Robert Eggemann machte komplette Prüfung im ersten Anlauf mit 0 Fehlern

Trotz Autismus Führerschein

Freuen sich über den Führerschein: Robert Eggemann und sein Praxis-Fahrlehrer Gernot Kempkes.

Dülmen. „Autofahren macht großen Spaß“, bekennt Robert Eggemann, der seit seiner Kindheit autistisch erkrankt ist und daher die Maximilian-Kolbe-Schule der Kinderheilstätte Nordkirchen besucht und künftig in den Werkstätten Karthaus arbeiten wird.

Dieser Hintergrund hinderte den Dülmener allerdings nicht, einen Autoführerschein zu machen.

Start war im Dezember 2010 in der Fahrschule von Andreas Jäckh. Nach 300 Übungsbögen und einiger Lernerei – „der Kopf hat gequalmt“, meint Robert Eggemann, der täglich für die Theorieprüfung paukte – absolvierte er die theoretische Führerscheinprüfung im ersten Anlauf mit 0 Fehlern.

Dann ging‘s bei der Fahrschulgemeinschaft Kempkes/Bertelsbeck mit der praktischen Ausbildung weiter – auch hier meisterte er – nach 45 Fahrstunden – die Prüfung im ersten Anlauf mit 0 Fehlern.

„Vom Prinzip her darf jeder Führerschein machen, wenn er die körperlichen und charakterlichen Voraussetzungen hat“, sagt Gernot Kempkes, der den heute 19-Jährigen für die praktische Führerscheinprüfung fit gemacht hat. „In Roberts Fall hat das eine Verkehrsmedizinerin, Psychologin und Neurologin in Münster bescheinigt, und somit stand dem Führerschein nichts im Wege“, schildert Gernot Kempkes, der freilich auf die ganz besonderen Begabungen von Robert Augenmerk haben musste. Das hat der 42-jährige Fahrlehrer regelrecht gelernt. Denn er und Heribert Bertelsbeck – beide betreiben die Fahrschulgemeinschaft – haben sich mit dem Besuch von Lehrgängen eigens kompetent gemacht für die Fahrschulausbildung von Menschen, die ein Handicap haben. Sei es von Menschen, die ein Bein verloren haben, sei es von Menschen, die nach einem Schlaganfall zunächst in die Fahrschule müssen, bevor sie wieder Auto fahren dürfen, sei es von Menschen, die schwere Arbeitsunfälle erlitten hatten.

Dank des Engagements von Gernot Kempkes ist Robert Eggemann nun motorisiert auf vier Rädern unterwegs. Was gefeiert wurde – mal mit den Nachbarn vom Hohen Heckenweg, mal mit einem Grillen bei Opa Günther auf dem Bulderner Dapperskamp. Sie alle freuen sich mit Robert, der nun bald auch ein eigenes Auto hat, mit dem er zu den Schwimmbädern fahren kann, in denen es tolle Rutschen gibt. Denn neben Autofahren ist auch Rutschen im Schwimmbad eine Leidenschaft von Robert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare