Kreuzschüler wurden 1946 auf Gerüstbrettern in der Kirche Heilig Kreuz eingeschult

Treffen 65 Jahre nach der Schulentlassung

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Die im Jahre 1954 entlassene Jungenklasse der Kreuzschule Dülmen. Insgesamt wurden 154 Jungen und Mädchen der Kreuzschule 1954 entlassen.

Dülmen. Plötzlich tauchte nach dem Kaffeetrinken ein Überraschungsgast auf – in ungewöhnlicher Kleidung mit schwarzem Frack und rotem Zylinder, im Gepäck noch eine Drehorgel mit kleinem Stoffäffchen: Günther Sickenberg, Ehemann der teilnehmenden Agnes Sickenberg, erfreute die Ex-Schüler der Kreuzschule höchst musikalisch.

„Wir haben gemeinsam Volkslieder und Schlager aus den 80er Jahren gesungen. Es war wunderschön und der krönende Abschluss unseres sehr gelungenen Treffens. Der von Herrn Sickenberg rundgereichte Zylinder erbrachte eine Spende von 110 Euro für ein Kinderhilfsprojekt in Indonesien“, so Kurt Löbbert, federführender Organisator des offiziell letzten Klassentreffens 65 Jahre nach der Schulentlassung. Unterstützung erhielt er wiederum von seinem Orgateam Ursula Kortmann (geborene Pietz), Imgard Wurzinger (geborene Langener), Christel Sabe (geborene Gerversmann), Erwin Püttmann, Josef Bräutigam und Franz-Dieter Scheffer: Auftakt für die 35 Ehemaligen war am Samstag um 10.30 Uhr im Pfarrheim Heilig Kreuz. Dabei begrüßte Löbbert die Anwesenden, gratulierte allen, die schon ihren 80. Geburtstag gefeiert hatten und sagte dann: „Liebe Mitschülerinnnen, liebe Mitschüler. Im Archiv der Josefschule beziehungsweise der Kreuzschule habe ich aus dem Jahr 1954 das folgende historische Dokument gefunden, einen Artikel aus der Dülmener Zeitung.“ 

Daraus zitierte er aus „339 Kinder beendeten Volksschulzeit“ die Passage: „Duden für gutes Zeugnis“ mit dem Untertext: „Im Beisein von Pfarrer Schwalvenberg, Kaplan Lückmann, Pater Amadeus, Bürgermeister Espeter, der Vorsitzenden des Volksschulausschusses der Stadt, Frau Worstbrock und des Vorsitzenden der Schulpflegschaft, Ferdinand Hülck, fand in der Aula der Kreuzschule die Abschlussfeier statt. 82 Mädchen und 72 Knaben konnten hier aus der Hand des Rektors Erning ihr Entlassungszeugnis in Empfang nehmen.“ Dann habe Bürgermeister Espeter an sechs Schüler für ihre guten Leistungen je einen Duden überreicht, „die von der Stadt gestiftet worden waren“.

Die Teilnehmer hatten, so Löbbert im Streiflichter-Interview, vor 73 Jahren im zerbombten Dülmen1946 als i-Männchen begonnen. „Die Einschulung war auf Gerüstbrettern im unteren Teil der Kreuzkirche, wo jetzt die Emmerick-Gedächtnisstätte ist. In einer Klasse waren sogar 63 Schüler. Einige Tage nach der Einschulung sind wir dann in die Josefschule gekommen und im Frühjahr 1954 nach der achten Klasse aus der neuen Kreuzschule entlassen worden.“ Nicht verwunderlich, dass deshalb das letzte offizielle Klassentreffen am historischen Ort des ersten Schultages stattfand. Dazu stand um 11 Uhr am Samstag die Besichtigung der Emmerick-Gedenkstätte auf dem Programm. „Angela Pund, stellvertretende Vorsitzende des Emmerick-Bundes, hatte noch ein Kurzreferat gehalten und unter anderem erklärt, dass viele Besucher, überwiegend Pilgergruppen, zur Gedenkstätte kämen, insbesondere aus Südamerika. Monatlich würden rund 50 E-Mails eintreffen, die meisten aus Brasilien und Lateinamerika.“ Nach einem Gruppenfoto lasen Helga Kreienbaum und Kurt Löbbert am Emmerick-Grab die ihnen noch bekannten Namen der mittlerweile verstorbenen Mitschüler vor. Dann erschien Pfarrer Peter Nienhaus, der eine Goldhochzeitsfeier unterbrochen hatte, begrüßte die Gäste, sang mit ihnen ein Lied und gemeinsam sprachen alle das „Vater unser“. Anschließend wartete im Pfarrheim eine Gulaschsuppe des Ehepaares Ruhoff von der Gaststätte „Haus Sternemann“ auf die Besucher. „Wir hatten eine tolle Atmosphäre. Nach dem gemeinsamen Mittagessen habe ich in einer musikuntermalten Beamerschau alte Bilder ab unserem Einschulungsjahr 1946 vom zerstörten Dülmen bis zu unserem Schulabschluss gezeigt, und anschließend haben wir noch alte Bilder ausgetauscht“, berichtet Löbbert. „Am weitesten waren Hermann Wälter aus Hattingen und Franz-Josef Holiet aus Greven angereist.“

Nach dem sich anschließenden Kaffeetrinken mit selbst gebackenem Kuchen folgte dann der eingangs erwähnte Überraschungsgast. „Damit wir uns nicht ganz aus den Augen verlieren, machen wir im August eine Klassenfahrt.“ Diese organisiert Erwin Püttmann.

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