Mittelalterliche Straße entdeckt

Glücksfunde bei Bauarbeiten: Was die Archäologen auf der Baustelle fanden

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Dr. Gerard Jentgens (links) und Dr. Hans-Werner Peine vom LWL zeigen, wie die Ausgrabungen in Dülmen das Puzzle der Stadtgeschichte zusammenfügen.

Dülmen. Baustellen soweit das Auge reicht – und auf den ersten Blick wirkt es so, als ob es nicht vorangeht. Dieses Bild bietet sich vielen Dülmenern, wenn sie durch die Innenstadt laufen. Doch hinter den Kulissen freuen sich Historiker über einen Sensationsfund nach dem anderen.

„Für uns ist der gesamte Innenstadtbereich ein Bodendenkmal“, sagt Dr. Hans-Werner Peine, Referatsleiter für Mittelalter und Neuzeitarchäologie des LWL Münster. Grund dafür ist der Umstand, dass es in Dülmen kaum schriftliche Aufzeichnungen über die Zeit des Mittelalters gebe, „deshalb bleibt die Archäologie als einzige Quelle der frühen Siedlungsgeschichte“, so Dr. Gerard Jentgens, der mit seinem Unternehmen Jentgens und Partner die Grabungen in Dülmen durchführt.

Aus archäologischer Sicht sind die Bauarbeiten in der Innenstadt ein Glücksfall. „Das Puzzle der Stadtgeschichte Dülmen setzt sich langsam zusammen“, so Dr. Hans-Werner Peine. Ein Fund, der die Historiker bedeutend weiterbringt, wurde in der unscheinbaren Gasse Bült hinter dem Neubau des Intergenerativen Zentrums gemacht. Bei Bauarbeiten eines neuen Kanals und der Absenkung der Straße stießen Archäologen auf eine Straße aus Steinen. Diese stammt vermutlich aus dem Hochmittelalter, die genaue Datierung steht noch aus. Es wird vermutet, dass die Straße Teil eines bedeutenden Fernwegs von Münster nach Haltern ist – was dafür spricht, dass Dülmen überregional von Bedeutung war. Unterstützt wird diese Annahme durch den Fund der ältesten Glockengussgrube Europas am Rathaus, datiert auf das achte Jahrhundert.

Zwei Archäologen bei den Ausgrabungsarbeiten in der Gasse Bült in der Dülmener Innenstadt.


„In der archäologischen Arbeit steckt sehr viel Zeit, und wir bitten bei den Dülmenern um Nachsicht“, sagt Dr. Gerard Jentgens. Auch die Marktstraße wird nicht wie geplant bis zum Dülmener Winter fertiggestellt werden, weil dort Ausgrabungen stattfinden.

Schade findet Dr. Jentgens auch, dass „den Dülmenern nichts von unserer Arbeit erhalten bleibt.“ Er ergänzt: „Bei den ganzen Umgestaltungen ist es leicht, Erinnerungsstellen zu schaffen“. Im Gespräch sind zum Beispiel eine Glockennachbildung aus der Glockengussgrube. Dann würden sich die Verzögerungen der Bauarbeiten auch nicht nur für die Historiker lohnen.

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