Thomas Nieswandt ist noch bis August aktiver Bergmann

Über 20 Jahre lang war Thomas Nieswand unter Tage vorne an der Kohlefront. Noch bis August geht seine Zeit als aktiver Bergmann.

Buldern/Bottrop. „Das war schon ein ansehnlicher Brocken – das Stück Kohle, das wir als Ersatz hatten für eine Übergabe an Bundespräsident Steinmeier“, erinnert sich Thomas Nieswandt.

Als Mitarbeiter der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop nahm der Bulderner am Rande teil an der Veranstaltung, mit dem am 21. Dezember der Abschied vom deutschen Steinkohlebergbau begangen wurde.

Dieser Ersatz-Kohlebrocken kam jedoch gar nicht zum Einsatz, denn das Kohlestück, das Steinmeier übergeben wurde, war stabil genug und zerbröselte nicht, was auch hätte passieren können.

„Die ganze Veranstaltung war ziemlich aufwändig vorbereitet – sagenhaft, was da an Geld in die Hand genommen wurde. Und cool, wie locker drauf die vielen Leute vom Fernsehen waren“, meint Thomas Nieswandt, der noch bis 9. August auf der Zeche Prosper-Haniel arbeitet, bevor er in die sogenannte Anpassung geht – die Zeit der Bergleute zwischen aktivem Dienst und Renteneintritt.

Als „Anschläger“ – so der Fachbegriff – steuert der 48-Jährige über Tage drei Schachtaufzüge für Personen- und Materialfahrten. „Momentan laufen da die letzten Raubzüge – das Material muss aus dem Bergwerk geholt werden“, erklärt der gebürtige Dülmener, einer der wenigen noch aktiven Bergleute. „Es waren mal 4.000 bis 5.000 Leute hier auf Prosper-Haniel. Jetzt sind es nur noch so 800 bis 1.000.“ Aus dem gesamten Streiflichter-Erscheinungsgebiet sind es noch neun Bergleute, die auf Prosper-Haniel arbeiten – und 33, die insgesamt noch im Bergbau tätig sind.

Einst fuhren Busse voll mit Bergleuten zu den Zechen

 „Das war mal ganz anders: Mein Vater fuhr noch mit dem Zechenbus von Ford Wille aus zum Pütt“, erinnert sich Thomas Nieswandt, der in Dülmen in der Münster- und der Halterner Straße aufgewachsen ist. Da sein Vater Bergmann war, lag es nah, dass auch er diesen Berufsweg einschlägt. „Über 20 Jahre lang war ich unter Tage an der Front. Ich war Hauer in der Gewinnung, bin Senklader, Walze und Schilde gefahren, habe Dämme gebaut, Kohlehobel nachgerückt und Förderbänder wieder zusammengenäht.“ 2012 dann ein schwerer Arbeitsunfall. Knie. Zweieinhalb Jahre war Thomas Nieswandt außer Gefecht, bis die Berufsgenossenschaft sagte, „Sie dürfen wieder arbeiten – über Tage“.

Bergmann zu sein „habe ich nie bereut“, erklärt der Vater zweier erwachsener Kinder, der seit 1995 in Buldern wohnt und seitdem bei Adler Buldern als Trainer und Fußballschiedsrichter engagiert ist. „Bergbau ist was Einzigartiges gewesen, das wird uns immer bewusster. Etwa der Zusammenhalt – du warst unter Tage aufeinander angewiesen. Und: Es wurde nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, man konnte allen alles ins Gesicht sagen, da wurde nichts nachgetragen.

Diese Mentalität stirbt langsam aus“, so Thomas Nieswandt.

Virtuelles Denkmal für den Steinkohlebergbau 

Er freut sich, dass dem deutschen Steinkohlebergbau ein virtuelles Denkmal gesetzt wurde. Unter www.glueckauf.wdr.de geht’s im 360-Grad-Modus interaktiv unter Tage – teilweise im 3D-Modus und mit Bergmannschor.

Hier ist auch Thomas Nieswandt in Aktion zu sehen: „Lust auf alte Bergwerke in Nordrhein-Westfalen? Dann bist du hier genau richtig“, lautet sein Text.

 „Das ist für die Ewigkeit. Das kann ich meinen Enkelkindern noch zeigen“, meint Thomas Nieswandt.

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