Häuser mit Charme und Geschichte: Interview mit Richard Dammann

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Für ein gesundes Augenmaß bei der Renovierung von Altbauten plädieren (v.l.) Manfred Wesseler und Richard Dammann von der Architekten- und Ingenieurgesellschaft GbR in Dülmen.

Dülmen. Neubauten schießen seit Jahren wie Pilze aus der Erde. Doch muss es immer ein Neubau sein? Nein, heißt es für manche, die lieber ein Haus mit Geschichte haben wollen. Doch der Kauf muss wohl überlegt sein. Die rosarote Brille sollte zur Seite gelegt werden. Was beim Kauf beziehungsweise bei der Sanierung beachtet werden sollte, darüber sprach Streiflichter-Redakteurin Yvonne Reher mit dem Diplom-Ingenieur für Architektur Richard Dammann von der Architekten- und Ingenieurgemeinschaft GbR (AIG) in Dülmen.

Was für Schwachstellen gibt es bei Altbauten? Gibt es typische für einzelne Bauperioden?

Richard Dammann: Bei den Häusern, die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut worden sind, hat man viel mit Gift wie zum Beispiel mit Asbest, giftigen Schalungsölen und Holzschutzmitteln zu tun. In den 80er Jahren war insbesondere die Luftdichtigkeit ein Problem. Fenster aus dieser Bauperiode sind in der Regel gut.

Wie sieht die Bausubstanz bei den Gebäuden aus den 50- und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus?

Richard Dammann: Da wurde heillos gepfuscht: dünne Decken und Mauern aus Trümmersteinen. Aber handwerklich wurde sehr gut gearbeitet.

Was muss ich beachten, wenn im Laufe der Jahre Anbauten vorgenommen wurden?

Richard Dammann: Akten einsehen, ob die entsprechenden Genehmigungen vorliegen. Mit dem Team des Fachbereichs Bauordung reden. Aufpassen, dass sie fachgerecht ausgeführt wurden.

Wovon sollte sich der potenzielle Hauseigentümer nicht blenden lassen?

Richard Dammann: Vom äußeren Erscheinungsbild! Alles, was die Nachbarn sehen, wird und wurde in Schuss gehalten.

Wo ist generell die größte Schwachstelle beim Altbau?

Richard Dammann: Die meisten Probleme gibt es im Keller. Dies verkennen viele und denken eher an das Dach. Dabei sind mehr Keller undicht als Dächer!

Müssen die Außenmauern eines Altbaus aus energetischen Gründen immer gedämmt werden?

Richard Dammann: Nein! Bereits mit dem Austausch der Heizung kann ein Drittel der Heizenergie eingespart werden. Also mit relativ wenig finanziellen Mitteln lässt sich viel erreichen.

Was sollte der Besitzer eines Altbaus im Blick haben?

Richard Dammann: Den Keller, das Dach, die Heizung und aus Eigeninteresse sollte er irgendwann die Fenster erneuern.

Welche Tipps wurden Sie jemanden geben, der plant, einen Altbau zu kaufen? 

Richard Dammann: Fragen, fragen und nochmals fragen. Es macht nicht dümmer. Sinnvoll ist es jemanden mitzunehmen, ob es nun ein Architekt oder Baupraktiker ist. Wir als Experten kennen die Schwachstellen der Häusergenau.

Wie kann ich ermitteln, ob der Kaufpreis für das Haus realistisch ist?

Richard Dammann: Sehr gute Hinweise können öffentlich bestellte Wertgutachter geben. Zurzeit werden erschreckend hohe Preise gefordert.

Wo liegt für Sie der Reiz an einem Altbau beziehungsweise an dessen Renovierung?

Richard Dammann: Die Steine erzählen eine Geschichte. Dort wurde gelebt.

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