„Es ist immer meine Zeit“: Podiumsdiskussion zum Konfirmanden-Unterrichts-Projekt

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Moderator Pfarrer Peter Zarmann hieß Bürgermeisterin Lisa Stremlau, den Iraner Kawa, Andreas Wedding und Sixtina Harris (von links) zur Podiumsdiskussion willkommen.

Dülmen. Zeit ist ein sehr vielseitiger und noch vielschichtigerer Begriff, der besonders in der heutigen hektischen Zeit immer mehr an Bedeutung und Wichtigkeit gewinnt. Unter dem Motto „Es ist immer meine Zeit“ stand zum Abschluss des Konfirmanden-Kurses eine Podiumsdiskussion an, in der genau diese Vielseitigkeit thematisiert werden sollte. Hierfür hatte Peter Zarmann, Leiter des Kurses, verschiedene Diskussionsteilnehmer eingeladen.

Dülmens Bürgermeisterin Lisa Stremlau gab als eine der Teilnehmerinnen Einblicke in ihr persönliches Leben. Sie berichtete, wie sie in die Politik kam und wie wichtig ihr Zeit nach ihrer Krankheit geworden sei: „In meiner Funktion ist es nicht immer einfach, dem Privatleben nachzukommen. Aber ich habe gelernt, mir Zeit für mich zu nehmen“, berichtete die Bürgermeisterin. „Trotz Arbeit und Problemen darf nicht vergessen werden, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.“ Gleichzeitig appellierte sie an das Publikum, insbesondere an die jungen Konfirmanden, dass sie ihre Zeit politisch aktiver nutzen sollten: „Wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, in der die Gesellschaft zu bröckeln scheint. Jeder ist gefragt, aktiv zu werden.“

Stremlau sprach in diesem Rahmen die gute Flüchtlingsarbeit an, in der sich viele Dülmener ehrenamtlich einsetzten. Einer, der von dieser Hilfe profitierte, ist Diskussionsteilnehmer Kawa. Vor drei Jahren kam er aus dem Iran nach Deutschland. Erst vor einigen Monaten konnte seine Familie nachkommen. „Ich wusste nicht, was mit ihnen ist. Ob es ihnen gut geht oder ob sie überhaupt noch leben“, verriet der 36-jährige Iraner. Er erzählte von der schwierigen Zeit, die Unterstützung, die er bekam und wie froh er ist, dass er wieder mit seiner Familie vereint ist. „Jetzt versuche ich meine Sprachkenntnisse zu verbessern, um bald eine Ausbildung zu beginnen“, stellte er seine Zukunftspläne vor.

Ausbildung, Praktikum, Abitur – das beschäftigt zur Zeit auch die Konfirmanden. Andreas Wedding berichtete über die sinnvolle Nutzung von Praktika und wie wichtig die richtige Wahl der Stelle sein kann. „Ich habe mich damals auch zu spät darum gekümmert und musste dann im Kindergarten mein Praktikum absolvieren“, lachte er, denn Kindergärtner wollte er nie werden.

Den Abschluss machte Sixtina Harris, die über ihre ehrenamtliche Arbeit berichtete.

Als Lehrerin hatte sie im Unterricht das Buch „Im Fenster der Himmel“ vorgestellt und war überrascht über das starke Interesse der Schüler über die Geschichte der Jüdin Johanna Reiss. Der Förderverein Kolle Kaal, in dem Harris tätig ist, soll an die Judenverfolgung erinnern und setzt sich gegen Fremdenhass ein. „Gerade heutzutage ist das Thema sehr präsent, und umso wichtiger ist es, sich damit auseinanderzusetzen“, zeigte sie, dass es auch möglich sei, ehrenamtlich etwas zu bewegen.

Im Anschluss hatten die Konfirmanden und ihre Eltern die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen, bis Moderator Zarmann schließlich festhielt: „Zu jedem Thema hätte eine eigene Diskussion stattfinden können.“

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