Zu hohe Hürden durch Naturschutz

Bürgerwindpark Merfeld wird nicht realisiert:  Grund dafür sind nicht die Kosten

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Das kleine Windrad auf dem Anwesen Tecklenborg erhält keine „großen Brüder“ – der Bürgerwindpark Dülmen-Merfeld ist abgehakt. Das erläuterten am Montag (von links) Josef Kock, Thomas Tecklenborg und Christoph Wieschhörster.

Merfeld/Dülmen. Einen Bürgerwindpark wird es in Merfeld nicht geben. Das gaben Josef Kock, Thomas Tecklenborg und Christoph Wieschhörster, ehrenamtlich Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Bürgerwindpark Dülmen-Merfeld GbR, am Montag in einem Pressegespräch bekannt.

Ursprünglich, 2012, umfasste die Planung die Errichtung von zwölf bis 15 großen Windrädern im Außenbereich südlich von Merfeld mit einem Gesamtinvest von 60 Millionen Euro und mehr. 96 Gesellschafter von vor Ort, die gemeinsam ein Kapital von knapp 100000 Euro zusammentrugen, finanzierten mit ihren Einlagen die Planungen. „Wir hatten Investoren aus Dülmen, die sich im Falle des Baus des Bürgerwindparks mit bis zu siebenstelligen Summen beteiligt hätten“, so Thomas Tecklenborg.

Der Widerstand des verbandlichen Naturschutzes sollte jedoch im Laufe der Jahre dafür sorgen, dass die Aussichten auf Verwirklichung des Bürgerwindparks schwanden: Die Naturschutzverbände NABU und BUND ließen eigene vogelkundliche Gutachten erstellen. Anlass war das nahe gelegene europaweit hochrangige Naturschutzgebiet Weißes Venn, ergänzt um die Bereiche Teichgut Hausdülmen und Heubachwiesen. Die Standorte der geplanten Windräder würden sich genau dort befinden, wo die Hauptflugrichtung der Zugvögel vor allem zum Weißen Venn hin verläuft. Vor diesem Hintergrund sahen die Naturschützer die Windräder als große Gefahr.

Dementsprechend restriktiv reagierten die Genehmigungsbehörden. „Zu guter Letzt haben wir die Planung auf drei bis vier Windräder reduziert – was die Finanzierbarkeit des Projekts immer schwieriger machte. Denn wir hätten so oder so eine elf Kilometer lange Stromleitungstrasse bauen müssen“, so Thomas Tecklenborg.

Zwischenzeitlich war auch der Stromkonzern Innogy als Projektmitentwickler mit im Boot. Innogy übernahm die Kosten für die Planungsgutachten und „hat sich an alle Vereinbarungen gehalten“, aber selbst dieses große Unternehmen habe in Sachen Genehmigung nicht mehr erreichen können. „Später haben wir auch noch mit der Umwelt Management AG aus Cuxhaven gearbeitet“, so Christoph Wieschhörster.

Nicht zuletzt mit Blick auf die Ankündigung des BUND, im Falle einer behördlichen Genehmigung in jedem Fall dagegen vor Gericht zu ziehen, entschloss sich die Gesellschafterversammlung der Bürgerwindpark GbR dazu, das Projekt fallenzulassen. Die GbR werde aufgelöst und das noch vorhandene Geld anteilmäßig ausgezahlt.

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