Eine Tür gegen das Vergessen: Dülmen beteiligt sich an ungewöhnlicher Ausstellung

Dülmen einsA Ausstellung Leeser
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Das Projektteam hat in den vergangenen Tagen die Tür für die Ausstellung gestaltet.

Dülmen. Die große, schwere Tür erlaubt einen Blick in die Vergangenheit. Sie ist verziert mit Bildern, Fotos und Symbolen. Behutsam klebt Andrea Peine ausgeschnittene Kastanienblätter auf den alten Holzrahmen. Sie sind bewusst gewählt, erinnern an Helga Leeser-Becker. „Es war ihr Lieblingsbaum, in dem sie und ihre Schwester Ingrid vor langer Zeit gespielt haben“, sagt Andrea Peine. Gemeinsam mit den weiteren Verzierungen setzen die Blätter sich zu einem Bild zusammen – ein Bild, das die Geschichte der Familie Leeser in Dülmen erzählt.

Es ist eine ungewöhnliche Idee, die der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster entsponnen ist: Eine Ausstellung bestehend aus alten Türen, jede individuell in einer Stadt im Münsterland bemalt, beklebt und verziert. Sie erzählen Geschichten vom jüdischen Leben im Münsterland. Zehn Türen sind es insgesamt – eine davon wurde nach Dülmen transportiert. 

„Wir gestalten die Tür mit Inhalten, die aus dem Buch ,Von allem etwas’ stammen und an dieses erinnern“, erläutert Stadtarchivar Stefan Sudmann. 2015 hatten Schüler der Hermann-Leeser-Schule das Buch gemeinsam mit der inzwischen verstorbenen Helga Becker-Leeser erstellt. Das Buch erzählt die wahre Geschichte einer jüdischen Kindheit in Dülmen während der Jahre 1928 bis 1938, der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime und die Zeit im Versteck in Rotterdam. „Das ist ein neuer Weg zu erinnern, der sehr viele, auch junge Menschen, anspricht. Das Buch ist lebendige Erinnerungskultur“, sagt Dr. Wilhelm Bauhus, Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster.

Mittlerweile sind die Arbeiten abgeschlossen, die Tür ist fertig gestaltet. Was am Ende herausgekommen ist, bleibt bis zur Ausstellungseröffnung ein Geheimnis. Diese soll Anfang 2021 in Münster stattfinden. Anschließend wandern die Türen durch das Münsterland: In Dülmen werden sie dann im Intergenerativen Zentrum einsA ausgestellt.

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