Beim Joggen Müll und Abfall aufsammeln: Ralf Koritko betreibt „Plogging“

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Auch die Bereiche der Sitzgruppen inspiziert Ralf Koritko während seiner Plogging-Runden durch den Dülmener Wildpark.

Dülmen. Zweimal die Woche schnürt sich Ralf Koritko seine Laufschuhe an, um ein Stündchen zu joggen. Mit dabei hat der Dülmener dann auch Einmal-Handschuhe. Denn beim Joggen sammelt er stets Müll und Unrat auf, das er auf und entlang seiner Laufstrecke sichtet. „Sechs bis acht Jahre lang mache ich das schon“, sagt der 59-Jährige.

Vor etwa zwei Jahren hat sich in Schweden sogar Joggen und Müllaufsammeln zu einem organisierten Freiluftsport entwickelt und über die sozialen Medien auch in den deutschsprachigen Raum verbreitet. So ist es auf Wikipedia im Internet zu lesen – wie auch der Fachbegriff „Plogging“. Dies setzt sich zusammen aus dem schwedischen Wort „plocka“, das „aufheben“ bedeutet, und Jogging

In der Regel dreht Ralf Koritko alle paar Tage speziell im Dülmener Wildpark seine Fünf-Kilometer-Plogging-Runde – mal rechts herum, mal links herum. Seine Augen lässt er dabei immer über den Weg und rechts und links davon schweifen. Doch damit nicht genug: Er umrundet auch Baumstämme oder Holzstapel am Wegesrand, um dort nach Weggeworfenem Ausschau zu halten, und inspiziert die Sitzgruppen. „Auf den fünf Kilometern hier durch den Park finde ich manchmal drei, manchmal aber auch bis zu 15 Papiertaschentücher“, berichtet das Gründungsmitglied der Ambulanten Hospizbewegung Dülmen e.V. Sehen die Taschentücher „normal“ aus, greift er sie so mit der linken Hand. Sind die Tücher sichtbar dreckig, streift er sich einen Einmal-Latexhandschuh über seine linke Hand. „Auf Hygiene muss man schon ein bisschen achten“, meint er. Besonders dann, wenn sich nach viel Regen in Höhe des Regenüberlaufbeckens Brokweg manch eine Monatsbinde und manch ein Tampon durch die Rohre und Schächte in den Wildpark gedrückt hat. „Dann dauert es für mich mehrere Jogging-Runden, bis der Bereich wieder sauber ist.“

Eine Sammeltüte hat der Mitarbeiter eines Ambulanten Pflegedienstes und Koordinator der Ambulanten Hospizbewegung Dülmen nicht mit dabei, wenn er im Wildpark unterwegs ist, denn hier stehen einige Mülleimer, in die er den aufgesammelten Müll wirft: Papiertaschentücher, Zigarettenschachteln, Bonbon- und Kaugummipapiere, Chipstüten, Getränkeflaschen, -dosen und und und. Am Montag war es auch ein Nuckel. „Schnuller finde ich häufiger hier im Park“, kommentiert Ralf Koritko. Dahingegen eher ein seltener Fund ist die Stoff-Unterhose, die er am Montag sichtet und entsorgt.

„Ich sehe joggen und dabei Müll aufsammeln als eine Möglichkeit, im Rahmen meiner Möglichkeiten die Welt ein kleines bisschen besser zu machen“, sagt Ralf Koritko, „und beim Joggen sorgt das Bücken auch dazu, dass der Körper zusätzlich gefordert und trainiert wird“, sieht er nicht nur den Umwelt-Aspekt, sondern auch den sportlichen Effekt des Ploggings.

Was er von den Leuten hält, die im Wildpark und anderswo Müll in die Landschaft werfen? „Ich sag mal so: Es gibt hier ja Abfalleimer. Da ist es ja kein Aufwand, den Müll kurz festzuhalten und dahin zu bringen“, meint der 59-jährige verheiratete Vater dreier erwachsener Kinder, der manchmal auch außerhalb des Wildparks joggt. „Dann habe ich oft eine Plastiktüte mit dabei, in die ich den Müll sammele.“

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