Mit der Kamera über Europas Meere

Dülmenerin Janina Westhoff arbeitet als Fotografin auf einem Kreuzfahrtschiff

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An der Adriaküste erkundet die Fotografin viele spannende Orte.

Dülmen / Coesfeld. Fünf Monate umherreisen zu den schönsten Städten Europas. Immer da sein, wo andere Urlaub machen und dabei auch noch Geld verdienen. Was für viele wie ein Traum klingt, ist für Janina Westhoff aus Dülmen Realität. Seit dem 19. Mai reist sie auf dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 6“ über das Meer, aber nicht privat, sondern beruflich. Die 28-Jährige hat ihre Ausbildung zur Fotografin in Coesfeld absolviert und sich dazu entschieden, ihren Heimatort, ihre Familie und ihre Freunde für einen langen Zeitraum zu verlassen. „Ich habe schon immer davon geträumt, meine Reiseleidenschaft mit meinem Beruf zu verbinden“, begründet Janina ihre Entscheidung für das Abenteuer.

Fünf Monate lang fährt sie – alle vier Wochen die gleiche Route – an der Adriaküste entlang. Dabei hält das Schiff an verschiedenen Orten in Italien, Kroatien, Griechenland, Montenegro, Malta und Slowenien. „Meine Lieblingsroute ist die Griechenlandreise mit Rhodos und Mykonos, zwei wunderschöne Orte, an denen es doppelt Spaß macht zu fotografieren“, verrät die Dülmenerin. „Außerdem gehören Kotor in Montenegro sowie Valletta in Malta zu meinen Highlights. Kotor überzeugt mit einer unglaublichen Landschaft. Wenn wir in die Bucht hineinfahren, ist es einfach ein super schöner Ausblick, da man komplett von Bergen umzingelt ist.“

Anstrengende und aufregende Arbeit

Aber das Leben auf dem Schiff besteht nicht nur aus schönen Orten und Freizeit. Im Gegenteil: Oft startet der Tag sehr früh und kann auch, je nach personeller Lage, spät enden. Wochenende gibt es in dem Sinne nicht – jeder Tag ist ein Arbeitstag. Doch auf dem Schiff gefangen, ist Janina dabei nicht: „Als Fotografin an Bord habe ich den Vorteil, dass ich sowohl auf dem Schiff, als auch an Land arbeiten darf.“ Ihre Arbeitstage unterscheiden sich je nachdem, ob es ein Seetag oder ein Landgang ist. „Wenn wir am Hafen angelegt haben, dürfen wir morgens entweder vor dem Schiff die Gäste fotografieren oder werden auf Ausflüge mitgeschickt, um dort die Gäste zu begleiten und zu fotografieren“, erklärt sie den Ablauf bei Landgängen. „Am Abend werden wir dann wieder auf dem Schiff für Shootings, Events oder andere Veranstaltungen eingesetzt.“ Längere Pausen nutzt die 28-Jährige oft, um selbst loszuziehen und die einzelnen Städte zu erkunden – selbstverständlich immer mit ihrer Kamera im Gepäck. „Natürlich gibt es dann auch die Möglichkeit zum Strand zu gehen, in der Stadt etwas zu essen oder sich die Zeit einfach an Bord zu vertreiben.“ Dabei muss sie sich nicht unter die Gäste mischen, denn für die Crew gibt es eigene Bereiche. Zum Beispiel ein eigenes Außendeck, eine Bar, einen Coffee Shop, ein Fitnessstudio oder eine Chill-Lounge.

Sei es an Bord oder auf Land – ihre Kamera hat Janina Westhoff immer mit dabei.


Kontakt zu Menschen macht den Reiz aus

Highlights erlebt die Fotografin am laufenden Band – egal, ob es die vielen Ausflüge sind oder die einzelnen Häfen, an denen sie angekommen ist. Genau aus diesem Grund nimmt die Fotografin eine neue und wichtige persönliche Erfahrung für sich mit: „Es gibt nicht das eine große Highlight, sondern es sind die vielen kleinen Dinge, auf die es im Leben ankommt.“ Nicht die vielen schönen Orte oder die Eindrücke und Motive sind es, sondern besonders die Menschen, die sie jeden aufs Neue mit ihrem Job glücklich machen kann. „Es ist ein schönes Gefühl mit den Gästen zusammen zu lachen und ihnen mit meinen Fotos eine Freude zu machen“, erkennt sie den Mehrwert ihrer Arbeit. Die Bestätigung folgte erst vor Kurzem, als Janina Westhoff mehrere Tage krank in ihrer Kabine verbringen musste. „Nachdem ich wieder fit war, kamen Gäste auf mich zu und sagten, dass sie mich vermisst hätten. Es ist schön, so positiv in den Köpfen der Menschen geblieben zu sein“, erinnert sie sich. Bei einer Crewgröße von fast 1000 Menschen keine Selbstverständlichkeit.

Doch wie fühlt es sich an, plötzlich sein altes Leben für fünf Monate hinter sich zu lassen? Für Janina gab es kaum Zeit sich mit dieser Frage zu beschäftigen. „Es ging alles so schnell und ich musste sehr kurzfristig viele Vorbereitungen treffen“, erinnert sie sich. Zuvor hatte sie sich viel im Internet erkundigt und ist so auf „Mein Schiff“ gestoßen. Ihre abgeschlossene Fotografenausbildung hatte die Dülmenerin vor Arbeitsbeginn gerade frisch in der Tasche. Bei dem ehemaligen Fotostudio Hentschel in Coesfeld absolvierte sie ihre Lehre. Als das Studio schließen musste, machte Janina Westhoff ihre Abschlussprüfung ein halbes Jahr früher als geplant. Dass die 28-Jährige eine Fotografenausbildung hatte, war von Vorteil, sei aber keine Voraussetzung gewesen.

Das Kreuzfahrtschiff – ihren ungewöhnlichen Arbeitsort – hat die Dülmenerin auch von Land aus im Blick.


Überwältigt von den ersten Eindrücken

Bereits einen Tag nachdem sie ihr Bewerbungsschreiben abgeschickt hatte, kam die Rückmeldung. Nach dem Bewerbungsgespräch erfuhr sie, dass es bereits zwei Wochen später für fünf Monate auf das Schiff gehen sollte. Zwei Wochen, in denen sie Dokumente beantragen, Anträge stellen, ärztliche Untersuchungen wahrnehmen und sich natürlich von Familie und Freunden verabschieden musste. „Die Vorfreude war riesig. Wirklich nervös wurde ich erst, als ich in Italien angekommen bin, von wo es auf das Schiff gehen sollte“, realisierte sie, welcher große Schritt vor ihr lag. „Als ich dann an Bord war, wurde ich von den Eindrücken überwältigt.“ Dabei war der erste Monat nicht immer einfach. Viele neue Kollegen aus verschiedenen Nationen, eine Menge neuer Regeln und ein riesiges Schiff, in dem sie sich zurechtfinden musste. „Der erste Monat ist immer der schwierigste, sagten mir meine Kollegen. Sie waren es, die mich in dieser Zeit unterstützten“, erinnert sie sich zurück. Neben dem Arbeitsalltag kamen sogenannte Drills und Sicherheitstrainings dazu. „Diese müssen in der Freizeit absolviert werden.“

Am 27. Oktober endet das Abenteuer – vorerst. „Dann bin ich erst einmal froh, wenn es nach Hause geht und die Anspannung, jeden Tag funktionieren und lächeln zu müssen, abfällt“, freut Janina sich schon. „Aber mein Wunsch ist es auf jeden Fall noch ein bis zwei Mal auf das Schiff zu gehen. Auch wenn es wirklich anstrengend ist, sind es Erfahrungen, die mir keiner nehmen kann.“

Zur Person

Janina Westhoff

... ist 28 Jahre alt. Nach ihrer Fachoberschulreife hat die Dülmenerin eine Ausbildung im Einzelhandel gemacht – in diesem Bereich war sie fünf Jahre tätig. Währenddessen entwickelte sich ihre Leidenschaft zur Fotografie immer weiter und so suchte sie lange nach einer Ausbildungsstelle zur Fotografin. 2016 wurde sie in Coesfeld beim ehemaligen Fotostudio Hentschel fündig. Seit Januar ist sie ausgebildete Fotografin.

Ihre Reise kann über ihren Instagram-Account verfolgt werden: @shortyoneseven

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