Interview mit dem Standesbeamten Rolf-Dieter Becker

+
Rolf-Dieter Becker ist Standesbeamter in Dülmen. Etwa 200 Paare lassen sich pro Jahr in Dülmen trauen.

Kreis Coesfeld / Dülmen. Die standesamtliche Trauung ist in Deutschland die Voraussetzung für eine gesetzlich gültige Ehe. Rund 200 Paare lassen sich in Dülmen pro Jahr standesamtlich trauen. Welche Aufgaben ein Standesbeamter hat, wie eine Trauung abläuft und welche Vorbereitungen Paare dafür treffen müssen, erzählte Rolf-Dieter Becker, Standesbeamter der Stadt Dülmen, im Interview mit Streiflichter-Mitarbeiterin Katharina Röckinghausen.

Warum sind Sie Standesbeamter geworden? 

Rolf-Dieter Becker: Ich bin als Quereinsteiger bei der Stadtverwaltung zum Standesbeamten geworden. Als mir diese Aufgabe nach meinem Studium angeboten wurde, habe ich erst einmal geschluckt und mich gefragt: Was macht man denn als Standesbeamter? Mittlerweile weiß ich, dass zu dem Beruf noch viel mehr gehört als die Trauungen selbst. 

Was gehört denn sonst noch alles zu Ihren Aufgaben? 

Becker: Wir kümmern uns als Standesbeamte um alle Angelegenheiten von der Geburt bis zum Tod. Dazu gehören zum Beispiel Nachbeurkundungen von Geburten im Ausland, Sterbefallbeurkundungen oder die Bearbeitung von Anträgen für Namensänderungen, Scheidungen oder Vaterschaftsanerkennungen. 

Die Eheschließungen sind aber sicherlich Ihre liebsten Aufgaben. 

Becker: Die Trauungen sind auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zum Bürojob. Auch nach 26 Jahren im Beruf habe ich noch viel Freude daran. In Dülmen halten meine zwei Kolleginnen Birgit Dingemann und Angela Wenning sowie drei Traustandesbeamte und ich pro Jahr 190 bis 220 Eheschließungen ab. Irgendwann habe ich nicht mehr mitgezählt, wie viele Trauungen ich selber durchgeführt habe. Es müssten aber schon etwa 1500 gewesen sein. 

Was kommt auf Paare zu, die sich standesamtlich trauen lassen möchten? 

Becker: Die Termine vergeben wir in Dülmen ein Jahr im Voraus am Telefon. Frühestens ein halbes Jahr vor der Trauung kommen die Paare für die persönliche Anmeldung bei uns vorbei, bei der wir die „Ehefähigkeit prüfen“. Ehefähig sind Verlobte, die volljährig, geschäftsfähig, noch nicht verheiratet und nicht miteinander verwandt sind. Wir besprechen außerdem den Ablauf der Trauung und eventuell besondere Wünsche. Ein Paar hat sich zum Beispiel seine Ringe vom eigenen Hund übergeben lassen. Bei der eigentlichen Trauung werden noch einmal die Personalien überprüft. Nach der Trauansprache stelle ich schließlich die entscheidende Frage. Danach folgen noch das Vorlesen der Niederschrift, die Unterschrift des Protokolls sowie die Übergabe des Stammbuchs und der Heiratsurkunde. Insgesamt vergehen im Trauzimmer rund 25 Minuten. 

Welche Trends haben sich in den vergangenen Jahren bei Hochzeiten entwickelt? 

Becker: Immer mehr Brautpaare entscheiden sich für eine freie Trauung. Diese hat, genauso wie die kirchliche Trauung, keine rechtliche Gültigkeit. Die Paare können dabei ihren Hochzeitsredner, Ort und Ablauf ganz nach ihren Wünschen wählen. Ich persönlich stelle insgesamt zwar einen Rückgang der kirchlichen Trauungen fest, in der vergangenen Zeit gab es hier in Dülmen aber wieder ein paar mehr davon. Einige Paare lassen sich auch einfach bei mir am Schreibtisch trauen. Diese Art wählen besonders Leute, die schon mehrmals verheiratet waren. Eine Dame war schon mal zur siebten standesamtlichen Trauung bei uns.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare