Ford Taunus Transit von 1960 läuft mit 100-Prozent-Strom

Oldtimer schnurrt jetzt elektrisch

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Im Fahrerhaus befand sich ursprünglich der V4-Ottomotor zwischen den Sitzen. Er wurde herausgenommen, und ans Schaltgetriebe wurde der Elektromotor geflanscht.

Dülmen/Coesfeld. Mit einem 60 Jahre alten Ford Taunus Transit im dritten Gang anfahren? Kein Problem. Claus Holthöwer drückt aufs Pedal, und ohne Murren schnurrt der Oldtimer los – ohne Knattern und Keuchen. Im dritten Gang. Das Geheimnis: Das Kölner Pendant zum VW-Bus T1 fährt seit diesem Sommer voll elektrisch. „Das dürfte eines der ersten – vielleicht ja das erste überhaupt – Fahrzeug im Kreis Coesfeld sein, das von Verbrennungsmotorantrieb auf Elektroantrieb umgerüstet wurde“, meint Claus Holthöwer, aktuell Präsident des Rotary Clubs Coesfeld und stellvertretender Vorsitzender vom IHK-Regionalausschuss Coesfeld.

„Innerhalb der Stadt fahren wir im dritten Gang – über Land im vierten“, erklärt Fachhändler Claus Holthöwer, sehr zufrieden mit der Performance seines E-Fahrzeugs. „Als Höchstgeschwindigkeit sind in den Papieren 100 Kilometer pro Stunde angegeben. Angenehmer ist es aber, mit 70 oder 80 zu fahren“, so der 55-Jährige.

Erinnerung an frühere Jahrzehnte der Firma

Er hat den Ford Taunus Transit angeschafft als Hommage an die Zeit, als sich das Familienunternehmen noch in der Dülmener Innenstadt befand. „Wir hatten als Firmenfahrzeug in den 1970er Jahren einen VW T2. So ein Ford Taunus Transit ist aber aktuell als Oldtimer viel günstiger als ein T2“, so der Auto-Enthusiast, der den Transit in Feuerwehr-Ausführung erstanden hat. „Die Hinterachse war zum schnelleren Vom-Fleck-Kommen im Feuerwehr-Einsatz stark untersetzt bestellt worden. Das kommt uns jetzt zugute – denn der Elektromotor hat viel mehr Drehmoment als der V4-Benziner mit 1,5 Liter Hubraum und 65 PS, der ursprünglich verbaut war.“ 

Einige Zeit war die „Rote Minna“, wie auf dem Bulli zu lesen ist, bereits mit dem Verbrennungsmotot im Auslieferverkehr unterwegs. „Die Elektroanlage lief noch auf 6 Volt – da konnte es schon mal passieren, dass der Motor beim wiederholten Starten nicht mehr ansprang, weil der Akku zu schwach geworden war“, so Holthöwer. Daher kam ihm die Idee, das Fahrzeug auf Elektrobetrieb umzurüsten. „Das reizte mich auch rein technisch schon“, so der 55-Jährige.

Umrüstfirma hat vielfältige Erfahrung

Bei der Firma Lorey in Offenbach (www.elektroauto-umrüstung.de) wurde er fündig: „Das Unternehmen hat inzwischen über 110 verschiedene Autos auf E-Antrieb umgerüstet und entsprechend Erfahrung – auch bei der Zulassung durch den TÜV.“ Besonders eignen sich hierfür Fahrzeuge ohne viel Elektronik. Wie Oldtimer. 

In Dülmen wurde der Ottomotor aus der „Roten Minna“ ausgebaut, ebenso das Getriebe. „Das haben wir nach Offenbach geschickt. Dort wurde ein Flansch gefräst zum Ankoppeln an den Elektromotor.“ Auch eine Motoraufhängung wurde gefertigt. Dann kamen Getriebe und Elektromotor nach Dülmen; der Einbau erfolgte in Eigenleistung. Zur Verkabelung und zum Einbau weiterer Komponenten ging das Fahrzeug nach Offenbach, wo der TÜV seinen „Segen“ zu dem Umbau gab, so dass das Fahrzeug nun nicht mehr mit „H“, sondern mit „E“-Kennzeichen fahren kann. „Die Reichweite von rund 100 Kilometern reicht für unsere Auslieferungsfahrten in Dülmen und hier im Umkreis aus – und dass die Lithium-Eisen-Akkus rund 200 Kilogramm wiegen, fällt für unsere Zwecke auch nicht sonderlich ins Gewicht“, erklärt Claus Holthöwer.

„Akkus über zehn Jahre ohne Kapazitätsverlust“

Überzeugt habe ihn auch der Qualitätsanspruch der Offenbacher Firma: „Der Elektromotor kommt aus deutscher Fertigung – und auch die Akkus. Von ihnen berichtete der Juniorchef Lorey, dass solche Akkus in anderen Fahrzeugen seit zehn Jahren beziehungsweise 200 000 Kilometern im Einsatz sind – ohne Kapazitätsverlust“, so Claus Holthöwer. Finanziell gesehen ist die Umrüstung auf Elektroantrieb eine Investition in die Zukunft: „Bislang kostete die Kfz-Oldtimer-Steuer 192 Euro im Jahr – als E-Fahrzeug fallen für die ,Rote Minna’ nun zehn Jahre keine Steuern mehr an. Und bei der Versicherung bleibt alles beim Alten. Außerdem sparen wir jetzt 16 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer, müssen allerdings die Stromkosten für die Akkubeladung einkalkulieren. Außerdem fallen nun eine Reihe Wartungs- und Reparaturkosten für die Motortechnik weg“, so Claus Holthöwer. 

Dank Eigenleistung konnte er die Umrüstung des Fahrzeugs auf E-Antrieb für 15 000 Euro netto realisieren – eine Investition, für die es keine öffentliche Förderung gibt, wie Claus Holthöwer bei einem Telefonat mit der Energie-Agentur NRW erfuhr. „Trotzdem rechnet sich das für mich. Denn neue Transporter oder Lkw mit E-Antrieb gehen bei 40 000 Euro los.“

„Erste Firma in Dülmen mit Solarzellen auf Firmendach“

Mit der Umrüstung des Auslieferungsfahrzeugs seines Unternehmens geht Claus Holthöwer einen weiteren Schritt in Richtung Umweltschutz. „Wir waren das erste Unternehmen in Dülmen, das Solarzellen aufs Firmendach gesetzt haben“, so Holthöwer. Das war vor gut 18 Jahren. „Die Anlage, die ich damals in erster Linie zur Beschattung der Halle angeschafft habe, hat sich bezahlt gemacht und spielt seit Anfang 2019 und die nächsten zwei Jahre nun Überschuss ein, bis die Förderung ausgelaufen ist“, so Claus Holthöwer, der mit seinem Unternehmen 1994 ins Dülmener Gewerbegebiet Telgenkamp umgezogen ist. Inzwischen erfolgten Hallenanbauten und die Installation weiterer Fotovoltaikanlagen: „Rein rechnerisch versorgen wir uns seit zehn Jahren zu 75 Prozent mit eigenem Strom.“

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