Sprachliche Denkmale – Rudi Kissenkötter befasst sich mit plattdeutschen Texten

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An seinem Küchentisch überträgt Rudi Kissenkötter die plattdeutschen Gedichte und Geschichten in seine handschriftliche Sammlung.

Dülmen. „Dülmen und das Münsterland sind meine Heimat. Und dazu gehört für mich einfach auch die plattdeutsche Sprache“, sagt Rudi Kissenkötter. „Man kann einfach auf Plattdeutsch vieles einfacher und treffender ausdrücken als auf Hochdeutsch“, so der 82-Jährige, der für sein vielfältiges uneigennütziges Engagement für Dülmen 2014 den Dülmener Ehrenamtspreis erhalten hat.

Seit 2015 befasst er sich unter anderem speziell mit plattdeutsch geschriebenen Gedichten und plattdeutschen Prosa-Beiträgen, die er in Münsterländer und Westfälischen Heimatkalendern gefunden hat. „Ein Bekannter hat mir die Kalender aus dem Bestand eines Arztes vermittelt, weil er wusste, dass das etwas für mich ist“, erklärt Rudi Kissenkötter, der sein Selbstverständnis als Mensch und auch die Wesensart der Menschen hier im Münsterland in vielen Texten darin wiedergespiegelt sieht – mal in Geschichten, mal in Gedichten.

So hat der Dülmener die Hefte durchgearbeitet und eine ganze Reihe der darin abgedruckten plattdeutschen Gedichte und Geschichten von Hand abgeschrieben und mit Autorenkennung und Fundhinweisen versehen. Viele Seiten hat er damit in einem DIN-A4-Heft bereits gefüllt. Ihnen hat er folgende Vorbemerkung vorangestellt: „Düt und dat up platt – Schriewsels, Gedichtkes, Naodenkliges un annere guede Saken ut’en ,Westfäölsken Heimatkalenner’ von niegenteinhunnerteenuntwintig bes niegenteinhunnerttweunsesstig tesammenschriewen. Vull Vergnögen daobi!“

In verschiedenen Werken – etwa „Heimat-Kalender für den Kreis Coesfeld 1926“ (Mitte), „Münsterländer Heimatkalender 1939“ (links) und „Westfälischer Heimatkalender 1944“ (rechts) findet Rudi Kissenkötter die plattdeutschen Texte.

Die Verfasser der Gedichte und Prosatexte sind unterschiedlich. So beispielsweise Natz (Bernhard) Thier (1886-1957) – Sohn des letzten Zinngießers in Coesfeld –, der nach seinem Abitur, das er in Coesfeld ablegte, in Aachen Bauingenieurwesen studierte und 1934 die noch heute bestehende Karnevalsgesellschaft „Die-La-Hei“ (Die Lachende Heimat) mitgründete. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er eine Zeit Leiter des Coesfelder Stadtbauamts und hatte ab Ende 1945 die Bauleitung beim späteren Landschaftsverband Rheinland inne.

Ein weiterer Dichter, dessen Texte in die Zusammenstellung von Rudi Kissenkötter gekommen sind, ist Benno Happe (1880-1978). Der gebürtige Beckumer war Postbeamter unter anderem in Coesfeld und in anderen Orten des Münsterlands und hat – wie Natz Thier – als Heimatdichter manch ein plattdeutsches Gedicht verfasst.

Wie ist der Westfale und der Münsterländer an sich? Was und wie denkt er, was und wie fühlt er? Nach welchem Wertesystem lebt er? Antworten hierauf findet Rudi Kissenkötter auch in plattdeutschen Texten von Augustin Wibbelt, von denen einige ebenfalls in den Heimatkalendern abgedruckt sind.

Nun kann sich Rudi Kissenkötter vorstellen, zu den plattdeutschen Texten auch hochdeutsche Übersetzungen zu formulieren: „Viel vom Plattdeutschen versteht man so, aber manche Wörter sind einfach doch speziell.“ Anfragen zu hochdeutschen Übersetzungen hat Rudi Kissenkötter schon vorliegen. „Ich mach das unentgeltlich. Es geht mir einfach darum, dass die plattdeutsche Sprache, die inzwischen ja nur noch selten gesprochen wird, weiter gepflegt wird.“

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