Holocaust-Überlebende im Annette-Gymnasium: Erna de Vries erzählte über ihr Schicksal

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Stefan Querl von der Villa ten Hompel in Münster, Zeitzeugin Erna de Vries, Schulleiterin Ursula Ellenbracht und Geschichtslehrer Christian Stock (von links).

Dülmen. „Als ich mich von meiner Mutter in Tränen verabschiedet habe, sagte sie zu mir als letztes: Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat“, berichtet die mittlerweile 94-jährige Erna de Vries den Schülern der Klassen 9 des Annette-von-Droste-Hülshoff- Gymnasiums (AvDHG).

Denn die heute im emsländischen Lathe wohnende Frau hat sich die Worte ihrer Mutter ihr ganzes Leben lang zu Herzen genommen und teilt als Holocaust-Überlebende ihr schreckliches Schicksal mit Schülern in ganz Deutschland. Bereits zum dritten Mal besuchte die in Kaiserslautern geborene Holocaust-Überlebende das AvDHG. Im vergangenem Jahr und 2012 erzählte de Vries schon ihre bewegende Geschichte den Schülern. 

Die Zeitzeugin berichtete von ihrer durch den Nationalsozialismus zerstörten Jugend in Kaiserslautern und Köln bis hin zu ihrer Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, der Rettung vor der Gaskammer, ihrer anschließenden Verlegung ins Konzentrationslager Ravensbrück und der endgültigen Befreiung aus der Gefangenschaft.

Nach dem Vortrag der 94-Jährigen gab es für die Schüler die Möglichkeit, Fragen an die Holocaust-Überlebende zu stellen. „Die Schüler sind zu Beginn eher ruhiger, aber sobald die Situation auftaut, fragen die Schüler los. Dass sie wirklich am Thema interessiert sind, merkt man immer im anschließenden Unterrichtsgespräch“, so Geschichtslehrer Christian Stock.

In diesem Jahr war Erna de Vries – wie schon in Vorjahr – im Rahmen des Projekttags „Begegnung mit dem Nationalsozialismus aus Opfer- und Täterperspektive“ am Gynasium zu Gast. „Wir hatten schon vor vielen Jahren die Idee für einen solchen Projekttag und führten ihn schon mehrfach durch. Wir wollen den Schülern so ein wichtiges Thema nicht nur trocken nach Lehrbuch vermitteln“, sagt Christian Stock.

Zu diesem Projekttag gehört neben der Opferperspektive auch die Täterperspektive. „Daher fahren die Klassen am 26. Mai zur Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund und zur Gedenkstätte Villa ten Hompel in Münster“, berichtet Christian Stock. Die Gedenkstätte Villa ten Hompel ist auch Kooperationsparter des AvDHG und des Projekttags. Der Projekttag soll auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

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