Miriam Holtkamp aus Dülmen leitet Delegation bei Modell-UN in New York

Miriam Holtkamp voriges Jahr bei ihrer Teilnahme als Delegierte bei der Modell-UN in New York. Damals vertrat die Delegation der Universität Siegen dabei das Land Kanada.

Dülmen/Siegen/New York. Ein bisschen steht sie schon unter Spannung, das gibt Miriam Holtkamp zu. Irgendwie verständlich. Denn die Dülmenerin leitet zusammen mit ihrer Kommilitonin Evelyne Kadesa die 18-köpfige Delegation der Uni Siegen bei der nächsten MUN New York. MUN – das bedeutet „Modell United Nations“. Dabei werden vom 25. bis 29. März in New York 2.500 Studierende von 215 Universitäten in 33 Ländern – unterm Strich Teilnehmer aus 141 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen – eine Sitzungswoche lang eine UNO-Konferenz simulieren. Die Abschlussveranstaltung findet sogar im UNO-Hauptquartier statt.

Nach ihrem Abitur 2014 am Dülmener Clemens-Brentano-Gymnasium und einem Jahr Studium der Fächer Französisch und Geschichte in Essen wechselte Miriam Holtkamp an die Uni Siegen, wo sie voraussichtlich 2019 ihren Bachelor-Abschluss in den Fächern Sozialwissenschaften und Europa im Globalen Wandel ablegen wird. Anschließend geht es für sie zum Masterstudium mit den Themen Internationale Beziehungen beziehungsweise Menschenrechte ins Ausland. „Vielleicht aber gehe ich auch nach Berlin, Dresden, Erfurt oder Erlangen, wo solche Studien auch möglich sind. Das muss ich mal sehen“, sagt die 21-Jährige. Das alles mit dem Ziel, auf Dauer beruflich bei Amnesty International oder auch bei den Vereinten Nationen tätig zu sein.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich ihr Engagement bei Simulationskonferenzen, die es auch in verschiedenen Städten in Deutschland gibt. Eine davon ist Siegen: Seit mehreren Jahren kommen dort bei den MUN-Siegen-Veranstaltungen jeweils einmal im Jahr rund 200 Studierende zusammen und schlüpfen in die Rollen von Staatenvertretern. Damit ist die MUN Siegen eine der größten MUN-Veranstaltungen in Deutschland.

Auch Miriam Holtkamp machte bei einer solchen Veranstaltung in Siegen mit und war ziemlich sofort Feuer und Flamme. „Man tut dann so, als befinde man sich auf einer UNO-Konferenz und vertrete – beispielsweise – die USA. Aktuell würde das bedeuten, dass man in seiner Rolle als US-Vertreter das Credo ,America first’ ganz deutlich in den Vordergrund rückt“, schildert die 21-Jährige.

Ihre Erfahrungen in der Simulations-Veranstaltung MUN Siegen im Gepäck, nahm sie als Delegationsteilnehmerin dann an zwei UN-Simulationskonferenzen in New York teil. 2016 vertrat die Delegation der Universität Siegen in New York das Land Nordkorea, 2017 dann das Land Kanada. In diesem Jahr nun springt die Delegation der Uni Siegen in New York in die Rolle des afrikanischen Landes Somalia.

Zusammen mit ihrer Kollegin Evelyne Kadesa leitet Miriam Holtkamp die Siegener Delegation – und hatte eine ganze Menge Vorarbeit: „Unsere 16 Delegierten haben sich in Komitees aufgeteilt – und jedes der zweiköpfigen Komitees macht sich kundig in ganz bestimmten Sachgebieten“, erklärt Miriam Holtkamp. Aufgabe der Delegationsleitung ist, dass alle Komitees besetzt sind, dass sie sich entsprechend vorbereiten und im Vorfeld der MUN-Konferenz qualitativ hochwertige Papiere einreichen, in der die Haltung des zu vertretenden Staates zum Tragen kommt.

Es ist ein vielfältiges Spektrum an Themen, in die sich die Komitees einzuarbeiten hatten. Internet-Sicherheit, Vorbeugung von Cyber-Angriffen übers Internet, Stärkung von Initiativen gegen Internationalen Terrorismus, Kamp gegen illegalen Waffenhandel, die Rolle der Verstädterung für eine nachhaltige Entwicklung des Landes, die Rolle von nachhaltigem Tourismus für die Armutsbekämpfung, das Recht des einzelnen auf Selbstbestimmung, Beseitigung jeglicher Form religiöser Intoleranz, gleichberechtigter Zugang zu Erziehung und Bildung, Rechenschafts-Mechanismen und Transparenz bei den Vereinten Nationen, Engagement gegen sexuellen Missbrauch, Bekämpfung und Vernichtung chemischer Kriegswaffen, die Rolle der UN-Organisation für die Bekämpfung chemischer Kriegswaffen bei der Bekämpfung des Terrorismus, Schutz und Hilfe für Opfer chemischer Kriegswaffen, ebenso Verbesserung humanitärer Hilfe, Klima-Migration, Bewahrung von Öko-Systemen in städtischen Regionen, nachhaltige Entwicklung der Jugend und beispielweise Meeresverschmutzung.

Sich als Delegierte eines Landes wie Somalia hierauf vorzubereiten ist mitunter gar nicht so einfach, denn manch ein Staat hält sich mit Aussagen zu den Themen, die in der Konferenz zum Tragen kommen, zurück. „Dann muss man schauen, wie sich das Land zu ähnlichen Fragen und auch generell bisher bei den Vereinten Nationen verhalten hat und wie sich andere Staaten über das zu vertretene Land geäußert haben. Oder man greift auf Statements des Auswärtigen Amts in Berlin zurück, auf Medieninformationen etwa der Tagesschau, beim Thema Somalia jetzt auf Papiere der Afrikanischen Union und auch von Human Rights Watch, Amnesty International sowie auf Forschungsliteratur und Datensammlungen von Organisationen. Über Somalia hat beispielsweise die Heinrich-Böll-Stiftung ein 100-seitiges Exposee verfasst, das wir genutzt haben“, so Miriam Holtkamp. Insgesamt sei jeweils sicherzustellen, dass die genutzten Informationen aus verlässlicher Quelle stammen.

Die Herausforderung, ein Land nachweislich authentisch zu vertreten, meisterte die Delegation aus Siegen vor zwei Jahren, als sie das diktatorische Nordkorea vertrat, mit solch großem Erfolg, dass sie im Jahr darauf genau das Land vertreten durfte, das sie als Präferenz angegeben hatte: Kanada. Auch hier gelang der Siegener Delegation eine bedeutende Performance: Lediglich sieben Prozent der Delegationen hatten 2017 eine bessere Bewertung als die Siegener.

Wobei Miriam Holtkamp den Erfolg in den vergangenen beiden Jahren auch im Zusammenhang mit dem Image der vertretenden Staaten sieht: „Nordkorea wird gemeinhin als Bedrohung angesehen, während Kanada von allen geliebt wird. Da ist das Land Somalia von der Rolle her schon schwieriger zu vertreten: Es vermarktet sich nach außen hin mit Erfolg ziemlich positiv, aber tatsächlich herrscht in dem Land seit vielen Jahren Bürgerkrieg und eine unheimlich hohe Korruption – es ist einfach ein Krisenland. Es muss grausam sein, dort zu leben – ich könnte es mir für mich gar nicht vorstellen –, und gleichzeitig beeindruckt es einen, dass das Land überhaupt funktioniert.“

Bei all der Herausforderung – die Sache Simulation der Vereinten Nationen macht auch großen Spaß: „Allein schon, weil in unserer Delegation Studenten verschiedenster Nationalitäten und Herkunft mitwirken – gerade einmal vier Mitglieder in unserer Delegation kommen ursprünglich aus Deutschland“, zeigt Miriam Holtkamp auf. Ziemlich bunt gemischt ist ja auch das komplette übrige Teilnehmerfeld bei der MUN in New York. Wobei alle Teilnehmenden zwei Dinge verbinden: Zum einen ist die verwendete Sprache grundsätzlich Englisch. Zum anderen haben alle MUN-Teilnehmer in New York Business-Kleidung zu tragen. „Das ist schon toll. Und auch die informellen Treffen am Rande der Konferenz und die gemeinsamen Feierlichkeiten machen viel Spaß“, weiß Miriam Holtkamp aus Erfahrung.

Auch, wenn sich das alles vielleicht nach einer Elite-Veranstaltung anhört – finanziell gesehen kann eigentlich jeder mit dabei sein: „Die Uni Siegen unterstützt unser Engagement bei der UN-Simulation dadurch, dass sie die Hotelkosten und Delegationsgebühren trägt. Und in den vergangenen Jahren hat der DAAD, der Deutsche Akademische Austauschdienst, im Nachhinein unsere Flugkosten übernommen“, freut sich Miriam Holtkamp.

Miriam Holtkamp verbrachte Auslandssemster auf Martinique

Dülmen/Martinique. „Man sollte sich darauf einstellen, dass nichts so sein wird, wie man es kennt“, lacht Miriam Holtkamp. Die Dülmenerin studiert an der Universität Siegen Sozialwissenschaften und Europa im globalen Wandel und hat von September bis Dezember 2017 in Martinique ein Auslandssemester verbracht. Martinique ist eine französische Insel in den Subtropen. In der Zeit habe sie unglaublich viel gelernt und einiges an Erfahrungen mitgenommen. Genau deshalb empfiehlt sie auch jedem, der sich für andere Kulturen interessiert, Martinique zu besuchen – man solle nur eben offen sein, ganz anders zu leben als hier in Deutschland.

„Als ich den Flughafen auf Martinique verlassen habe, waren meine ersten Eindrücke: sehr warm und sehr bunt“, erzählt die 21-Jährige. Und auch die Art, wie die Menschen dort miteinander umgehen, habe sie direkt beeindruckt. „Alle sind so unglaublich hilfsbereit! Ich stand da mit meinem Gepäck und wusste nicht direkt, wo ich hin muss. Die Einheimischen haben mir aber sofort von sich aus Hilfe angeboten. Das hat mich beeindruckt.“ Genau diese Gespräche mit Fremden auf der Straße vermisse sie hier in Deutschland. „Wenn man dort an der Bushaltestelle steht und wartet, spricht einen immer jemand an. Dadurch erfährt man total viel über das Land und die Kultur.“ So habe sie auch viele Tipps bekommen und spannende Orte auf der Insel gesehen, die sie alleine nie gefunden hätte. „Außerdem habe ich so viel gesehen, weil ich ständig in falsche Busse eingestiegen und dann ewig mit denen auf der Insel herumgefahren bin. Theoretisch fahren die Busse zu bestimmten Zeiten, aber auf Martinique ist eine Stunde zu spät oder zu früh immer noch pünktlich“, lacht sie.

Für Miriam Holtkamp hätte es für ihr Auslandssemester kein besseres Ziel als Martinique geben können. Doch als sie anfing ihren Aufenthalt zu planen, hatte sie die Insel noch gar nicht im Sinn. „Ich habe einfach geguckt, wo ein Auslandssemester über meine Uni möglich ist, und als ich dann Martinique in der Liste gesehen habe, stand es für mich direkt fest“, schildert die Studentin. „Es war einfach der exotischste unter den ganzen Orten.“

Ihr Auslandssemester auf Martinique war für Miriam Holtkamp nicht das erste Abenteuer im Ausland. Mit 13 war sie zum ersten Mal allein für zwei Wochen in England, mit 14 drei Monate in Australien und mit 15 drei Monate in Frankreich. „Ich finde es unglaublich spannend, andere Kulturen kennenzulernen. Deshalb bin ich auch gern allein unterwegs – da ist man dann gezwungen sehr viel mit den Einheimischen zu sprechen.“ An Zielen für die Zukunft mangelt es der Dülmenerin nicht. „Ich würde total gerne für drei Monate durch Afrika oder Asien reisen“, erzählt sie. „Aber im nächsten Jahr bin ich erstmal für einen Monat in Pakistan.“ Bis dahin schwelgt Miriam Holtkamp in Erinnerungen an ihre Zeit auf Martinique. „Man hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass es nicht wirklich real sein kann“, lächelt sie.

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