Grundschullehramtsstudent auf Reise

Ein Jahr Schule in Kenia: Lukas Bredeck packt Koffer für Freiwilligendienst in Afrika

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Lukas Bredeck ist Student und Trainer bei Adler Buldern. In der kommenden Woche fliegt er nach Kenia, um dort zu arbeiten.

Dülmen. In knapp einer Woche geht es los. Die Koffer sind teilweise schon gepackt, und noch trennen den Dülmener Lukas Bredeck und seinen Zielort mehrere tausend Kilometer. Aber nicht, weil er in den Urlaub fliegt, sondern weil er in Kenia einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst absolvieren möchte. Der 26-Jährige legt dafür eine Studienpause ein.

„Mir war klar, dass ich das einmal im Leben gemacht haben muss“, verrät Bredeck. „Bisher bin ich irgendwie immer in der Nähe der Heimat geblieben. Darum habe ich mich jetzt für dieses Abenteuer entschieden.“ Damit nutzt er die letzte Gelegenheit, bei dem „weltwärts“-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit der Organisation AFS Internationale Begegnungen e.V. teilzunehmen. „Nächstes Jahr wäre ich schon zu alt gewesen“, erklärt der Grundschullehramtsstudent. 

Der eigentliche Grund für die Reise war aber ein anderer. „Ein Freund hatte mir Anfang letzten Jahres von dem Programm erzählt, als ich das Gefühl hatte, noch einmal etwas verändern zu müssen, bevor ich mein Master-Studiengang beginne“, so Bredeck. „Danach hätte ich es wahrscheinlich nicht mehr machen können.“ Denn schon jetzt musste sich der Fußballtrainer der zweiten Seniorenmannschaft von Adler Buldern aus diversen Verantwortungen zurückziehen. „Dass es möglich wäre, die Mannschaft mitten in der Saison verlassen zu müssen, wurde bereits im Vorfeld abgeklärt“, spielte er mit offenen Karten. „Dennoch fiel es mir nicht leicht, den Verein, für den ich bereits seit 22 Jahren aktiv bin, erstmal den Rücken kehren zu müssen.“ Noch schwerer fiel ihm aber die Übermittlung an seine Familie. „Ich wusste erst gar nicht, wie ich ihnen die Entscheidung mitteilen sollte“, erinnert er sich. „Aber ich habe mir gesagt, dass ich diese Erfahrung jetzt für mich machen muss.“

Schon in Deutschland als Nachhilfelehrer tätig

Der Lehramtsstudent war neben dem Studium noch in Dülmen für das Nachhilfestudio „Die Lernidee“ tätig, wo er bereits Praxiserfahrungen im Umgang mit Schülern sammeln konnte. Auch in Kenia wird er seine bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen können. In der 45 000-Einwohner-Stadt Bungoma wird der 26-Jährige an einer High-School für Jungen die Lehrerbelegschaft unterstützen. „Vor Ort kommen circa 60 Lehrer auf 1 350 Schüler – das ist natürlich nicht ideal“, schildert Bredeck die Situation vor Ort. „Ich werde einen Großteil im außerschulischen Bereich aktiv sein und dort eine Deutsch- und eine Fußball-AG anbieten“, weiß er bereits. „Darüber hinaus werde ich dort in der Schule aushelfen, wo jemand fehlt. Sei es in der Bibliothek, dem Labor oder in der Schulklinik.“ 

Viel mehr Informationen hat der Dülmener vor seiner Abreise nicht über seine Tätigkeiten in Kenia, was nicht heißt, dass er nicht auf die Reise vorbereitet wurde. „Wir hatten bereits zwei Seminare hier in Deutschland und werden noch weitere Begleitseminare in Kenia besuchen, um uns mit der Kultur und den Bedingungen vor Ort vertraut zu machen.“ Die Seminare werden von der AFS organisiert, genau wie unter anderem die Flüge, die Unterkunft und die Verpflegung. „Zusätzlich bekomme ich ein ‚Taschengeld’ in Höhe von 100 Euro im Monat“, so der Student. „In Kenia ist das eine Menge Geld.“ Möglich ist die Finanzierung des elfmonatigen Aufenthalts nur mit Fördermitteln. Diese werden zu 75 Prozent von dem „weltwärts“-Programm des BMZ getragen – den Rest steuert die AFS in Form von Förderkreisen bei. „Was ich dort mache, ist also kein Urlaub – das war mir wichtig“, möchte Bredeck nicht nur die Kultur kennenlernen, sondern auch aktiv sein.

Kenia stand ganz oben auf dem Wunschzettel

Dennoch möchte der Freiwilligendienstleistende seine Freizeit nutzen, um sich gemeinsam mit den anderen Teilnehmern in Kenia zu treffen. „Wir sind in allen Ecken des Landes verstreut und wollen uns, wenn wir Urlaub haben, an den jeweiligen Orten treffen“, lautet der Plan. „So können wir die vielen Nationalparks, die Kenia zu bieten hat, gemeinsam besichtigen.“ Bredeck hatte im Vorfeld gehofft, dass er sein Freiwilligenjahr in Kenia machen kann. „Da die Organisation weltweit tätig ist, kamen viele Länder in Frage“, so der 26-Jährige. „Dass ich nach Afrika wollte, stand fest. Über die Organisation konnte ich dann aus dem Angebot meine Favoriten aussuchen.“ 

Am Ende bekam Bredeck das Land, was auf seinen Wunschzettel stand – Kenia. Diese Entscheidung steht bereits seit gut einem Jahr fest, und ab der kommenden Woche wird die Idee von einem langfristigen Auslandsaufenthalt endlich wahr. Dass er aufgeregt ist, leugnet Bredeck nicht. Aber schon jetzt überwiege die Vorfreude auf eine mit Sicherheit prägende Zeit.

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