Corinna Stodtmeister machte Auslandspraktikum in der Konditorei Ambrosius in Sevilla

Corinna Stodtmeister (zweite von links) machte in der Konditorei Ambrosius in Sevilla, geleitet von Frank Wagner (links) ein Praktikum.

Dülmen/Rosendahl. Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Corinna Stodtmeister aus Rosendahl-Holtwick nutzte die Chance und machte im Januar in Sevilla – mit 700 000 Einwohnern viertgrößte Stadt Spaniens und Hauptstadt Andalusiens – ein dreiwöchiges Auslandspraktikum in einer Konditorei in der Altstadt. „Ein einzigartiges Erlebnis, das ich auf keinen Fall missen möchte. Ein Sahnehäubchen meiner Berufsausbildung“, so die 22-Jährige, die sich aktuell im 20-köpfigen Team vom Café Uckelmann in Dülmen in der Zielgeraden ihrer Konditoren-Ausbildung befindet.

„Die Idee für das Auslandspraktikum fand ich sofort gut und hab ich von vornherein unterstützt: Corinna brauchte für ihr Praktikum keinen Urlaub zu nehmen“, freut sich Paul Schulze Berning, dass seine Auszubildende die Nase mal in einen Betrieb in Spanien gesteckt hat. „Ich selber war ja auch mehrere Jahre beruflich auf Wanderschaft und in verschiedenen Betrieben – mal in Bielefeld, mal in Siegburg. Das war zwar kein Ausland, aber trotzdem hab ich viel gelernt und mit Leuten von überall aus der Welt – mal aus Japan, mal aus Frankreich – zusammengearbeitet. Allein auch schon die verschiedenen Mentalitäten in Ostwestfalen und im Rheinland zu erleben war klasse“, so Paul Schulze Berning.

Corinna Stodtmeister, die vor ihrer Konditoren-Ausbildung eine Bäcker-Ausbildung bei der Bäckerei Mey in Coesfeld absolviert hatte, wusste, warum sie „ausgerechnet“ nach Sevilla ins Praktikum gehen will: „Ich war im Urlaub schon ein paar Mal in Spanien – da kannte ich die Mentalität also schon. Und auch sprachlich hatte es Vorteile: Frank Wagner, der Inhaber der Konditorei Ambrosius, in der ich mein Praktikum gemacht habe, kommt gebürtig aus dem Schwarzwald und ist gelernter Koch. Wenn er mal nicht da war und ich mit einer seiner beiden Mitarbeiterinnen etwas zu besprechen hatte, haben wir ein Computer-Übersetzungsprogramm genutzt“, so die 22-Jährige. Natürlich hatte sie sich auch vorher schon mit Sprach-CDs ein paar Spanischkenntnisse bei Autofahrten draufgeschafft.

800 Euro steuerte Förderprogramm bei

800 Euro steuerte das Förderprogramm „Erasmus+“ der EU und des Bundesbildungsministeriums für Corinnas Auslandspraktikum bei – und praktisch half die Handwerkskammer Münster. Dank deren Kontakte wäre auch ein Praktikum in der Konditorei des legendären Warenhauses „Harrods“ in London, in der sieben Tage die Woche Tag und Nacht gearbeitet wird, oder auch in einer Konditorei in Turku in Finnland möglich gewesen. „Da gefiel mir aber allein das Wetter in Spanien besser“, schmunzelt Corinna Stodtmeister.

Sechs Stunden Arbeitszeit an sechs Tagen die Woche ab jeweils morgens 8 Uhr – so sah der Arbeitstag von Corinna in Sevilla aus. „Stress hat es nie gegeben. Es war irgendwie immer relaxt.“ Teig herstellen, Macarons, Tartes und Torten backen und auch Marmeladen kochen – langweilig war es auf der anderen Seite aber auch nicht. Geöffnet hat das Ambrosius 9 bis 14.30 und – nach der Siesta – wieder von 17 bis 20.30 Uhr, samstags durchgehend von 9 bis 19 Uhr; sonntags und feiertags ist es geschlossen.

Frank Wagner hatte seine Konditorei Ambrosius in den 1990ern am Stadtrand von Sevilla gegründet und war mit ihr 2011 in die Innenstadt an den Rand des Touristenviertels gezogen – Sevilla hat eine der größten Altstädte Europas. Neben spanischen Kuchen- und Tortenspezialitäten und allgemein mitteleuropäischen Leckereien bietet die Konditorei auch nördlichere Highlights an. „Wobei die Torte ,Schwarzwald’ nicht mit unserer klassischen Schwarzwälder Kirschtorte zu verwechseln ist. Denn in der ,Selva Negra’ sind ziemlich wenig Kirschen und überhaupt kein Kirschwasser. Sowieso werden in Spanien nur ganz wenig Gebäck und Torten mit Alkohol gebacken“, berichtet Corinna Stodtmeister. Und: „Das meiste ist viel süßer, als das hier in Deutschland üblich ist.“

Jeden Tag um 14.30 Uhr hatte Corinna Feierabend. „Dann habe ich mir auch Sehenswürdigkeiten angeschaut: Die Kathetrale – eine der größten in Europa. Und auch die Sommerresidenz der Königsfamilie, die auch für ihren eindrucksvollen Garten bekannt ist. Als Fan von ,Game of Thrones’ war es für mich klar, dass ich mir den Drehort mal anschaue. Es gibt da ja auch deutschsprachige Führungen.“ Auf ihren Wegen durch Sevilla kam sie an vielen Tapas-Bars vorbei – „zwei in jeder Straße“. Sevilla gilt als Ursprung der spanischen Tapas.

Corinna im T-Shirt, Spanier in Winterjacke mit Schal

Das Wetter war in der Woche sonnig bei 22 Grad. „Es war so schön – ich hab mich mit einem Buch in den Park gelegt und bin im T-Shirt gelaufen – was bei den Spaniern Kopfschütteln und verwunderte Blicke hervorrief. Die waren mit Winterjacken, Mütze und Schals unterwegs.“ Andere Länder, andere Sitten.

Bei der Leistungsprüfung baute Corinna Stodtmeister einen Eiffelturm aus Schokolade.

So auch die Sache mit dem Tag Heilige Drei Könige am 6. Januar. „An diesem Tag kam ich mit dem Flieger in Sevilla an und wollte in einem Supermarkt einkaufen – ich hatte eine Selbstversorger-Unterkunft. Es waren aber alle Supermärkte geschlossen – der Dreikönigstag ist ein hoher Feiertag in Spanien“, so Corinna Stodtmeister. „Ein Feiertag, der an Karneval erinnert: Es gibt einen großen Umzug durch die Straßen Sevillas und weitere Umzüge in den Stadtvierteln. Auf den Wagen stehen bunt verkleidete Leute und werfen Süßigkeiten in die Menge – wie bei Rosenmontagszügen. Am Dreikönigstag gibt es auch die Weihnachtsgeschenke für die Kinder.“ Eingekauft hat sie am Dreikönigstag dann übrigens in einem Kiosk und tags drauf, am Sonntag, in einem Aldi-Markt. Ihr Smartphone zeigte den Weg.

Eiffel-Turm aus Schokolade für Leistungsprüfung

land zurück, galt es für Corinna umzuschalten: Leistungsprüfung der Konditoren-Innung Münsterland als Vorbereitung auf die offizielle Gesellenprüfung. Corinnas Thema: Frankreich. Und so hat sie aus Kuvertüren-Schokolade einen Eiffelturm nachgebildet. Und hat – weil die Prüfung am Valentinstag stattfand – einen Kuchen in Herzform gebacken, mit Fondant in den Trikolore-Farben belegt und „Vive la St. Valentin“ draufgeschrieben.

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Spanien zum Essen

Geschmacklich am interessantesten fand Corinna Stodtmeister in der Konditorei Ambrosius in Sevilla eine Zitronentarte mit angeflämmtem Limetten-Zuckerschaum-Baiser, gekochter Zitronencreme, frischem Zitronensaft und eingearbeiteter Zitronenschale. Und auch einen Orangenkuchen mit frisch gepresstem Orangensaft. „Damit auch unsere Kunden etwas von Corinnas Praktikum in Sevilla erschmecken können, bieten wir die Zitronentarte und den Orangenkuchen nach Originalrezept diese und nächste Woche, also bis Sonntag, 22. April, hier bei uns im Café Uckelmann zum Kauf an“, lädt Paul Schulze Berning zu „Spanien zum Essen“ ein.

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