Dülmener Theo Schwedmann erhält NRW-Landes- Verdienstorden

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Neben mehreren anderen verdiensten Bürgern von NRW erhielt gestern Theo Schwedmann (Neunter von links) den Landesverdienstorden NRW.

Düsseldorf. In einer Feierstunde erhielt am gestrigen Dienstagnachmittag Theo Schwedmann aus Dülmen von Ministerpräsident Armin Laschet den Landesverdienstorden des Landes überreicht.

In seiner Laudatio auf Theo Schwedmann sagte Armin Lascht: „Sie selbst sollen einmal gesagt haben, Sie seien vom ,Israel-Virus’ befallen. Was Sie damit meinen, wird bei einem Blick auf die letzten gut 20 Jahre Ihres Lebens deutlich.“ So übernimmt Theo Schwedmann 1997 als Fachberater bei der Bezirksregierung Münster die Leitung des Lehrerfortbildungsprojektes „Erziehung nach Auschwitz“. Was als Pilotprojekt für alle Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen von ihm entwickelt wurde, läuft bis heute. Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, der Nationalsozialismus und das Menschheitsverbrechen des Holocaust, lässt Theo Schwedmann nicht los: „Wie konnte geschehen, was damals geschah? Wie konnte aus Vorurteilen und Hass millionenfacher Menschenmord werden? Und: Was können wir selber gegen das schleichende Gift des Antisemitismus tun?“, so die Worte Laschets. „Gerade junge Menschen, aber auch ihre Lehrerinnen und Lehrer brauchen Antworten auf diese Fragen. Theodor Schwedmann geht einen ganz neuen Weg. Er fährt ins Land der Opfer. In Kooperation mit der ,International School for Holocaust Studies’ Yad Vashem Jerusalem reist er 1998 erstmals mit einer Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern aus Nordrhein-Westfalen nach Jerusalem. Sie besuchen dort religiöse und kulturelle Stätten. Sie sprechen mit israelischen Pädagoginnen und Pädagogen über den Holocaust und die Lehren aus ihm. Mehr als 20 Gruppen begleitet Theodor Schwedmann nach Israel, darunter auch Gruppen von Schülerinnen und Schülern, die unbedingt Israel und die Gedenkstätte Yad Vashem besuchen möchten. Binnen kürzester Zeit spricht man nur noch von den ,Theo-Seminaren’ – auch in Israel.

Theodor Schwedmann ist es wichtig, die Opfer des Holocaust aus der Anonymität zu befreien. Er will ihnen ihren Namen und ihr Gesicht zurückgeben. Er und seine Arbeitsgemeinschaft dokumentieren das Schicksal einzelner Jüdinnen und Juden durch Zeitzeugenberichte. So entsteht beispielsweise ein Buch über die Kindheit von Helga Becker-Leeser aus Dülmen und, ganz zeitgemäß, eine App für das Smartphone, die neben Film- und Bildmaterial viele Hintergrundinformationen und Texte der Jugendlichen zu Yad Vashem enthält.

Wie sehr die Arbeit von Theodor Schwedmann auch international geschätzt wird, zeigt eine außergewöhnliche Geste der „International School for Holocaust Studies“. Sie überreicht ihm einen symbolischen Schlüssel – ich zitiere – ,zu unseren Herzen und zu Yad Vashem’.“ Was als beruflicher Auftrag begann, „entwickelte sich zu einem wichtigen Teil Ihres Lebens. Wir alle sind Ihnen zu Dank verpflichtet. Ihr ,Israel-Virus’ ist vielleicht das wirksamste Gegengift zu Antisemitismus, zu Hass und Fremdenfeindlichkeit. Und ein Stärkungsmittel für das friedliche Zusammenleben in unserem Land. Dafür sind wir sehr dankbar“, so Laschet.

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