Im Jahre 1906 verließ der letzte Orgelbauer still und leise die Stadt

Orgeln made in Dülmen

In der Lüdinghauser Straße ließ sich Joseph Laudenbach nieder.

Dülmen. Was wäre eine christliche Messe, bei der der Gesang nicht durch die imposanten Töne einer Orgel untermalt werden?

Dabei machen sich die wenigten Gedanken, wie viel Aufwand hinter der Produktion eines solchen Instrumentes steckte. Deutschland hat heute ungefähr 450 Orgelbauer, sechs davon Im Regierungsbezirk Münster. So werden in Steinfurt, Münster, Warendorf und Gelsenkirchen noch in Handarbeit Orgeln gebaut. Früher war der Beruf des Orgelbauers viel weiter verbreitet. So hatte auch Dülmen zwei Orgelbauer...

Einer von ihnen hieß Wilhelm Kramer. Er kam 1829 nach Dülmen und eröffnete seinen Handwerksbetrieb in der Münsterstraße. Kramer baute unter anderem die Orgel in der St.-Viktor-Kirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Aber auch die Orgel in der Lamberti-Kirche in Coesfeld wurde von ihm erbaut, die noch heute erhalten ist. Nur zwei Beispiele der zahlreichen Orgeln, die Kramer im Laufe seines Lebens baute. Im fortgeschrittenen Alter zog Kramer 1863 nach Münster, wo er noch einige Jahre Reparaturarbeiten durchführte.

Nachdem der Orgelbauer weggezogen war, übernahmen andere die „Marktlücke“. Neben vielen Gehilfen beauftragte Kramer auch den Tischler Martin Laudenbach. Sein Sohn Joseph Laudenbach machte nach seiner Tischlerausbildung eine fünfjährige Ausbildung zum Orgelbauer bei Kramer und war der neue Instrumentenbauer im Ort: Nach zehnjähriger Wanderschaft kehrte er nach Dülmen zurück, um sich als selbstständiger Orgelbauer niederzulassen. Seinen Betrieb eröffnete er in der Münsterstraße. Zunächst im Haus seines Bruders, der dort als „Goldarbeiter“ (Goldschmied) tätig war. Nach seiner Heirat 1853 eröffnete er seine Werkstatt in der ehemaligen Wirtschaft Kraute in der Lüdinghauser Straße, bis er 1881 verstarb. Es war ein großer Betrieb mit acht bis zehn Gehilfen, mehreren Tischlern und Gesellen, der viele Neubauten im Münsterland anfertigte, unter anderem auch die Orgel in der Daruper Kirche. Seinen Sohn Bernard bildete er ebenfalls zum Orgelbauer aus. Dieser übernahm nach Joseph Laudenbachs Tod seinen Betrieb und führte ihn noch zwei Jahre weiter.

Danach ging es mit dem Betrieb wirtschaftlich bergab. Dies fiel in eine Zeit, in der das technische Zeitalter in die Betriebe kam. Bernard Laudenbach war wohl gezwungen die Gastwirtschaft Kraute zum Teil wieder zu eröffnen. Die Räumlichkeiten wurden zweigeteilt, in der einen Hälfte Wirtschaft, in der anderen Werkstatt. Seinen letzten selbstständigen Orgelneubau erstellte Bernard Laudenbach 1901. Nur fünf Jahre später verließ er Dülmen und zog nach Hamborn. So ging eine fast 80-jährige Orgelbautradition in Dülmen zu Ende...

Streiflichter-Ausgabe vom 23.1.2013

Von Christina Brechler

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