Mit Precision Farming gezielter düngen und säen 

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Martin Schulze Weischer (rechts), und Titus Schier arbeiten bei der Kleffmann Group in Lüdinghausen im Bereich Precision Farming – genauer gesagt für den Service „My Data Plant“.

Lüdinghausen/Billerbeck/Dülmen. Die Welt ein wenig besser machen. Dieses Ziel gehört zu den Pfadfinder-Grundsätzen. „Ich finde es toll, dass wir mit unserem Engagement in diese Richtung arbeiten“, sagt Martin Schulze Weischer, der in Dülmen aufwuchs und viele Jahre bei den Pfadfindern vom Stamm Heilig Kreuz aktiv war. Seit rund vier Jahren arbeitet der 32-Jährige bei der Kleffmann Group in Lüdinghausen, die mit „My Data Plant“ ein neues Angebot auf den Markt brachte – digitalisierten Karten von landwirtschaftlichen Flächen, auf denen farblich gekennzeichnet ist, wie gut oder wie schlecht sich die Pflanzen auf den Flächen entwickelt haben.

Als Marketingleiter von „My Data Plant“ wirkte Martin Schulze Weischer bereits bei der Einführung von „My Data Plant“ mit. „Das war vor gut einem Jahr auf der Agritechnica in Hannover. „Da gab’s einen richtigen Aha-Effekt bei den Messebesuchern“, erinnert er sich.

Die Dateien von „My Data Plant“ werden auf den Trecker-Computer gespielt und steuern – anhand auch von Positionsdaten vom GPS-Gerät auf dem Trecker – die Ausbringung von Saatgut und Mineral- und künftig auch organischem Dünger (Gülle) auf dem Feld, erklärt Titus Schier.

Verständlich, denn „My Data Plant“ liefert unkompliziert Informationen über den Zustand von Pflanzenbeständen. „Grundlage von My Data Plant sind Fotos der Satelliten Sentinel 2A und 2B, die versetzt die Erde umrunden und innerhalb von fünf Tagen jeden Bereich der Erde fotografieren. Diese Aufnahmen stehen kostenlos zur Verfügung – und wir analysieren sie und gleichen sie ab mit Referenzdaten von Vor-Ort-Erkundungen. Damit wissen wir, wie auf Satellitenbildern welche Pflanzen mit welchem Wuchszustand aussehen“, erklärt Titus Schier. Der gebürtige Billerbecker ist einer von vier Mitarbeitern, die für den Vertrieb von „My Data Plant“ in Westeuropa zuständig sind. Global arbeiten 15 Personen im Vertrieb von „My Data Plant“. Mit Erfolg. „Aktuell haben wir weltweit rund 400 Nutzer“, so Titus Schier. Nutzer, die mitunter bis zu tausende Hektar Ackerfläche bewirtschaften.

Die „My Data Plant“-Dateien können auch auf tragbare Rechner gespeichert werden. Dank der Farbkennzeichnung der Ackerkarten und der GPS-Positionsdaten können auch Landwirte mit nicht so stark elektronikgespickten Maschinen die Infos für Saat und Düngung nutzen, erläutert Martin Schulze Weischer.

Der Start in die Nutzung von „My Data Plant“ hat keine großen Hürden. „Die Nutzer gehen ins Internet auf unsere Seite, geben die Koordinaten ihrer Flächen ein, markieren Kartenbereiche oder laden die Ackerschlagdateien ihrer Flächen hoch. Schon können sie anhand verschiedenfarbiger Darstellung auf den Biomassekarten sehen, wie der Pflanzenbestand auf ihren Flächen ist – und das alle fünf Tage aktualisiert und auf fünf Meter genau“, so Titus Schier. Kostenpunkt für die Nutzer aktuell: vier bis sechs Euro pro Hektar und Jahr. Inklusive Beratung vor Ort beim Nutzer, per Telefon oder per E-Mail durch das Service-Team.

Für jeweils zwei Euro pro Hektar und Jahr zusätzlich erhalten die Nutzer auch spezielle Düngekarten und Saatkarten. Auch diese Karten sind bei der Darstellung auf dem Computer farblich gekennzeichnet.

Diese Karten werden auch als Dateien ausgegeben – in den unterschiedlichsten Dateiformaten, je nach Wunsch der Nutzer. Auf diese Weise können die Daten bei den verschiedensten, teilweise auch ganz markenspezifischen Landmaschinensteuerungen eingesetzt werden.

So beispielsweise bei der Steuerung von Sämaschinen. „Beim Säen kann man dann etwa in sandigeren Flächenbereichen bewusst mehr Saatgut – beispielsweise Raps – ausbringen, so dass auch bei trockeneren Bodenverhältnissen genügend Pflanzen aufgehen“, erklärt Martin Schulze Weischer. „Oder bei tonhaltigeren Bereichen weniger Saatgut. Ziel ist ein homogener Bestand.“

Besonders hilfreich sind die Düngekarten, die wie die Biomasse- und die Saatkarten ebenfalls per Funk, WLAN oder USB-Stick auf den Computer des Treckers übertragen werden. Von dort regulieren die Düngekarten die Ausbringungsmenge des Mineraldüngerstreuers. „Dadurch ist automatisiert eine gezielte und oft sparsamere Düngung möglich“, so Titus Schier. Auch hier das Ziel: ein homogener Pflanzenbestand und optimale Ernteergebnisse.

Selbst eine Steuerung von Gülledüngung ist inzwischen möglich. „Die Firma Stapel aus Sendenhorst-Albersloh ist diesbezüglich auf uns zugekommen. Im November hat sie an ihrem Stand auf der Messe EuroTier in Hannover ein Güllefass präsentiert, das mit Applikationskarten von uns Gülle teilflächenspezifisch ausbringt“, so Martin Schulze Weischer. Lieferbar sei das sogenannte „Precision Farming Güllefass“ ab dem Jahr 2020.

Auch für Nutzer, die keinen technisch und elektronisch so stark hochgerüsteten Maschinenpark haben, sind die Karten von „My Data Plant“ sinnvoll. „Sie laden die Karten aufs Tablet, aktivieren die GPS-Funktion und sehen beim Fahren auf dem Feld, wo sie sich gerade befinden – und ob es dort sinnvoller ist, mehr oder weniger zu düngen oder aber zu säen“, erklärt Martin Schulze Weischer.

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