Haverland-Quartier in Dülmen: Annika Kruthoff und Herbert Wies ziehen Bilanz

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Annika Kruthoff und Herbert Wies ziehen eine positive Bilanz zum Projekt Haverland-Quartier. Im Hintergrund ist eines der Bilder zu sehen, die im Rahmen der Graffiti-Aktion entstanden sind.

Dülmen. Wenn Annika Kruthoff im Haverland unterwegs ist, wird sie freundlich empfangen – egal ob sie die Grundschule besucht, die Container-Unterkunft am Leuster betritt oder im Stadtteilbüro Gespräche führt. Viele Menschen kennen und schätzen die 28-Jährige. Seit Januar 2017 kümmert sich Annika Kruthoff als Quartiersmanagerin um den Stadtteil Haverland. Ende des Jahres läuft das Förderprojekt aus. Im Interview zieht sie gemeinsam mit Herbert Wies, Fachbereichsleiter Arbeit, Soziales, Ehrenamt und Senioren, eine Bilanz.

Quartiersmanagement klingt abstrakt und kompliziert. Warum hat die Stadt eine derartige Stelle Anfang 2017 eingerichtet?

Wies: Wir hatten damals eine hohe Zahl an Zuweisungen von geflüchteten Menschen und standen vor der Aufgabe, diese gut unterzubringen. Für uns war klar, dass Turnhallen keine Lösung sind und dass wir die Menschen in die Gesellschaft und in bestehende Wohnquartiere integrieren müssen. Am Leuster Weg ist eine neue Unterkunft entstanden, zudem wurden Menschen in einem Hochhaus am Haverlandweg untergebracht. Natürlich gab es damals Sorgen und Ängste bei den Anwohnern. Mit Unterstützung des Landes haben wir das Projekt Haverlandquartier „Miteinander – Füreinander“ ins Leben gerufen, um das friedliche Zusammenleben zu unterstützen und mit Annika Kruthoff eine Ansprechpartnerin vor Ort für Neubürger und für Anwohner zu haben.

Mit Ihrer Stelle waren hohe Erwartungen verbunden, Frau Kruthoff. Hat sie dies nicht abgeschreckt?

Kruthoff: Klar, die Erwartungen hat man am Anfang schon gespürt und ich musste mich beweisen. Die Zusammenarbeit mit der Ökumenische Flüchtlingsinitiative (ÖFID) hat dabei geholfen, Kontakte zu Netzwerkpartnern zu knüpfen. Der Start ist auch deshalb sehr gut verlaufen. In der eigentlichen Arbeit mit den geflüchteten Menschen merkt man schnell, wie dankbar die Unterstützung angenommen wird. Und auch das Stadteilbüro, das wir neu eingerichtet haben, ist von den Bürgerinnen und Bürgern zu Beginn gut angenommen worden. Im Laufe der Zeit haben sich Schwerpunkte neu verteilt und die Präsenz an der Unterkunft und im Sozialamt war groß.

Wie sieht der typische Arbeitsalltag aus?

Kruthoff: Jeder Tag ist unterschiedlich. Es geht darum, neu ankommende Menschen zu unterstützen. Schule, Arzt, Behördengänge – ich bin eine Art Wegweiser. Und natürlich müssen Netzwerke und Vertrauen aufgebaut werden. Nachdem das gelungen ist, konnten weitere Projekte folgen. Zum Beispiel das Frauenschwimmen im düb, an dem Frauen aus vielen unterschiedlichen Herkunftsländern teilgenommen haben.

Wies: Dieses Projekt ist ein perfektes Beispiel, wie wichtig eine Ansprechpartnerin vor Ort ist. Ansonsten können Sie derartige Vorhaben nicht initialisieren.

Kruthoff: Auch das Graffiti-Projekt war besonders. Schülerinnen und Schüler der Kardinal-von-Galen-Schule haben gemeinsam mit geflüchteten Menschen unter Anleitung von erfahrenen Sprayern Leinwände gestaltet. Entstanden sind wunderbare Bilder, von denen einige jetzt hier im Verwaltungsgebäude in der Overbergpassage hängen. Und es wurden Kontakte geknüpft, die anhalten.

Wies:

Mir ist vor allem das Quartiersfest im Oktober 2017 an der AKE-Schule in Erinnerung geblieben. Viele Menschen aus unterschiedlichen Nationen haben miteinander gefeiert und getanzt. Der Schulhof ist ja auch im Zuge des Haverland-Projektes ausgebaut und mit neuen Spielgeräten versehen worden, um einen Treffpunkt zu schaffen. Das alles hat dazu beigetragen, dass Bürgerschaft und geflüchtete Menschen in Kontakt gekommen sind.

Es gab keine Schwierigkeiten?

Kruthoff: Natürlich gab es auch Konflikte vor Ort, für die aber Lösungen gefunden werden konnten. Bürger haben sich beispielsweise über herumliegenden Müll im Bereich der Unterkunft beschwert. Das habe ich mit den Bewohnern besprochen und deutlich gemacht, dass das hier so nicht geht. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir die Unterkunft gestalten und sie zumindest ansehnlicher machen können. Deshalb wurden unter anderem Blumen- und Gemüsebeete angepflanzt, die mit viel Freude gepflegt werden.

Ende des Jahres läuft die Förderung für das Quartiersmanagement aus. Dann überlässt man den Stadtteil wieder sich selbst?

Wies: Nein, ganz im Gegenteil. Es besteht zwar leider keine Möglichkeit für eine Folgeförderung, weshalb wir uns neu aufstellen und das Stadtteilbüro schließen müssen. Wir werden aber weiterhin mit einem Kollegen aus unserem Team im Haverland-Quartier vor Ort sein. Und natürlich sind wir sehr froh, dass Annika Kruthoff auch weiterhin für die Stadt arbeiten wird. Sie kümmert sich künftig um die Betreuung der Flüchtlings-Unterkunft Am Osthoff.

Kruthoff: Die Netzwerke, die ich in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut habe, bleiben natürlich bestehen. Und die Menschen im Hochhaus am Haverlandweg werde ich auch weiter betreuen.

Was steht bis Ende des Jahres jetzt noch an?

Kruthoff: Derzeit arbeiten wir an einem Projekt-Abschlussbericht. Ende des Jahres soll dann eine kleine Weihnachtsfeier stattfinden, die gleichzeitig auch ein Abschiedsfest ist. Und im kommenden Jahr geht’s dann mit neuen Aufgaben weiter.

Zum Thema

Das Integrationsprojekt Haverlandquartier mit dem Titel „Miteinander – Füreinander“ beinhaltete unterschiedliche Maßnahmen und Projekte. Diese wurden zu 60 Prozent durch das NRW-Sonderprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ gefördert. 40 Prozent der Kosten übernahm die Stadt Dülmen. Die Maßnahmen im Überblick:

- Personalstelle Quartiersmanagement

- Einrichtung eines Stadtteilbüros

- Bau einer multifunktionalen Skate-Anlage im Quartier

- Aufwertung des Schulhofs der Anna-Katharina-Emmerick-Schule

- Quartiersfest

- Aktionen wie Graffiti-Projekt, Frauenschwimmen im düb, Gestaltung der Unterkunft Leuster Weg, etc.

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