Heimkehr von der Walz: Matthias Tenberge war fast vier Jahre als Wandergeselle unterwegs

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Mit vielen Wandergesellen, die er während der Walz kennenlernte, überquerte Matthias Tenberge (vorne Dritter von rechts, liegend) erstmals seit fast vier Jahren die Bulderner Ortsgrenze.

Buldern. Wandergesellen in schwarzer Kluft stimmen am Freitag vor dem Ortseingang an der Nottulner Straße ein Lied an. „Wir singen nicht, wir schallern“, schmunzelt Matthias Tenberge über die Töne, die aus über 20 Kehlen erklingen.

Sie bringen mehrere Pfiffe, Getuschel und Stimmen auf der anderen Seite des Ortsschilds zum Schweigen. Alle lauschen den Zeilen, die aus vergangenen Jahrhunderten stammen. Jubel dagegen, als die Gesellen Bulderner Boden betreten. Da wird gelacht, sich in den Armen gelegen – und die Musiker des Fanfarenzugs „hauen auf die Pauke“.

Wem die Geschehnisse im Ortsteil außergewöhnlich anmuten, für den gibt es hier die Erklärung: Erstmals seit drei Jahren und elf Monaten betrat Matthias Tenberge seine Heimatstadt. Als 26-Jähriger kehrte der Zimmermann Buldern den Rücken, um sich der „Vereinigung der rechtschaffenen fremden Zimmer- und Schieferdeckergesellen“ anzuschließen. Ohne einen Cent in der Tasche und mit einem Bündel an Kleidung zog der heute 30 Jahre alte Bulderner zur Walz.

Seit Freitag ist er nun wieder in der alten Heimat. „Und hier bleibt er erstmal, zieht nicht weiter“, freut sich Schwester Maria. Tenberge hat derweil von vielen Erlebnissen zu berichten: „Ich habe persönlich erfahren, dass es überall auf der Welt liebe und nette Menschen gibt, die einen bei sich aufnehmen, einladen und viel von sich preisgeben“, so der Wanderer.

Wegstrecke legte Tenberge im ersten Jahr im deutschsprachigen Raum zurück – ein Pflichtteil für die Gesellen. „Unterwegs war ich in Deutschland, in Österreich, in Liechtenstein und in der Schweiz“, zählt der Bruder von zwei leiblichen Schwestern und zwei Stiefgeschwistern auf. Station machte Tenberge dann in Frankreich, Dänemark, Australien, Neuseeland, Costa Rica, Kuba, Peru, Ecuador und Bolivien.

Die Reisen trat der Dülmener vom eigens verdienten Geld an. „Oft zu Fuß oder per Anhalter – selbst Bahnfahren war verpönt“, sagt Tenberge. In Australien (ans andere Ende der Welt gelangte er selbstverständlich mit dem Flugzeug) arbeitete der ehemalige Azubi der Zimmerei Homann auf einem Holzsegler. „Mit Blick auf die Sydney Harbour Bridge“, freut er sich. Oft war der Wandergeselle mit Gleichgesinnten unterwegs. Die neuen Freunde begleiteten ihn auch auf den Weg zurück nach Buldern.

„Direkt vor dem Ortsschild haben sie Matthias am Freitag zum traditionsgemäßen Zickzack-Lauf animiert, um ihn noch ein wenig hinzuhalten“, schmunzelt Vater Wilhelm Tenberge, bevor er seinen Sohn in die Arme schließt. Den Kontakt zu seiner Familie und zu Bekannten verlor Matthias Tenberge während der Wanderschaft nicht: „Obwohl er stets mindestens 50 Kilometer Abstand von Buldern haben musste und kein Handy besaß“, so Tenberge senior.

Unter anderem besuchte der Zimmermann seine Schwester Johanna in Bielefeld. 2016 war Tenberge sogar bei der Deutschen Meisterschaft Deutscher Musikverbände in Rastede mit von der Partie und vetrat den Fanfarenzug Buldern. „Er hat wie sonst getrommelt – allerdings in schwarzer Zimmermannskluft“, lacht Andreas Schlüter vom Fanfarenzug.

Die Pfiffe vor Tenberges Rückkehr stammen übrigens von seiner Mutter Rita Gloger: „Wenn die Kinder früher nach dem Spielen zurück ins Haus kommen sollten, habe ich so gepfiffen“, sagt sie. Anscheinend hat das heute noch gewirkt: Tenberge möchte in Buldern bleiben; deshalb sucht er eine Mietwohnung ...

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