Bernhard Schlafke: Zwei Jahrzehnte offene Jugendarbeit in Dülmen

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BUND-Mitarbeiter Justin Maasmann (von links), Bernhard Schlafke, Dülmens früherer Jugendamtsleiter Berthold Büning und Praktikantin Jacqueline Drewes.

Dülmen. „Ab 7 Uhr hole ich samstags die Jugendlichen ab. Um 8.30 Uhr beginnen sie mit der Arbeit“, so Bernhard Schlafke, der am Samstag letztmalig beim Welter-Bachauen-Arbeitseinsatz an seinem 13-Stunden-Tag die „Oberaufsicht“ hatte, unterstützt von der Praktikantin Jacqueline Drewes.

„Es ist ein Werkprojekt der Jugendgerichtshilfe Stadt Dülmen in Kooperation mit der BUND-Ortsgruppe Dülmen im Naturpflegeprojekt ‚Welter Bachauen’“, erklärt Schlafke. „Straffällig gewordene Jugendliche haben die Möglichkeit, nach vorheriger Vereinbarung unter Anleitung eines ehrenamtlich tätigen Schulpädagogen und Mitglied im BUND von 8.30 bis etwa 17 Uhr bei der Bewirtschaftung im Naturpflegeprojekt mit zu arbeiten.“

Acht Jugendliche waren am Samstag im Einsatz, verrichteten Reparaturarbeiten an einem Zaun, schnitten Wildwuchs zurück und entfernten Unkraut. Mittags gab es Nudelsalat mit Grillwürstchen, was Bestandteil des Projekttages ist. „Insgesamt machen die Jugendlichen gut mit. Nur sehr selten ist mal jemand etwas aufmüpfig.“ Ziele der gemeinnützigen Arbeitsstunden sind unter anderem eine ganztägige Naturerfahrung, das Einüben von zweck- und zielgebundenem Sozialverhalten, das Entdecken und Einsetzen eigener Fähig- und Fertigkeiten, die positive Eigen- und Fremdwahrnehmung und natürlich die Wiedergutmachung im Sinne einer strafrechtlichen Ahndung. Darüber hinaus sorgt das Projekt noch für eine generationsübergreifende Begegnung, da auch erwachsene BUND-Mitglieder und Ehrenamtliche mitarbeiten“, so Schlafke. 

Das gemeinnützige Projekt begann 1993 nach einer Idee von Rainer Grajetzki, der zurückblickt: „Damals war ich Mitarbeiter im Fachbereich Jugend und Familie der Stadt Dülmen, kurz ‚Jugendamt’ genannt, und auch schon Mitglied beim BUND. Ich hatte mich in das bestehende BUND-Projekt Welter Bachauen mit Projektleiter Martin Groß eingeklinkt und dann im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit dieses neue Projekt geleitet. Dabei habe ich mit maximal sieben Jugendlichen von Oktober bis Ende Februar einmal monatlich Projektarbeiten durchgeführt. Nach meinem Wechsel in den Sozialen Dienst 2007 wurde Bernhard Schlafke mein Nachfolger.“ 

Das Fazit von Bernhard Schlafke zu seiner 30-jährigen Tätigkeit bei der Stadt Dülmen: „Sowohl die Arbeit in der offenen Jugendarbeit wie auch als Jugendgerichtshelfer haben mir trotz Höhen und Tiefen (immer) Spaß gemacht. Die ersten 20 Jahre arbeitete ich in der offenen Jugendarbeit mit dem Schwerpunk Jugendzentrum (Neue Spinnerei), 2007 folgte der Wechsel in die Jugendgerichtshilfe. Mein Arbeitsschwerpunkt war hier die Arbeit mit Jugendlichen, die grenzverletzend auffällig waren, unter anderem mit dem Projekt Welter Bauchauen. Mein letzter Arbeitstag ist der 27. Juli, dann verabschiede ich meine Praktikantin. Anschließend mache ich meinen Jahresurlaub, und mein erster Rentnertag ist der 1. September.“ Seine Nachfolgerin ist Katharina Dierker. 

Mit dabei waren am Samstag vom BUND Justin Maasmann sowie Ex-Jugendamtsleiter Berthold Büning (schon mehrmals Helfer bei BUND-Aktionen), der erklärt: „Bernhard ist ein sehr kreativer Mensch, der einen guten Zugang zu den jungen Menschen hat und auf außergewöhnliche Art die Herausforderungen annimmt und löst. Neben der Alltagsarbeit hatten wir auch ein gutes freundschaftliches Verhältnis.“

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