Sänger für Dülmens Männerchöre gesucht

Ein großer Erfolg war vor einem Jahr auf der Karthaus das gemeinsame Konzert der drei Dülmener Männerchöre zusammen mit der Stadtkapelle.

Dülmen. Wer jemals in einem Chor gesungen hat, wird die Erfahrung von Hans-Willi Heeringa unterschreiben: „Singen ist Balsam für die Seele“, sagt der 63-jährige Dülmener. Seit 1981 ist er Mitglied im MGV Sängerbund, und mittlerweile kann er auf 24 Jahre als Vorsitzender des Chores zurückblicken. Mit ihm und mit Manfred Jostes (65), seit 38 Jahren Mitglied des Dülmener Sängerchors Loreley und seit 18 Jahren Vorsitzender der „Lore“, sowie Klaus Demes (65), seit fast 49 Jahren Mitglied und seit kurzem Vorsitzender der Chorgemeinschaft Dülmen, unterhielten sich die Streiflichter über das Männerchorwesen in Dülmen.

„Kurz nach dem 100-jährigen Bestehen des Sängerbunds 1988 hatten wir 36 Sänger. Jetzt sind es noch 33 – in den vergangenen Monaten sind zehn neue Sänger dazugekommen, allein acht vom früheren Firmenchor Thies in Coesfeld“, so Hans-Willi Heeringa. „Und man merkt sofort bei den Proben, wenn ein paar Sänger mehr mit dabei sind.“

Veränderungen sind auch bei der Chorgemeinschaft Dülmen zu verzeichnen. „Vor 25 Jahren, 1993, hatten wir rund 50 Sänger. Zur Zeit sind wir 39 Aktive“, zeigt Klaus Demes auf. Manfred Jostes berichtet von aktuell 14 aktiven Sängern in der „Lore“. „1993 hatten wir noch rund 40 Sänger. Nur vereinzelt haben wir in den 25 Jahren neue Mitglieder dazubekommen“, so der 65-Jährige.

Im Gespräch wird deutlich: Neue Sänger für Chöre – in diesem speziellen Fall: Männerchöre – zu finden ist gar nicht so einfach. „Früher hat man gesagt: ,Komm mal mit’, und dann klappte das. Heute braucht man schon einiges an Argumenten, wenn man Leute zum Mitsingen im Chor bewegen will“, berichtet Manfred Jostes.

Dabei gibt es manch ein Pro-Chor-Argument: „Singen ist gesund, Singen ist Gemeinschaft, man ist wie eine Familie. Bei den Geselligkeiten sind Frauen mit dabei – und wir kümmern uns auch um die Witwen und halten Kontakt mit ihnen“, so Hans-Willi Heeringa. Und Klaus Demes: „Singen ist eines der wenigen Hobbys, die man noch bis ins hohe Alter ausüben kann.“ In der Chorgemeinschaft sei das Durchschnittsalter aktuell 71,4 Jahre. Was die drei Vorsitzenden vermuten ist, dass Chorprojekte viele Sängerinnen und Sänger mehr ansprechen als stringente Chormitgliedschaft. „Projekte sind zeitlich befristet, und meistens können beide Eheleute parallel dabei mitwirken“, so Hans-Willi Heeringa. Seiner Ansicht nach habe vor dem Hintergrund gemeinsamen Singens von Ehepartnern ein Gemischter Chor in Dülmen durchaus Zukunft.

Auch die Chorreisen zählen zum Chorleben: „Als ich aus dem Kirchenchor Heilig Kreuz kommend in die Chorgemeinschaft eintrat, hatten wir kurz drauf 1970 eine Amerika-Reise. Davon zehre ich heute noch. Wobei – oft sind die kleinen Touren und Wochenendfahrten die schöneren“, meint Klaus Demes und erhält zustimmendes Nicken von den beiden Vorsitzenden-Kollegen.

„Wir fahren beispielsweise nach Frankreich zu unseren Freunden vom Orchester Harmonie Municipale in Charleville-Mézières. Das kostet den Sängern so gut wie nichts. Mit unseren Freunden aus Charleville geben wir am 27. Oktober auch gemeinsames ein Konzert in einer historischen Fabrikhalle der Firma Hazemag. Das wird bestimmt toll“, so Hans-Willi Heeringa. Angesichts sinkender Mitgliedszahlen – wie sehen die Vorsitzenden die Zukunft der drei Dülmener Männerchöre? „Es gibt irgendwann nur noch einen Männergesangverein in Dülmen“, meint Hans-Willi Heeringa; dem stimmen die beiden anderen Vorsitzenden auch zu.

Gemeinsame Auftritte gibt es ja bereits. So gestalten alle drei Chöre seit drei Jahren gemeinsam das zuvor allein von der „Lore“ gestemmte Ständchen im Dülmener Rathaus, wenn der Stadtrat seine letzte vorweihnachtliche Sitzung beendet hat. Zwei gemeinsame Proben gehen dem voraus. Und am 21. Juli findet – ebenfalls zum dritten Mal – eine gemeinsame Wanderung der drei Chöre vom AlexTagWerk (ehemals Barbarahaus) zur Gaststätte „An’ Koppel Steen“ statt, wo gesellig der Spielekönig ermittelt wird. Und vor einem Jahr gaben die drei Chöre zusammen mit der Stadtkapelle an der St.-Jakobus-Kirche Karthaus ein Konzert. „Das war super“, so die Vorsitzenden. „Wir sind ja keine Konkurrenten. Vielmehr hat jeder Dirigent seine eigene Art, Musik zu interpretieren und einen Chor zu leiten“, so Hans-Willi Heeringa. Und das jeweils mit Tradition: Seit 19 Jahren leitet Gerd Queens die „Lore“, seit 40 Jahren dirigiert Helmut Kathmann den Sängerbund, und sogar 60 Jahre ist Otto Groll musikalischer Leiter der Chorgemeinschaft.

Wobei sich die Tradition auch gewandelt hat: „Wir singen nicht nur die klassische Männerchorliteratur, sondern auch Stücke wie ,An Tagen wie diesen’ von den Toten Hosen oder auch Schlager, Musicals und Operetten. Da hat sich viel geändert“, so Heeringa.

Zum Thema: Die Probenzeiten der Chöre

Wer in Dülmen bei einem Männerchor mitsingen möchte, hat die freie Wahl, denn die Chöre proben an drei verschiedenen Werktagen:

Der MGV Sängerbund (Leitung: Helmut Kathmann) probt dienstags ab 19.30 Uhr in der Gaststätte Sternemann (Münsterstraße 7). Vorsitzende Hans-Willi Heeringa ist unter Telefon (02594) 84377 zu erreichen.

Die Chorgemeinschaft Dülmen (Leitung: Otto Groll) probt donnerstags ab 19.30 im AlexTagWerk (Kapellenweg 75). Informationen erhält man beim Vorsitzenden Klaus Demes unter Telefon (02594) 4931.

Der Dülmener Sängerchor Loreley (Leitung: Gerd Queens) probt freitags ab 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Joseph (Josef-Heiming-Straße, an der Kirche St. Joseph). Vorsitzender Manfred Jostes ist unter Telefon (02594) 948464 zu erreichen.

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