Holocaust-Überlebende Johanna Reiss berichtete von ihrer Rettung vor den Nazis

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Voll besetzt war die Christuskirche Mittwoch beim Abend mit der Holocaust-Überlebenden Johanna Reiss (vorne), die zum Dank unter anderem einen Blumenstrauß und eine Flasche Apfelsaft „Dülmener Rose“ erhielt – und stehenden Applaus. Den Abend gestalteten Übersetzerin Sixtina Harris, Pfarrer Peter Zarmann und – musikalisch – Helmut Hausberg und Jutta Buhrmester mit (hinten von links).

Dülmen. „Hasst niemals – am wenigsten pauschal eine Gruppe von Menschen.“ Und: „Um ein großer Mensch zu sein, muss man nicht reich oder gebildet sein.“

Das sagte Johanna Reiss, die mit ihrer 14 Jahre älteren Schwester auf einem kleinen Pachthof unweit von Winterswijk drei Jahre von einem Bauern-Ehepaar versteckt wurde und so die Judenvernichtung überlebte.

Sie schlief mit im Ehebett der Bauersleute, ihre Schwester auf einer Wolldecke auf dem Boden: Bei einer Razzia sollten keine weiteren warmen Schlafstätten auf die Versteckten hinweisen. Direkt verbergen konnten sich die Schwestern in einem Schrank mit doppelter Rückwand.

„Ich hatte schlechtes Gewissen, weil meine reinliche Stiefmutter, mit der wir nach dem Krieg unsere Retter besuchten, darauf hinwies, wie einfach, ungewaschen und nur mit einem Löffel aus einer großen Schüssel essend unsere Retter lebten“, so Johanna Reiss. Das Verhältnis zwischen ihr und dem Retter-Bauernehepaar war bis zu dessen Tod herzlich und aktiv. 

„Als ich hörte, dass Johann im Krankenhaus liegt, nahm ich den ersten Flug von New York nach Amsterdam und ein Taxi von dort nach Enschede, um ihn zu besuchen“, berichtete die 85-Jährige, bei der sich die Anwesenden Mittwoch mit stehendem Applaus für ihren Vortrag bedankten. Applaus galt auch Sixtina Harris, die übersetzte, Pfarrer Peter Zarmann und Helmut Hausberg und Jutta Buhrmester, die den Abend musikalisch gestalteten.

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