Euro-Alkohol in Lüdinghausen

Sauberer Alkohol ist sein Job: Frank Cordes aus Dülmen leitet Qualitätslabor 

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Frank Cordes arbeitet bei Euro-Alkohol in Lüdinghausen.

Lüdinghausen/Dülmen. Was Hochprozentiges gefällig? Bitteschön: Tausend große Badewannen voll Ethanol – 240 000 Liter – mit Konzentrationen zwischen 96 und 100 Prozent verlassen im Durchschnitt täglich das Werksgelände der Euro-Alkohol GmbH in Lüdinghausen – zumeist per Lkw. 

Die dazu verwendeten Getreidemengen sind unterschiedlich. Je nach Bedarf werden pro Tag 150 Tonnen Gerste, 150 Tonnen Roggen oder aber 220 Tonnen Weizen – zumeist mit Schiffen über den Dortmund-Ems-Kanal angeliefert – verarbeitet. Dass die Produkte chemisch sauber sind – darauf hat Frank Cordes, einer von 59 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Euro-Alkohol GmbH, ein spezielles Auge. Der Dülmener ist seit 2012 Leiter des Qualitätslabors des Unternehmens, in dem ein fünfköpfiges Team täglich Proben untersucht.

Die Proben werden mit diversen Verfahren getestet: Mit dem Dichtemessgerät wird der Alkoholgehalt festgestellt. Im nasschemischen Bereich kommen beispielsweise Indikatoren zum Einsatz. Durch Ver- beziehungsweise Entfärbung geben diese Indikatoren Aufschluss über Inhaltstoffe und Zustand der Probe.

„Wir finden ein Stück Zucker im Bodensee“

„Seit langem haben wir auch Gaschromatographen im Einsatz“, erklärt Frank Cordes. Geräte, mit denen auch kleinste Konzentrationen gesuchter Stoffe nachgewiesen werden können. „Wir finden damit ein Stück Würfelzucker im Bodensee“, schmunzelt Frank Cordes.

Diese genaue Untersuchung hat ihre Bewandnis: „Wir produzieren reines Ethanol für die verschiedensten Zwecke“, so Cordes. „Zu einem Drittel wird der Ethanol in der Getränkeindustrie verwendet. Jeder zweite Korn, der in Deutschland getrunken wird, ist mit Alkohol aus unserer Produktion entstanden“, so Frank Cordes. Und: „Es gibt nur wenige Trinkalkohol-Produzenten, die nicht unsere Kunden sind: Die Euro-Alkohol GmbH ist eine der drei größten Kornbrennereien in Deutschland.“

Produktion nach höchsten Standards

Ein weiteres Drittel der Produktion verwenden die Euro-Alkohol-Kunden für pharmazeutische Zwecke. „Die garantierte Reinheit unserer Produkte weisen wir im Labor nach – und hierfür haben wir auch entsprechende Zertifikate, die verifizieren, dass wir gemäß den strengen gesetzlichen Regeln pharmazeutischer Produktion arbeiten“, so Frank Cordes. „Das verschafft uns gegenüber Mitbewerbern einen Vorsprung.“

Das letzte Drittel der Produktion geht in technische Anwendungen. „Damit unsere Kunden auf diesen Alkohol keine Branntweinsteuer zahlen müssen, muss der Alkohol ungenießbar gemacht werden – vergällt. Hierzu reichen beispielsweise acht Gramm Denatoniumbenzoat auf tausend Liter Ethanol. Hier im Labor prüfen wir dann, ob dem Alkohol auch genügend Vergällungsstoff beigemengt wurde.“

Nase und Gaumen nehmen mehr wahr als Technik

Ein breites Aufgabenspektrum hat das Labor somit zu absolvieren – Aufgaben, die auch Zunge, Gaumen und Nase erfordern. „Zur Prüfung gehören in der Regel auch Geschmacks- und Geruchstests. Manche Unregelmäßigkeit, die sich nicht physikalisch-chemisch herausfinden lässt, offenbart sich bei sensorischer Prüfung“, so der 48-jährige verheiratete Vater zweier Kinder, der einmal im Monat auch am Wochenende arbeiten muss. „Bis auf zwei Wochen im Jahr, in denen wegen Wartungsarbeiten nicht gebrannt wird, wird hier durchgängig produziert. Daher müssen auch an Sonn- und Feiertagen Proben analysiert werden.“

Auch Alkohol aus aller Welt wird geprüft und verarbeitet 

Das gilt auch für angelieferte Produkte: „Auf der einen Seite brennen wir hier in Lüdinghausen selber in 35 Meter hohen Anlagen mit 72 Destillationsebenen, die nach oben hin immer reineren Alkohol abscheiden. Wir verarbeiten aber auch Alkohol aus aller Welt – sei es aus Südamerika, sei es aus Asien – und machen ihn zum Feindestillat. All dies muss unser Labor natürlich ebenfalls überwachen.“

Zum Thema

1930 nahm die in Münster gegründete dkv, die Deutsche Kornbranntwein-Verwertungsstelle GmbH, als Vereinigung der deutschen Kornbrennereien im Rahmen des Branntweinmonopolgesetzes ihre Tätigkeit auf. Dazu wurde am Lüdinghauser Bahnhof ein Grundstück erworten. Kornbrennereien lieferten ihren Rohalkohol an die dkv, wo daraus durch weitere Destillation Feinbrand entstand. Im Zuge maßgeblicher Änderungen im Branntweinmonopolgesetz beschlossen die 350 Anteilseigner des Unternehmens im Jahr 2002, dass fortan nicht nur Rohalkohol nachdestilliert (rektifiziert) werden, sondern auch selbst gebrannt werden soll. Eine neue Getreidebrennerei wird errichtet und geht 2004 in Betrieb. Inzwischen firmiert das Unternehmen unter dem Namen Euro-Alkohol GmbH.

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