Vier Jahrzehnte Drogen- und Suchtarbeit

AWO-Drogenberater geht in Rente

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Ulrich Flasches Nachfolgerin Lioba Krüger-Rosenke (Mitte) kommt aus Münster, Mitarbeiterin der Sucht- und Drogenberatungsstelle Mandy Böing (links) aus Dülmen.

Dülmen. Selber war er jahrelang süchtig – Zigaretten-süchtig: „Ich habe bis zu 50 Zigaretten pro Tag geraucht. Dann hatte ich 2010 einen Schlaganfall und seitdem habe ich keine Zigarette mehr angefasst“, so Ulrich Flasche, Leiter der Sucht- und Drogenberatungsstelle im Kreis Coesfeld in Dülmen. Am 31. Januar geht Ulrich Flasche in den Ruhestand. Während seiner 39-jährigen Tätigkeit bei der AWO hat er vielen Abhängigen geholfen. Seine Nachfolgerin steht mit Lioba Krüger-Rosenke bereits fest.

Nach seinem Diplom-Pädagogik-Studium begann Flasche sein AWO-Engagement mit einem dreimonatigen Praktikum. „Dabei habe ich festgestellt, dass es 1981 wenig Hilfsangebote für Konsumenten von illegalen Drogen im Kreis Coesfeld gab“, berichtet er. In den ersten Jahren holte Ulrich Flasche zu den wöchentlichen Gruppentreffen in Privatwohnungen mehrere Teilnehmer aus Lüdinghausen, Senden und Schapdetten bei jedem Wetter ab und brachte sie anschließend wieder nach Hause. „Dann war ich erst nach Mitternacht wieder daheim. Das war ehrenamtlich und damals war ich überengagiert“, blickt er zurück. Daraus habe er die Selbsthilfegruppe „Freundeskreis“ mitgegründet. 

Die Treffen hätten sich dann auf Dülmen konzentriert. „Es waren sehr engagierte Leute dabei, damals rund 15 Personen. Heute treffen sich 30 bis 40 Teilnehmer in zwei Gruppen, Angehörige nach Bedarf.“ Zu Beginn seien über 100 Klienten von zwei Vollzeitstellen betreut worden. Mittlerweile gebe es drei Vollzeitstellen für über 500 Betroffene. „Damals haben wir unsere Klienten auch oft zu Hause aufgesucht. Was wir früher zum Teil geleistet haben, wird heute vom Ambulant betreuten Wohnen übernommen. Im Kreis gibt es zurzeit etwa zehn Anbieter für das Ambulant betreute Wohnen für Abhängigkeits- und psychisch Erkrankte.“

Empfehlungen durch Kliniken und Hausärzte

Wichtig ist Ulrich Flasche, jeden einzelnen Fall zu betrachten, denn viele Motive würden eine Rolle spielen. „Was steckt für jeden Einzelnen dahinter? Welche Funktion hat das Suchtmittel für den Einzelnen? Es gibt auch Personen, denen es zu gut geht, die es noch besser haben wollen und sich dann durch den übermäßigen Suchtmittelkonsum selbst zerstören.“ Erstgespräche kämen unter anderem durch Empfehlungen von der Klinik am Schlossgarten, vom Gesundheitsamt oder von Hausärzten zustande. „Da der Druck bei den Betroffenen, etwas zu verändern, nur kurz ist, muss schnell ein Termin gegeben werden. Ohne Suchtmittel zu leben: Das können sich die Klienten nicht vorstellen.“ 

In den vergangenen Jahren sei viel geschafft worden. „Die Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern und Krankenhäusern wurde erheblich besser“, betont Ulrich Flasche. „Regelmäßig bieten AWO und Caritas in allen Krankenhäusern wechselnd Sprechstunden an, damit die Menschen zeitnah Hilfe bekommen können.“ Sein Rückblick auf fast vier Jahrzehnte Drogen- und Suchtarbeit: „Bis zum letzten Arbeitstag habe ich die Arbeit gerne gemacht. Wenn ich durch Dülmen gehe, kann ich das Lachen von vielen Menschen sehen, denen es vorher viel schlechter ging. Das Grundprinzip meiner Arbeit lautet: ‚Jeder Mensch verdient es, in seiner Einzigartigkeit erkannt zu werden. Ein gemeinsames Lachen schafft die Idee einer Zukunft.’ Wir waren und sind überzeugt, dass die Arbeit sinnvoll und für die Gesellschaft gut ist.“

Lioba Krüger-Rosenke wird im Februar Nachfolgerin 

Lioba Krüger-Rosenke (siehe auch Leute heute auf Seite 23) tritt die Nachfolge von Ulrich Flasche an. „Ich arbeite seit 2010 mit Herrn Flasche in einem Team zusammen. Die Einarbeitung in die Leitungstätigkeit findet seit circa einem halben Jahr statt“, erklärt sie. Ihr Aufgabengebiet ist sehr vielfältig: „Ich berate Konsumenten und Konsumentinnen von legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin und illegalen Substanzen wie beispielsweise Cannabis, Amphetaminen, Kokain, Ecstasy, Heroin und auch Menschen mit Verhaltenssüchten, zum Beispiel Glücksspiel, exzessive Mediennutzung oder Kaufsucht, sowie deren Angehörige. Außerdem bin ich FreD-Trainerin, wobei FreD für ‚Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten und -innen’ steht. In unserer Einrichtung führe ich auch noch verschiedene Kurse durch.“ Gesprächstermine gibt es bei ihr nach telefonischer Anmeldung unter der Nummer (02594) 910040, per Fax unter (02594) 910030 oder per E-Mail an l.krueger@awo-msl-re.de. Die Angebote der AWO sind aufawo-msl-re.de zu finden.

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