls kommt auch ein ,Umzug’ an einen anderen Standort in Betracht“, so Debiel.

Finanzierung durch Sponsoren

Dass es eine solche Wetterstation überhaupt am Stift Tilbeck gibt, ist Sponsoren zu verdanken, die der frühere Havixbecker Bürgermeister Klaus Gottschling gewinnen konnte. So kam das Geld zusammen und konnte die Anlage 2004 am Stift Tilbeck errichtet werden und Daten liefern. Im Januar 2005 wurde sie dann offiziell von „Wetterfrosch“ Sven Plöger in Betrieb genommen.

Zwischen 18 000 und 23 000 Euro kostet eine solche Wetterstation – Geld, das der Kooperationspartner der MeteoGroup aufzubringen hat. Ebenso auch die Wartung (600 Euro/Jahr) und die Stromkosten (120 Euro/Jahr). Fürs Stift Tilbeck gut angelegtes Geld: Immerhin taucht der Name regelmäßig im Fernsehen auf.

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