Zeugen einer mutigen Rettung: Zwei besondere Gäste beim Annette-Gymnasium

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Ursula Ellenbracht (links), Leiterin des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums, und Christian Stock (rechts) hießen (Mitte von links) Günther Otten, Karl-Heinz Spanke und als Moderator Theo Schwedmann bei der Zeitzeugenveranstaltung im Forum der Schule willkommen.

Dülmen. Zwei besondere Männer sitzen am Donnerstag auf dem Podium im Forum des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums: Der eine, Günther Otten, ist Enkel von Maria und Josef Otten, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs zwei Juden in ihrem Keller in Düsseldorf versteckten und damit vor dem Zugriff durch die Nationalsozialisten und so der Deportation ins Todeslager retteten. Der andere auf dem Podium, Karl-Heinz Spanke, ist Enkel einer der beiden geretteten Juden; er hat das Versteck 1944 mit eigenen Augen gesehen.

Beide, Günther Otten und Karl-Heinz Spanke, berichten – einfühlsam moderiert von Theo Schwedmann – aus ihrer Sicht von der Situation dieser Rettung, von der es ein ganz besonderes schriftliches Zeugnis gibt: Eine Danksagung, die Emanuel Nooitrust kurz nach Kriegsende für Josef Otten ausgestellt hatte. „Dieses vergilbte Papier lag zusammen mit einer Reihe Familienfotos in einer kleinen Kiste“, berichtet Günther Otten. Dieses Schriftstück und der Augenzeugenbericht von Karl-Heinz Spanke sind es dann, die dazu führen, dass die internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem die Rettungstat von Maria und Josef Otten würdigt und die beiden Düsseldorfer in die Reihe der rund 600 Deutschen aufnimmt, die den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ erhalten. Insgesamt hat Yad Vashem diesen Titel gut 26000 Menschen weltweit verliehen.

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich nachts in der Dunkelheit die dreiviertel Stunde Weg gegangen bin, um meinen Opa zum Versteck seines Bruders zu begleiten – dabei mussten wir darauf achten, nicht gesehen zu werden“, berichtet Karl-Heinz Spanke. Später musste sich auch der Großvater von Karl-Heinz Spanke selbst in das Versteck retten. Dank der Tatsache, dass Maria Otten Luftschutzwartin war, war es möglich, dass das Kellerraumversteck vor Kontrollen geschützt werden konnte.

„Ich rechne es ganz hoch an, dass Maria und Josef Otten meinen Opa und seinen Bruder versteckt haben. Das war mutig!“, sagte Karl-Heinz Spanke. Er ordnete diesen Mut ein: „Wer in der Nazizeit mutig war, der hat sein Leben riskiert. Ein Onkel von mir sagte während des Zweiten Weltkriegs in einem Ausflugslokal, in dem auch Lazarettpatienten Gäste waren, mit Blick auf den Krieg ,Muss das denn alles sein?’ Am nächsten Tag wurde er abgeholt und wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt.“

Mit Applaus bedankten sich die Schüler bei den Gästen und bei Moderator Theo Schwedmann. Nächste Woche werden die Schüler sich noch weiter mit dem Nationalsozialismus beschäftigen bei Fahrten zu den Geschichtsorten Villa ten Hompel in Münster, zur Steinwache in Dortmund beziehungsweise zum Jüdischen Museum in Dorsten.

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