Masern-Impfpflicht ab März: Was Eltern jetzt wissen müssen

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Die Kinder- und Jugendärzte im Kreis Coesfeld – hier Almut Lennartz (links) – halten für die Eltern ihrer kleinen Patientinnen und Patienten hilfreiches Informationsmaterial zum Thema Schutzimpfungen parat

Kreis Coesfeld / Dülmen. Zweimal ein kleiner Pieks mit der Impfspritze – und schon sind Kinder zeitlebens gegen Masern immun. Ab diesen Sonntag, 1. März, tritt bundesweit das „Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention“ – das Deutsche Ärzteblatt spricht von „Masern-Impfpflicht“ – in Kraft.

Dr. Markus Dura, der zusammen mit seiner Berufskollegin Almut Lennartz in Dülmen eine Praxis für Kinder- und Jugendmedizin betreibt, ist seit Januar dieses Jahres Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Kreis Coesfeld. Er hat Erfahrung mit Masernimpfungen, die er ausdrücklich begrüßt – wie fast sämtliche Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO): „Bei den Tausenden Impfungen, die ich in den 15 Jahren als niedergelassener Arzt vorgenommen habe, habe ich bei meinen Patienten noch nie schwerere Impffolgen festgestellt“, sagt der 51-Jährige.

So wie er plädieren auch alle anderen Kinder- und Jugendärzte im Kreis Coesfeld für Schutzimpfungen, wie Dr. Markus Dura sagt. „Damit lassen sich Kinder vor erheblichen Erkrankungen schützen – Erkrankungen, die in manchen Fällen tödliche Folgen haben können.“ So trete bei etwa einer von tausend Masernerkrankungen eine Gehirnentzündung auf. Und bei etwa vier bis elf von 100 000 Masernerkrankungen komme es sechs bis acht Jahre nach der Masernerkrankung zu einer „subakuten sklerosierenden Panenzephalitis“, die stets tödlich verlaufe.

Die meisten Eltern im Kreis Coesfeld folgten in der Vergangenheit der Empfehlung zur Masernimpfung: „Vor der Einschulung haben wir alle Kinder hier aus dem Kreis bei uns im Kreisgesundheitsamt zur ärztlichen Vorschuluntersuchung. Wir stellen da in jüngster Vergangenheit eine Masern-Impfquote von 93 bis 94 Prozent fest“, erklärt Dr. Heinrich Völker-Feldmann, seit rund zehn Jahren Leiter des Kreisgesundheitsamts. „Sehr erfreulicherweise liegt die Quote so hoch hier im Kreis. Unser Ziel sind aber 95 Prozent – wie auch von der STIKO empfohlen. Bei 95 Prozent Impfquote ist der Masernschutz in der Bevölkerung so hoch, dass Masern keine Chance haben.“

Wie die Umsetzung beziehungsweise Durchsetzung der Masernschutzpflicht ganz konkret aussehen soll, werde sich noch ergeben. „Bis jetzt haben wir von übergeordneter Stelle noch keine dezidierten Hinweise dazu bekommen“, so Dr. Heinrich Völker-Feldmann. Im Gesetz genannt sind Geldbußen bis zu 2 500 Euro und auch Zwangsgelder für den Fall, dass Personen, die trotz Nachweispflicht und Anforderung des Gesundheitsamtes keinen Nachweis innerhalb einer Frist erbringen. Eine Pflicht zur Verhängung solcher Sanktionen besteht nicht. Und: Grundsätzlich schließt das Gesetz eine Zwangsimpfung aus.

„Finanzielle Sanktionen kommen aus jetziger Sicht möglicherweise höchstenfalls in Betracht für Leiterinnen oder Leiter von Einrichtungen, die gegen die Regelungen der Impfpflicht handeln“, so Dr. Heinrich Völker-Feldmann. Wie und ob sanktioniert wird – auf Kitas, Schulen, Kliniken kommt gut Arbeit zu. Spätestens bis 31. Juli 2021 sind alle Masernschutznachweise etwa der Schüler und Lehrer einzusammeln. Weitere Infos: www.masernschutz.de und www.bundesgesundheitsministerium.de.

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Masernschutzpflicht ab 1. März 2020

Ab diesen Sonntag, 1. März 2020, gilt in Deutschland die Masernschutzpflicht: Kinder, die neu etwa in eine Kita kommen, müssen gegen Masern geschützt sein, was in der Regel durch die zweistufige Impfung erfolgt und dann mit dem Impfpass nachgewiesen werden kann. Liegt bei diesen Kindern kein Masernschutz vor, dürfen sie nicht in die Kita aufgenommen werden.

Kinder, die neu auf eine Schule kommen, müssen auch Masernschutz nachweisen; bei Nichtnachweis erfolgt aber kein Ausschluss; es gilt die Schulpflicht. Diese Kinder müssen baldmöglich geimpft werden. Auch, wer etwa als Mitarbeiter neu in eine Kita oder Schule, eine Gesundheitseinrichtung (Krankenhaus/Arztpraxis/Logopädieeinrichtung u.a.), eine Einrichtung für Asylbewerber oder Geflüchtete kommt, muss Masernschutz vorweisen. Alle, die bereits vor dem 1. März in der Einrichtung betreut wurden oder tätig waren, haben bis 31. Juli 2021 Zeit, ihren Masernschutz nachzuweisen. Grundsätzlich gilt die Impfpflicht nur für Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden. Grund: Die meisten vor 1971 Geborenen hatten mal Masern und sind daher nun zeitlebens immun.

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