Dülmener Lektoren sorgen für „große Bandbreite an Stimmen“ 

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Pastoralreferent Daniel Breitkopf freut sich über die Vielfalt der Inhalte die Lektoren, wie Jutta Hülsberger in der Kirche vermitteln.

Dülmen. Sie verkünden das Wort Gottes – und sind deshalb aus den Gottesdiensten der Dülmener Kirchengemeinden nicht wegzudenken: die ehrenamtlichen Gemeindemitglieder, die den Lektorendienst ausführen. „Die Lektoren sorgen für Vielfalt in den Gottesdiensten. Durch sie werden mehr Leute beteiligt, mehr Stimmen werden gehört und der Gottesdienst wird allgemein noch feierlicher gestaltet“, lobt Pastoralreferent in St. Pankratius Buldern Daniel Breitkopf den ehrenamtlichen Einsatz der Gemeindemitglieder. Genau deshalb sei der Dienst so wichtig. Lektoren übernehmen das Vortragen ausgewählter biblischer Texte aus dem Evangelium. Neben der Lesung gehört auch das Vortragen der Fürbitten zu ihren Aufgaben.

Doch welche besonderen Fähigkeiten muss man für die Tätigkeit mitbringen? Denn einfaches Vorlesen genügt nicht, um ein guter Lektor zu sein. „Es ist sinnvoll eine Lektorenschulung zu besuchen. Eine deutliche Aussprache, das Vertrautsein mit dem Vortragen von Texten, die Fähigkeit, sich im liturgischen Bereich zu bewegen, ein Interesse an der Bibel und die regelmäßige Mitfeier der Sonntagsmesse sind Voraussetzungen“, erklärt Heio Weishaupt, Pfarrer in der St.-Viktor-Gemeinde. „Manches kann man erlernen, manches bringt man direkt mit.“ Eine solche Lektorenschulung wird am Freitag, 15. März, vom Kreisbildungswerk Coesfeld durchgeführt und richtet sich an Interessierte im Kreisdekanat.

„Das Wichtigste ist aber, dass man sich zutraut vor einer großen Menge Leuten zu sprechen“, ergänzt Lektorin Ulrike Oevermann, die in der evangelischen Gemeinde in Dülmen die Organisation des Lektorendienstes übernimmt. Elf Gemeindemitglieder, die sich in der Kirche engagieren wollten, sind hier Teil des Lektorenkreises. Weitere Interessenten sind immer willkommen. „Wir feiern den Gottesdienst gemeinsam und da ist es natürlich schön, wenn sich viele Personen beteiligen und auch zu Wort kommen“, erklärt Pfarrer Gerd Oevermann. So trägt die evangelische Gemeinde gelegentlich auch zweisprachige Lesungen vor – auf Deutsch und Farsi.

Hannah-Marie Borchers trägt die Lesungen in Merfeld vor

Häufig werden die Lektoren auch von den Seelsorgern angesprochen, ob sie sich vorstellen können die Lesungen im Gottesdienst vorzutragen. So auch bei Hannah-Marie Borchers. Die 18-jährige ist bereits seit sie zehn Jahre alt ist als Messdienerin in der St. Antonius-Gemeinde in Merfeld aktiv. „Mir wurde das quasi in die Wiege gelegt. Meine Mutter ist auch im Jugendausschuss aktiv“, berichtet die Merfelderin. Als Messdienerleiterin übernahm sie selbst häufig die Lesungen bei Messdienertreffen. So gewann Pfarrdechant Markus Trautmann sie schließlich auch als eine von insgesamt circa 90 Lektoren in der St.-Viktor-Gemeinde. „Es ist schön, so eine große Bandbreite von Stimmen zu hören“, betont Heio Weishaupt. Seit der Silvestermesse 2017 trägt sie in Merfeld die Lesungen vor. Und obwohl die 18-jährige seit Herbst in Bocholt studiert, bleibt sie ihrer Gemeinde auch weiterhin treu. „Ich komme an den Wochenenden immer nach Merfeld zurück, deswegen ist es kein Problem auch weiter Lektorin zu sein“, so Borchers. Denn die Tätigkeit als Lektorin und Messdienerleiterin machen der Studentin nach wie vor Freude: „Man kennt sich untereinander und es ist immer wieder schön sich wiederzusehen. Wir sind eine große Gemeinschaft.“

Gerade diesen Sinn für Gemeinschaft weiß auch Jutta Hülsheger aus Buldern zu schätzen. Als Teil der Landjugend, kam sie in ihrem Heimatort Hiddingsel während ihrer Teenager-Zeit zuerst mit der Lektorentätigkeit in Berührung. Bei Messen der Landjugend war Hülsheger selbst aktiv, trug die Lesungen vor und unterstützte musikalisch auf der Gitarre. Als dann in der Gemeinde Lektoren gesucht wurden, zögerte die damals 18-Jährige nicht lange und versuchte ihr Glück.

Dabei war anfänglich durchaus Nervosität vorhanden. „Auf einmal vor einer gefüllten Kirche zu stehen ist doch etwas anderes als die Landjugendmessen in Wald und Flur“, schmunzelt die Lektorin. „Mittlerweile bin ich nach 30 Jahren Erfahrung aber routinierter.“ Daniel Breitkopf ergänzt: „Etwas innere Anspannung ist gar nicht schlecht, denn so konzentrieren sich die Lektoren und sind noch besser verständlich.“ Das Lesen mit der richtigen Intonation hat sich Jutta Hülsheger selbst beigebracht „Sicherlich hat auch das Vorlesen für meine Kinder geholfen. Da versucht man ja schließlich auch möglichst interessant zu betonen“, lacht die Lektorin. Für sie war das Besondere immer, dass sich ihr ganzer Freundeskreis in der Gemeinde in Hiddingsel engagierte und so ein enger Zusammenhalt vorhanden war.

So blieb Hülsheger auch nach ihrem Umzug nach Buldern Hiddingsel jahrelang als Lektorin erhalten. Schließlich entschloss sie sich aber doch nach Buldern zu wechseln und besuchte direkt auch eine Schulung zum Kommunionhelfer. „Mir war es immer wichtig selber aktiv zu werden und so meinen Kindern Engagement vorzuleben“, betont Jutta Hülsheger. Insgesamt sind in der St.-Georg-Gemeinde Hiddingsel 16 und in der St.-Pankratius-Gemeinde 21 Lektoren tätig. Die Gemeinde in Hiddingsel besucht die Lektorin auch weiterhin gerne – mittlerweile aber nur noch als Besucherin.

Um sich vorzubereiten, schaut Lektor Gerd Maas aus der Heilig-Kreuz Gemeinde die Texte in der Kirchenzeitung nach.

Auch Gerd Maas aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde ist seit Jahrzehnten Lektor und kommt dem Ehrenamt immer noch gerne nach. Ganz nach seinem persönlichen Lebensmotto „Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen“. Denn wenn man dem Ganzen nicht eine gewisse Leidenschaft entgegenbringen würde, dann sei es schwer am Ball zu bleiben. Auch Maas war zunächst als Messdiener tätig und hatte somit schon immer einen engen Bezug zur Kirche.

Als er dann 1974 mit seiner Frau nach Dülmen zog, nutzte Gerd Maas die Chance durch sein Engagement als Lektor auch seinen neuen Wohnort und seine neue Gemeinde kennenzulernen. So trägt er dort nicht nur die Lesungen vor, sondern engagiert sich auch als Kommunionhelfer und ist Teil des Kirchenchores. „Man ist so einfach auf eine ganz andere Art am kirchlichen Leben beteiligt“, erklärt der 72-Jährige. Aufregung kommt bei dem pensionierten Bäcker nur noch selten vor: „Mit den Jahren bekommt man Routine im Vorlesen. Gleichzeitig habe ich durch den Kolpingkarneval Bühnenerfahrung. Das hat auch geholfen.“ Zusätzlich besuchte der Lektor und Kommunionhelfer auch noch einen Kurs bei dem an dem freien Sprechen gefeilt wurde.

Und wenn es dann doch einmal zu Fehlern kommt? „Nicht weiter schlimm“ – da sind sich die drei Lektoren einig und erinnern sich an ihre eigenen Patzer zurück. Während Jutta Hülsheger einmal den Einsatz ihrer Lesung verpasste, hatte Gerd Maas technische Schwierigkeiten mit dem Mikrofon. Anekdoten, über die der Dülmener und die Buldernerin lachen, denn auch Spaß gehört zu dem Ehrenamt eines Lektors dazu. Ein Ehrenamt, dass dazu beiträgt die Vielfalt der Kirche aufrecht zu erhalten.

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