Seit’ an Seit’ mit Papst Johannes Paul II.

Peter Nowak
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Peter Nowak an seinem Schreibtisch. Im März geht der Leiter der Dülmener Polizeiwache in den Ruhestand.

Im März geht Peter Nowak, Leiter der Polizeiwache Dülmen, in den Ruhestand. Er blickt auf eine bewegte Polizeikarriere zurück.

Dülmen/Billerbeck. Normales Büro mit Schrank und Garderobenständer, Schreibtisch mit PC, ein runder Tisch mit sechs Stühlen. Auf der Fensterbank und auf dem Regalbrett hinterm Schreibtisch an die 20 Wimpel – jeder zeigt die Flagge eines anderen Landes. „Die haben wir damals 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft bekommen, bei der ich in Gelsenkirchen als Pressesprecher eingesetzt war – vom Kreis Coesfeld abgeordnet“, schmunzelt Peter Nowak. 

Gern erinnert sich der Billerbecker an solche besonderen Stationen in seiner Polizei-Karriere, die er 1970 im Mittleren Dienst mit Streifendienst in Bonn und Ahaus begonnen hat. Nach neun Jahren als Leiter der Polizeiwache in Dülmen – mit 50 Beamten die größte Wache im Kreis Coesfeld – geht er mit Erreichen der Altersgrenze im März in den Ruhestand. Noch bis Ende dieser Woche ist er in seinem Büro anzutreffen – dann gilt es noch, Urlaub und Überstunden auszugleichen. 

„Bei der Fußball-WM in Gelsenkirchen passte alles“ 

„Das war 2006 ein sehr, sehr schöner Einsatz in Gelsenkirchen. Die Stimmung, das Wetter, alles passte. Und das Konzept, dass überall auch Polizisten der vor Ort spielenden Fußballnationalteams mit auf Streife waren, ging auf. Es blieb friedlich“, sagt Nowak und schaut auf ein Foto, das ihn zusammen mit einem Polizisten aus Portugal und einem aus Großbritannien zeigt. „Zehn Polizeipressesprecher waren wir damals – und hatten reichlich Interviews zu geben, rund um die Welt.“ 

Auch andere „Souvenirs“ erinnern Peter Nowak an ein bewegtes Polizisten-Leben: „Diese Dankesurkunde haben wir 1972 bei den Olympischen Spielen in München bekommen.“ Damals war er als Mitglied einer der vier Polizei-Bereitschaftshundertschaften aus NRW in München vor Ort. Und erlebte dort etwas ganz Besonderes: „Wir liefen da auch in der ersten Nacht nach dem Zweiten Weltkrieg Streife, in der kein einziges Auto in München gestohlen wurde. So was behält man sich – als Polizist.“ 

Bald drauf schon studierte er und kam danach 1978 zur Polizei in Coesfeld und wirkte dreieinhalb Jahre als Dienstruppenleiter und in der Polizeischule Selm-Bork als Fachlehrer für Staats- und Verfassungsrecht („mein Lieblingsfach“) sowie Verkehrsrecht, bevor der 1982 zur Kripo nach Dülmen kam und 1983 erstmals Mitglied einer Mordkommission wurde. Bald schon ging er zurück nach Coesfeld („Die Entfernung nach Billerbeck war einfach kürzer“), wo er erst als Sachbearbeiter und dann als stellvertretender Kommissariatsleiter arbeitete. 1987 war er beim Münster-Besuch von Papst Johannes Paul II. für die Innensicherheit im Paulusdom zuständig. „Ich als Protestant war Schulter an Schulter zum Papst. Meine katholische Schwiegermutter war beeindruckt...“ 

1994 wurde er Chef der 25-köpfigen Abteilung Zentrale Kriminalitätsbekämpfung und hatte dabei die schwere und organisierte Kriminalität sowie deren Vorbeugung im Blick – mit deutlichem Erfolg: „Groß durch die Presse ging damals, als wir in Münster bei einem vorgetäuschten Blütenkauf einen Geschäftsmann aus Rheine dingfest machen konnten, der einen Koffer mit gefälschten Dollarscheinen im Wert von 300 000 Euro an den Mann bringen wollte. Allerdings war der Käufer ein Polizist von uns“, so Peter Nowak und greift zu einem Zeitungsausschnitt, der ihn mit seinem Dülmener Kollegen Jürgen Skaliks und dem „Geld“koffer zeigt. 

1998 wurde Peter Nowak Leiter des Dezernats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchswerbung sowie Aus- und Fortbildung. Sein Vorgänger im Amt war in den Ruhestand gegangen. In seine Zeit als Pressesprecher fielen aufregende Aufgaben. So war er 1999 als Pressesprecher zum Polizeipräsidium Köln abgeordnet und erlebte den Besuch von Clinton und Jelzin am Kölner Dom sozusagen in Griffweite mit, wie die Bilder, die er davon gemacht hat, zeigen. Auf einem Bild von damals ist Peter Nowak mit Polizeikollegen und Innenminister Fritz Behrens zu sehen. 

Polizei-Pressesprecher bei Amoklauf in Emsdetten 

Nach der Fußball-WM 2006 war Peter Nowak dann auch im November nach Emsdetten abgeordnet – wegen des Amoklaufs. „Ich hatte unheimlich viele Live-Interviews zu geben. Bis abends keine Chance, was zu essen.“ 

Schöner war da der Einsatz als Pressesprecher beim Weltjugendtag und beim Besuch von Papst Benedikt in Köln. „Der Gottesdienst auf dem Marienfeld mit über einer Million Menschen war einfach überwältigens – so viele Leute habe ich mein ganzes Leben noch nicht auf einmal gesehen. Wie gut, dass da nichts passierte.“ 

Dann, vor neun Jahren, der Wechsel nach Dülmen, Übernahme der Leitung der Polizeiwache. „Zum Abschluss des Dienstes genau das Richtige“, so Peter Nowak. „Weil man von der Erfahrung in den vielen Bereich profitieren kann.“ Und so hat er auch hier einiges bewegt: „Die funktionierende Ordnungspartnerschaft zwischen Stadt und Polizei, die vor allem bei der Kirmes nach außen deutlich wird, haben wir mit einem Alkohol-Mitbringverbot erweitert, nachdem das ein Jahr vorher bereits beim Martinimarkt in Nottuln für einer Entspannung der Lage gesorgt hatte – zumal auch polizeibekannte ,Kandidaten’ im Vorfeld einen Platzverbot bekommen.“ Neu initiiert hat er auch eine Bahnhofs-Ordnungspartnerschaft mit der Bundespolizei. Sehr froh ist Peter Nowak auch darüber, dass es ihm gelungen ist, das Landespolizeiorchester nach Dülmen zu holen. „Die Adventskonzerte in der Viktorkirche sind eine tolle Gelegenheit, die Polizei gut nach außen darzustellen. Nachdem die britischen Soldaten nicht mehr dort musizieren, haben wir eine neue Dauereinrichtung geschaffen, bei der auch einiges an Geld für gute Zwecke zusammenkommt.“ In diesem Jahr waren es 3000 Euro für die Dülmener Tafel.

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