Zwei Jahre anonyme Spurensicherung nach Sexualdelikten

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Nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen – dagegen stellen sich Dr. Claudia Fischäß-Pfeiffer (von links) und Martina Meuter von den Christophorus-Kliniken sowie Corinna Brandenburger und Miriam Harosh-Pätsch vom Frauen e.V.

Kreis Coesfeld. Seit mittlerweile zwei Jahren besteht an den Christophorus-Kliniken die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung – und wird auch genutzt. 2018 ließen vier Vergewaltigungsopfer ihre Spuren anonym sichern, weitere sieben erstatteten hingegen sofort Anzeige.

In der Frauenklinik in Coesfeld wird bei der anonymen Spurensicherung die medizinische Erstversorgung durchgeführt. Die Asservate werden dann mit einer Chiffre versehen zehn Jahre lang in Düsseldorf verwahrt. Auf diese Weise können sich die Betroffenen in Ruhe überlegen, ob zu einem späteren Zeitpunkt eine Anzeige gegen den Täter erstattet werden soll oder nicht. Die bei der Untersuchung gesicherten Spuren können so noch als Beweismittel verwendet werden. Auch Jugendliche können sich hier untersuchen lassen. „Die Opfer sind nach einem sexuellen Übergriff traumatisiert und stehen unter Schock. Sie können oft nicht direkt entscheiden, ob sie eine Anzeige erstatten wollen“, erklärt Miriam Harosh-Pätsch, Traumafachberaterin beim Frauen e.V. „Durch die anonyme Spurensicherung bekommen sie ausreichend Zeit, um über ihre Entscheidung nachzudenken. Oft stammen die Täter aus dem familiären Umfeld. Eine Anzeige ist immer auch schwierig für die Opfer und zieht Folgen nach sich.“

Im Kreis Coesfeld wurde die Initiative, die landesweit läuft, durch den Frauen e.V. angeregt. Dass die Christophorus-Kliniken teilnehmen ist nicht selbstverständlich, da die Untersuchungen nicht finanziert werden. Möglich wird die Durchführung durch das Modellprojekt i-Gobsis, das noch bis August diesen Jahres läuft. „Wir hoffen, dass das Projekt um drei Jahre verlängert wird, aber auch ohne i-Gobsis werden wir weiter die anonyme Spurensicherung in Coesfeld durchführen“, teilt Martina Meuter von der Organisatorischen Bereichsleitung der Ambulanz-Frauenklinik mit.

Dr. Claudia Fischäß-Pfeiffer, Chefärztin der Frauenklinik, appelliert auch an die Vertrauenspersonen, die Opfer von sexueller Gewalt zu einer Untersuchung ermutigen und begleiten können: „Es ist ganz wichtig, dass die Betroffenen sich untersuchen lassen. Zwar ist eine zeitnaher Besuch im Krankenhaus am sinnvollsten, aber auch nach einigen Tagen können bei einer Untersuchung häufig noch wichtige Spuren genommen werden.“

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