„Offenes Ohr“ schließt nach fast 15 Jahren

+
Am letzten Öffnungstag des „Offenen Ohrs“ im Pfarrheim Heilig Kreuz zogen (von links) Ulla Püttmann, Marita Lewe, Karin Bontrup, Axel Winter, Anne Bockey, Bärbel Gerdes und Martina Messing Resumee.

Dülmen. Das „Offene Ohr“ der Heilig-Kreuz-Gemeinde ist nach fast 15 Jahren Geschichte. Am Donnerstag kamen alle sieben ehrenamtlichen Mitarbeiter dieses Gesprächs- und Hilfeangebots der Pfarrcaritas Heilig Kreuz beim letzten Öffnungstermin noch einmal in dem Raum im Keller des Pfarrheims Heilig Kreuz zusammen und zogen Resumee der vielen wöchentlichen – im vergangenen Jahr dann zweiwöchentlichen – zwei- bis dreistündigen Termine.

„Es war eine spannende Zeit“, fasst Martina Messing zusammen. Eine Zeit, „in der wir selber eine Menge gelernt haben – und tolle Menschen haben wir kennengelernt“, erklärt Ulla Püttmann. Menschen, die sich Sorgen und belastende Erlebnisse, ihr Schicksal von der Seele geredet haben, Menschen, die beispielsweise belastetet waren von eigener Krankheit oder Krankheit in der Familie, von der familiären Situation. Und viele Menschen, die finanziell nicht ein noch aus wussten. Ihnen wurde geholfen – teilweise auch finanziell. Wenn beispielsweise ein neuer Kühlschrank angeschafft werden musste.

Das Zuhören, das Anteilnehmen, habe im Mittelpunkt gestanden, weniger das Gute-Ratschläge-Geben. „Wir haben festgestellt, dass viele, die zum ,Offenen Ohr’ kamen, recht bald stumm wurden und sich zurückzogen, wenn sie eine Liste von Tipps und Hinweisen bekamen. Das kam bei manchen wie von oben herab an. Devise war daher, zusammen auf Augenhöhe mit den Besuchern zu überlegen, was getan werden könne, sofern der Wunsch nach Ratschlägen geäußert wurde“, so Ulla Püttmann.

Dieses zurückhaltende Helfen durch Zuhören habe einigen der anfangs 20 Ehrenamtlichen nicht gelegen. So ergab sich mit der Zeit eine Verkleinerung der Zahl der Ehrenamtlichen.

Das zurückhaltende Helfen war mitunter aber auch ganz handfest. So konnte einem Obdachlosen durch die Vermittlung ins Haus Maria Veen in Reken so geholfen werden, dass er einen neuen Beruf ergriff, eine Ausbildung machte und nun in einer Wohngruppe lebt. „Die tolle Kooperation mit dem psychiatrischen Dienst des Kreises Coesfeld, aber auch die Vernetzung mit vielen anderen Hilfestellen hier im Kreis Coesfeld waren äußerst hilfreich“, so Ulla Püttmann.

Eine ganz wichtige, wenn nicht gar die DIE Säule des „Offenen Ohrs“ war die Hartz-IV-Beratung durch Axel Winter. Äußerst bewandert im Sozialrecht, gab er Besuchenden des „Offenen Ohrs“ Tipps, wie mit Schriftstücken der Hartz-IV-Bewilligungsstellen umgegangen werden könne. Er half beim Verfassen von Widersprüchen und begleitete auch zu Terminen beim Sozialgericht. Den allermeisten Ratsuchenden konnte er helfen und zu ihrem Recht und damit Geld verhelfen. „Manchmal waren hier bei den Terminen vom Offenen Ohr etliche Leute, die zu Herrn Winter wollten“, so Ulla Püttmann.

Die Nachfrage nach Hartz-IV-Beratung habe sich im vergangenen Jahr stark reduziert – ein Phänomen, das Axel Winter auch in Lüdinghausen festgestellt hat. Dort hat der inzwischen 74-Jährige in den geraden Wochen donnerstags von 10 bis 16 Uhr beim SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) Lüdinghausen Sprechstunde – auch künftig. Das „Offene Ohr“ reagierte auf den Rückgang der Nachfrage nach Hartz-IV-Beratung, – statt wöchentlich fand das „Offene Ohr“ im vergangenen Jahr alle zwei Wochen statt.

„Alles hat seine Zeit – auch solche Angebote wie das ,Offene Ohr’ bei uns in der Gemeinde“, meint Ulla Püttmann. Sie und die anderen Ehrenamtlichen finden es traurig, dass das „Offene Ohr“ jetzt Geschichte ist. Aber – für die Teammitglieder waren die Termine manchmal auch belastend. Von daher ist das Ende des „Offenen Ohrs“ für die Ehrenamtlichen nun auch eine Entlastung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare