Stadt war zu Kriegsende zu 92 Prozent zerstört

Warum in Dülmen immer wieder Blindgänger entschärft werden müssen...

Dülmen Bomben Zweiter Weltkrieg
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Ein Blick auf den Dülmener Marktplatz nach Angriffswellen im Frühjahr 1945.

Dülmen. Bombenentschärfungen scheinen in Dülmen derzeit schon fast an der Tagesordnung zu sein. Nach der groß angelegten Evakuierung und Entschärfung am Kapellenweg im November wurde bei Routineuntersuchungen vor zwei Wochen nur wenige Meter entfernt ein weiterer Blindgänger entdeckt, der noch am gleichen Tag entschärft werden musste. Warum kommt es in Dülmen so häufig zu Blindgänger-Funden, mögen sich manche Bürgerinnen und Bürger fragen. 

Die Stadt Dülmen klärt mit folgender Pressemitteilung auf: Ein Blick auf die Stadt in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs (siehe Foto) legt die Antwort nahe. „Dülmen war während des Krieges immer wieder Ziel der alliierten Luftangriffe, die unter anderem den Bahnhof als Knotenpunkt zweier Bahnlinien und das damalige Luftwaffen-Tanklager auf dem Gelände der heutigen Tower Barracks im Visier hatten“, weiß Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann. „Besonders schlimm traf es die Stadt bei drei großen Angriffswellen am 21. und 22. März 1945. Am Endes des Krieges waren 92 Prozent der Gebäude in Dülmen zerstört.“

Routinemäßige Überprüfung bei jeder Baumaßnahme 

Doch nicht alle damals abgeworfenen Bomben detonierten auch. Sie schlummern seitdem als so genannte Blindgänger im Erdreich, haben jedoch nichts von ihrer gefährlichen Sprengkraft verloren. „Deshalb gehört es zum Standard-Verfahren bei jeder geplanten Baumaßnahme, dass die betreffenden Grundstücke auf mögliche Blindgänger-Verdachtspunkte überprüft werden“, berichtet Oliver Lorenz von der städtischen Abteilung Sicherheit und Ordnung. Insgesamt 413 solcher Überprüfungen hat er im vergangenen Jahr durchgeführt. „Zunächst schauen wir auf einer so genannten Belastungskarte nach, die uns allerdings nur einen ersten Anhaltspunkt geben kann, ob es im betroffenen Bereich damals Kampfhandlungen gab. Dies war in Dülmen nahezu überall der Fall, insbesondere in der Innenstadt.“ Gab es Kampfhandlungen, wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg mit einer Luftbildauswertung beauftragt.

Luftaufnahmen vom Kriegsende geben Aufschluss 

„Die Luftbilder wurden der Bezirksregierung Arnsberg von den Alliierten zur Verfügung gestellt. Sie zeigen das Ergebnis der Luftangriffe zum Ende des zweiten Weltkriegs, also z.B. ob es auf dem jeweiligen Grundstück Einschläge gab und ob die Bomben detoniert sind“, erläutert Lorenz. Wird ein Verdachtspunkt festgestellt – was ungefähr in 50 Prozent der Fälle vorkommt – überprüft eine Fachfirma vor Ort den Bereich, zum Beispiel mittels Spezialbohrungen und Messungen mit einer Sonde. Fällt eine solche Messung positiv aus, wird diese Stelle vom KBD geöffnet. „Nicht selten entpuppt sich ein Verdachtspunkt als gusseisernes Rohr, Gullideckel, Blitzableiter oder als ein anderer metallischer Gegenstand“, weiß Lorenz. „Aber wenn es sich tatsächlich um einen Blindgänger handelt, muss gehandelt werden und der zuständige Feuerwerker der Bezirksregierung gibt die weiteren Schritte vor – von der Evakuierung bis zur Entschärfung.“

Durchschnittlich zwei bis drei Bombenentschärfungen pro Jahr

Blindgänger wie dieser müssen auch mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges immer wieder in Dülmen entschärft werden.

Zwei bis drei Bombenentschärfungen hat es in den vergangenen Jahren durchschnittlich pro Jahr in Dülmen gegeben. „Angesichts der großen Zahl von Bauvorhaben ist das ein sehr kleiner Anteil, aber jede Entschärfung bedeutet natürlich einen großen Aufwand für alle beteiligten Organisationen, wie z.B. Feuerwehr, Polizei, DRK, Rettungsdienst oder THW, und für die Bürgerinnen und Bürger, die dann aus Sicherheitsgründen ihre Häuser verlassen müssen“, betont Jürgen Heilken, neuer Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung. Wenn möglich, versuche das Ordnungsamt große Evakuierungsaktionen mit einigem Vorlauf anzukündigen. Im Fall des spontanen Bombenfundes am 11. Januar habe die Entschärfung jedoch unverzüglich erfolgen müssen, da der Blindgänger zu nah an der Erdoberfläche lag.

Bürgermeisterin dankt allen Beteiligten für ihren Einsatz 

„Wenn es einen Vorteil an den zahlreichen Entschärfungen der vergangenen Jahre gibt, dann wohl nur den, dass die beteiligten Organisationen und Helfer inzwischen schon viel Erfahrung im Umgang mit diesen Situationen haben“, sagt Bürgermeisterin Lisa Stremlau. „Mein Dank gilt allen, die im Ernstfall immer wieder zur Stelle sind und für einen reibungslosen Ablauf sorgen.“

Verdächtige Gegenstände sofort dem Ordnungsamt melden 

Die routinemäßige Überprüfung erfolgt im Rahmen von geplanten Baumaßnahmen. Sollte Bürgerinnen und Bürgern aber z.B. bei der Gartenarbeit eine ungewöhnliche Verfärbung des Erdreichs oder gar ein verdächtiger Gegenstand auffallen, sollten sie sofort den städtischen Fachbereich Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung informieren.

Weitere Informationen zum Stichwort „Kampfmittelbeseitigung“ gibt es auch im Internet unter www.duelmen.de oder auf den Seiten der Bezirksregierungen Münster oder Arnsberg.

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