Heimatverein Merfeld besuchte Hof Winkelmann, der 2012/2013 umgestellt wurde

Wo Bio-Schweine zu Hause sind

+
Besuch im Ferkelstall, wo die Schweine bis auf ein Gewicht von 30 Kilogramm gehalten werden. Der überwiegende Teil der Ferkel geht danach zu Mastbetrieben.

Merfeld. Wie sieht es aus auf einem Öko-Hof? Diese Frage stellten sich am Mittwoch rund 80 Merfelderinnen und Merfelder und folgten der Einladung des Heimatvereins Merfeld zur diesjährigen Abendtour. Denn Ziel war der Hof von Antonius Winkelmann, der den Betrieb vor sechs Jahren von konventioneller Landwirtschaft auf Öko-Landwirtschaft umgestellt hat – und das sowohl beim Pflanzenbau – dort bereits vor sieben Jahren – als auch bei der Tierhaltung. Damit ist der Hof der einzige zertifizierte bioschweinhaltende Betrieb im Verbreitungsgebiet der Streiflichter.

In ihrem Garten hießen Antonius Winkelmann und seine Frau Angelika die Radlerinnen und Radler willkommen. Bei Kaltgetränken verfolgten die Gäste die Erläuterungen des 55-Jährigen zu seinem Hof, bevor es zu einem Rundgang durch den landwirtschaftlichen Betrieb und durch die Stallungen ging. „Wir haben unseren landwirtschaftlichen Betrieb aus mehreren Gründen auf Öko-Landwirtschaft umgestellt“, so Antonius Winkelmann: Zum einen: „Wir wollten schon immer was Neues machen.“ Zum anderen die Überlegung, dass die ökologische Landwirtschaft auch dann noch betrieben werden kann, wenn alle Erdölquellen versiegt sind – denn der in der konventionellen Landwirtschaft übliche Gebrauch von Mineraldünger bedingt die energetische Nutzung von Erdöl. In der ökologischen Landwirtschaft jedoch ist die Verwendung von Mineraldünger tabu.

Ein weiterer Grund: der Verzicht auf Gentechnik. „Es sind die großen, kapitalintensiven Konzerne, die Saatgut genetisch verändern – unter anderem, damit es gegenüber Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat resistent wird. Hier sehe ich die Gefahr, dass sich Abhängigkeiten von Großkonzernen und Monopolbildung ergeben. So gelangt mittelfristig die Weltsaatgutproduktion in wenige Hände. Das ist eine Gefahr – wir machen uns erpressbar. Und Hunger ist ein Feind des Friedens“, so Antonius Winkelmann. Genveränderter Soja sei mittlerweile Standard in der konventionellen Landwirtschaft – dort werde im Soja Glyphosat gegen Unkraut eingesetzt.

Die Tatsache, dass beim Öko-Landbau kein Dünger von außerhalb des eigenen landwirtschaftlichen Betriebs – also auch kein Mineraldünger – auf die eigenen Flächen ausgebracht werden dürfe, führe dazu, dass „wir teilweise nur die Hälfte der Mengen ernten, die in der konventionellen Landwirtschaft geerntet wird“, so Antonius Winkelmann. „Aber dafür haben die Böden eine gute Gesundheit“, so Antonius Winkelmann.

Insgesamt elf verschiedene Pflanzenkulturen wachsen auf dem Betrieb, der zusätzlich zu den eigenen 26 Hektar Fläche 44 Hektar dazugepachtet hat. „Dabei sind die elf Hektar Mais, die wir haben, für einen Ökobetrieb schon recht selten. Denn als Ökobetrieb Mais anzubauen ist gar nicht so einfach“, so Winkelmann. „Wir müssen etliche Male durch die Bestände, um das Unkraut im Mais zu hacken. Dafür haben wir allein vier verschiedene Hack-Geräte – und bei so einem Hackvorgang kommt es manchmal auf Tage, wenn nicht gar auf Stunden an.“

Sohn Antonius Winkelmann, 26 Jahre alt, der einen Landwirtschaftsmeistertitel in Ökologischer Landwirtschaft gemacht hat und beim Besuch des Heimatvereins wegen Urlaubs nicht zugegen war, sei aber „ein exzellenter Pflanzenbauer“. „Wir haben uns die Aufgaben aufgeteilt: Er kümmert sich um den Pflanzenbau, ich um unsere Schweinehaltung.“ Da sei auch reichlich zu tun angesichts der durchschnittlich 220 Sauen, die zur Ferkelgewinnung gehalten werden – in Ställen, die neu gebaut wurden. „Unsere Ferkel gehen überwiegend an andere Öko-Betriebe. Wie beispielsweise an den Betrieb des Grünen-Abgeordneten Friedrich Ostendorff in Bergkamen“, erklärte Antonius Winkelmann. Weniger als ein Prozent der Schweine, die in Deutschland gehalten werden, seien Bio-Schweine. Dank Fünfjahres-Abnahme-Verträge mit den Vermarktungs-Partnern könne finanziell einigermaßen kalkuliert werden.

Neben dem Mais bereichern die Stickstoff sammelnden Pflanzen Kleegras (8 Hektar), Lupine (6 Hektar), Gemüseerbsen (8 Hektar), Linsen (2 Hektar) und die Getreidearten Triticale (8 Hektar), Wintergerste (8 Hektar), Hafer (4 Hektar), Wintergerste (8 Hektar) sowie Winterroggen (7 Hektar) die Anbauvielfalt, ergänzt noch um Faserhanf (2 Hektar), Grünlandweide (3 Hektar) und Kürbis (2,5 Hektar). „Der vielfältige Kulturwechsel ist gut im Kampf gegen Verunkrautung“, so Antonius Winkelmann. An ein Betriebswachstum werde nicht gedacht. „Allenfalls an einen noch vielfältigeren Pflanzenanbau.“

Er und seine Frau Angelika begleiteten nach seinen Erläuterungen die Gäste beim Rundgang über den Hof und gaben Erläuterungen, in welchen Bereichen sich die Öko-Haltung von Schweinen von der konventionellen Haltung unterscheidet. So haben alle Schweine Auslauf nach draußen in die frische Luft, und die Sauen sind nicht angebunden und haben keine festen Stände, sondern können sich in ihren Boxen frei bewegen. Und: Die Haltung erfolgt in weiten Teilen auf Stroh.

Auch auf die Vorbereitungen für die Betriebsumstellung ging Antonius Winkelmann senior ein: „Antonius und ich haben uns damals zwei Bio-Höfe in Österreich angeschaut und uns Informationen geholt“, so Antonius Winkelmann. Von Bedeutung sei auch die Vernetzung innerhalb der Öko-Landbau-Szene: „Zweimal im Jahr finden Treffen der Naturland-Bauern mit den Akteuren des Verbands, den Vermarktern und den Verarbeitern der Produkte statt. Sofern es irgend möglich ist, fahren wir zu diesen Treffen. Zu wissen, mit wem wir es zu tun haben, ist uns sehr wichtig.“ Dass gerade einmal rund ein Prozent der in Deutschland gehaltenen Schweine Bio-Schweine sind, habe einen Grund: „Wer konsequent Bio-Produkte kauft, greift erfahrungsgemäß lieber nach Rind- als nach Schweinefleisch“, so Antonius Winkelmann.

Zum Thema: Öko-Zertifikate

Wer nach Bio-Unternehmen sucht, hat im Internet eine unabhängige Datenquelle. Der Bundesverband der Öko-Kontrollstellen e. V. verzeichnet unter www.oeko-kontrollstellen.de alle deutschen Betriebe und Unternehmen, die dem Kontrollverfahren des Ökologischen Landbaus unterstellt sind und sich erfolgreich haben zertifizieren lassen. Gesucht werden kann in dieser Datenbank anhand des Namens des Betriebs, aber auch anhand der Postleitzahl des Ortes, in dem der Betrieb ansässig ist. Danach gibt es im Verbreitungsgebiet der Streiflichter (Billerbeck, Coesfeld, Dülmen, Nottuln, Havixbeck, Rosendahl und Lüdinghausen-Seppenrade) mehrere Betriebe, die beispielsweise für die Bereiche Tierfuttermittel, Gemüse, Obst, Eier, Geflügel, Schafe, Rinder sowie auch Schweine zertifiziert sind. In dieser Datenbank finden sich neben den Erzeugern auch reine Händler – sowohl Groß- als auch Einzelhändler.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare