„Unsere Beratungen sind kostenfrei“ Interview mit Martin Reber, Diakonie-Bereichsleiter

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Martin Reber, Bereichsleiter der Diakonie für den Kreis Coesfeld, präsentiert den Jahresbericht.

Kreis Coesfeld. Eine wichtige Aufgabe innerhalb des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken e.V. übernimmt das Diakonische Werk, im Kreis Coesfeld durch die Beratungsarbeit. Zum vielfältigen Aufgabengebiet befragte Streiflichter-Mitarbeiter Reinhold Kübber den zuständigen Bereichsleiter für den Kreis Coesfeld Martin Reber, wobei schwerpunktmäßig die Schuldner- und Insolvenzberatung vorgestellt wird.

In welchen Bereichen können Ratsuchende im Kreis Coesfeld von der Diakonie Hilfe erwarten und wie viele Mitarbeiter stehen dafür zur Verfügung?

Martin Reber: Es gibt bei uns die Schuldner- und Insolvenzberatung, die Allgemeine Sozialberatung, die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung. Insgesamt arbeiten acht Mitarbeiterinnen in dem Bereich. Alle Beratungen sind für die Bürger im Kreis kostenfrei.

Können sich Ratsuchende bezüglich Schulden und Insolvenz an verschiedenen Orten Hilfe holen?

Martin Reber: Die Schuldner- und Insolvenzberatung wird von vier hochqualifizierten Beraterinnen in Dülmen, Coesfeld, Lüdinghausen, Nottuln und Senden in offenen Sprechstunden durchgeführt. Zudem können Termine auch flexibel vereinbart werden.

Gibt es außerhalb der Diakonie nicht noch weitere Schuldnerberater?

Martin Reber: Der Begriff Schuldnerberater ist nicht gesetzlich geschützt und es gibt keine spezifische Ausbildung – jeder kann sich so nennen. Öffentlich geförderte Stellen dagegen haben Qualitätsstandards durch das Land NRW und die jeweiligen Städte und Kommunen zu erfüllen. Dies gilt nicht für nicht freie Berater. So hat sich beispielsweise ein Ehepaar mit zwei Kindern im Internet auf eigene Faust nach einem Schuldnerberater umgesehen und landete bei einer Rechtsanwältin in Hamburg, die sich Schuldnerberaterin nannte. Sie schickten dieser Frau, die sie nie gesehen hatten, alle Papiere zu. Die Dame bekam eine Vollmacht und sollte mit den Gläubigern Verhandlungen führen. Immer wieder zahlten die Eheleute- insgesamt 1 500 Euro. Als dann der Ehemann trotz der Verhandlungen der Anwältin durch Gläubiger gepfändet wurde, wandte sich das Ehepaar in seiner Not an uns. Wir konnten die Eheleute entschulden und zudem eine weitere Rechnung der Anwältin über 600 Euro erfolgreich abwenden. Die Städte und Kommunen haben in der Regel alle ein kostenloses Angebot der Schuldnerberatung, entweder die Stadt selber oder aber die Wohlfahrtsverbände. Wir bieten im Kreis als einziger Wohlfahrtsverband die Schuldner- und Insolvenzberatung an.

Wie viele Beratungen wurden im vergangenen Jahr durchgeführt?

Martin Reber: 2018 haben wir 948 Frauen und Männer kreisweit beraten. Seit einigen Jahren ist die Gruppe der weit Über-60-Jährigen mit rund zehn Prozent vertreten. 39 Prozent aller Ratsuchenden haben keine Berufsausbildung. Ohne eine Ausbildung ist die Gefahr groß, in die Schuldenfalle zu tappen. Die Hauptursachen der Ver- und Überschuldung waren Arbeitslosigkeit, Scheidungen/Trennungen, Krankheit, 15 Prozent scheiterten mit einer Selbstständigkeit.

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