DNA-Tests in Mathe: Schüler fordern Aufklärung von MdB Henrichmann

Mit aktuellen Themen setzt sich der Mathekurs der elften Klasse der Münsterlandschule Tilbeck auseinander. Gemeinsam berechneten sie die Erfolgswahrscheinlichkeiten von DNA-Tests.

Havixbeck. „Die DNA-Analyse wird im Strafverfahren auf äußerliche Merkmale (Haar, Augen, Hautfarbe) sowie Alter ausgeweitet.“ So schlicht und einfach steht es im Koalitionsvertrag als Auftrag an die neue Bundesregierung. Mit diesem Plan haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 der Münsterlandschule Tilbeck im Mathematikunterricht befasst.

Zum Sachverhalt: Seit 20 Jahren nutzt die Polizei die DNA-Analyse von Tatortspuren zur Identitätsfeststellung. Das Innenministerium verwahrt inzwischen weit mehr als eine Million Personen- und Spurendatensätze in seinem zentralen Register. Gibt es eine Übereinstimmung, so ist mit sehr hoher Sicherheit ein Täter identifiziert. Neben dieser reinen Identitätsfeststellung ist inzwischen auch die Bestimmung des Geschlechts und die Suche nach engen Verwandten erlaubt. Alle weiteren Untersuchungen sind bisher ausdrücklich verboten.

Das möchte die Koalition nun ändern. Das Problem: Die neuen Merkmale können nur „mit hoher Wahrscheinlichkeit verlässliche Aussagen“ treffen. Sie sind nicht so sicher wie die Identitätsfeststellung. Dazu hat der Mathe-Kurs der Schule eine Modellrechnung gemacht.

Die Hautfarbe lässt sich mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit aus einer guten DNA-Spur ableiten. Der Test gibt also sowohl dunkle als auch helle Hautfarbe mit hoher Verlässlichkeit in 95 von 100 Fällen richtig an.

Die Klasse nimmt an, dass ein gesuchter Täter aus einer Kleinstadt mit 10000 Einwohnern (also etwas weniger als Havixbeck) stammt, von denen 200 eine dunkle Hautfarbe haben. Die würden bei einem DNA-Test, der dunkle Hautfarbe behauptet, sofort unter Generalverdacht geraten. Das Ergebnis des Kurses ergab, dass bei mehr als 70 Prozent solcher Tests ein Irrtum vorliegt. Bedeutet; Durch ein Testergebnis „dunkelhäutig“ gerät also die Minderheit der Dunkelhäutigen zu Unrecht unter Generalverdacht. Trotz der hohen Testsicherheit von 95 Prozent liefert der Test schnell falsche Ergebnisse, weil die Minderheit zwar fast gänzlich erfasst wird , der kleine Fehler von 5 Prozent bei der großen Mehrheit aber viel mehr ausmacht.

Die Schüler wollen von dem Bundestagsabgeordneten des Kreises Coesfeld nun wissen, ob die Ausweitung des DNA-Testes von der Koalition immer noch geplant ist und wie hoch bei den äußerlichen Merkmalen die Wahrscheinlichkeit für verlässliche Aussagen liegt. „Das Phänomen wird bedingte Wahrscheinlichkeit genannt und ist ein Standardthema im Mathematik-Lehrplan“, so der Mathe-Lehrer Heinz Böer. „Wir möchten ausdrücklich vor einer Ausweitung der DNA-Nutzung warnen!“, betont der Schüler Tom Sterthaus im Bezug auf die Ergbenisse.

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