Kolpingsfamilie Coesfeld-Zentral feiert bald das 150-jährige Bestehen

„Zusammenhalt ist groß“

Heinrich Wenzel, Hedwig Blome, Josef Koners.

Coesfeld. Die Intiative ging im Juli 1861 von vier Wandergesellen um den Seiler Anton Ortkamp aus.

Als diese Vier in besagtem Sommer einige Ausflügler des im Jahr zuvor gegründeten Dülmener Gesellenvereins in der Gastwirtschaft Blanke willkommen hießen, kam schnell der Gedanke auf, nach dem Vorbild von Adolph Kolping auch in Coesfeld einen Gesellenverein zu gründen. In Kaplan Sommer fanden sie einen ersten Präses – und binnen weniger Wochen wuchs die Gemeinschaft auf 43 Kolpingbegeisterte, die am 1. August 1861 die Säule für das Werk Kolpings in Coesfeld bildeten. Beim ersten Stiftungsfest im Oktober hatte der Gesellenverein schon 70 Mitglieder. Heute, eineinhalb Jahrhunderte später und nach der Umbenennung in „Kolpingsfamilie Coesfeld-Zentral“, sind es 310. Sie begehen im kommenden Mai ein großes Jubiläum: Dann wird das 150-jährige Bestehen mit einem Festwochenende gefeiert.

„Es ist schwierig, die

Jugend zu begeistern“

Seit 2008 ist Hedwig Blome die 1. Vorsitzende der Coesfelder Kolpingbrüder und -schwestern. Früher wäre das undenkbar gewesen. Erst seit 1970 werden auch weibliche Mitglieder aufgenommen, die erste Frau war vor 41 Jahren Margret Borgert. „Seit 22 Jahren war ich ja praktisch mit Kolping verheiratet, bevor ich Vorsitzende wurde“, schmunzelt Hedwig Blome, die 1995 von ihrem zweiten Ehemann Helmut zur Mitgliedschaft in der Kolpingsfamilie animiert wurde. Und es nie bereut hat. „Der Zusammenhalt ist auch noch heute noch sehr groß“, sagt die 76-Jährige, „auch wenn es immer schwieriger wird, die Jugend für Kolping zu begeistern.“

Mit Pressewart Heinrich Wenzel und Kassierer Josef Koners, zwei Kollegen aus dem aktuell zwölfköpfigen Vorstandsteam, weilte sie in der vergangenen Woche in der Streiflichter-Redaktion. Gemeinsam blickten die Drei zurück auf die vergangenen 150 Jahre – und wagten einen Ausblick.

Die vielen Angebote in Sportvereinen, die Netzwerke im Internet, dazu der Ganztag in den Schulen – „für uns als Kolpingsfamilie ist es da fast unmöglich, die jungen Leute hinterm Ofen wegzulocken“, sagt Heinrich Wenzel, selbst seit 32 Jahren Mitglied. Vielfach wahrgenommene Bildungsangebote gibt es aber auch heute, über die Kolping-Bildungsstätte.

Als Ort der Geselligkeit und des Miteinanders – und zwar für alle Generationen – versteht sich die Kolpingsfamilie getreu dem Leitmotiv Afdolph Kolpings weiterhin. Das Vorstandstrio zählt den Familienkreis, die Spielschar, die regelmäßigen Vortragsveranstaltungen, Halbtages-, Tages- und Besichtigungsfahrten auf. Berichtet von den Herdfeuerabenden, den monatlichen Klönnachmittagen im Kolpinghaus, vom jährlichen Maigang, von der Sommerreise (in diesem Jahr geht es vom 25. bis 31. Juli in die Lüneburger Heide, Anmeldungen nimmt Hediwg Blome unter Tel. 6582 entgegen) und von der Gruppe „Wir um 60“, die 14-täglich mittwochs aktiv und unterwegs ist, im Sommer auf dem Rad, im Winter bei Wanderungen zu Fuß.

„Geist von Kolping ist

immer wieder zu spüren“

Zudem gibt es feste Termine im Kolping-Kalender: das Josef-Schutzfest im Mai und den Kolping-Gedenktag im Dezember. Auch die Altpapier- und Altkleidersammlungen haben sich längst etabliert. „Der Geist von Kolping“ sei immer wieder zu spüren – „besonders natürlich beim Kolping-Gedenktag“, sagt Josef Koners.

Voll Vorfreude auf die Jubiläumsfeierlichkeiten sind sie alle im Vorstandsteam, ganz besonders aber Josef Koners. Der 73-Jährige ist seit 1956, also seit 55 Jahren Mitglied in der Kolpingsfamilie – und war bereits in den Jubiläumsjahren 1961 und 1986 als Kassierer tätig. Insgesamt 38 Jahre übt er diese Funktion (mit Unterbrechung) nun aus. „Legendär ist sein Ausruf ,Himmel die Berge‘, wenn er mal was zu poltern hat. Dann wissen alle: Der meint es ernst“, schmunzelt Hedwig Blome, versichert aber: „Wir verstehen uns alle prima! Und wir sind froh, dass Josef gut gespart hat, damit wir in diesem Jahr auch feiern können!“

Als Höhepunkt in seiner Zeit als Kolpinger nennt Koners den 30. Juli 1961, als im Rahmen der 100-Jahr-Feier auf dem Marktplatz eine Nachbildung des Coesfelder Kreuzes in Originalgröße für die Missionsstation Heilig Kreuz in Ilan auf Formosa (Taiwan) enthüllt, eingesegnet und an Pater Chang S.D.S. übergeben wurde. „Das war einzigartig.“

„Viele Ältere fühlen

sich bei uns wohl“

1986, zum 125-Jährigen, hatte die Kolpingsfamilie Coesfeld noch 388 Mitglieder – und war damit die größte im Diözesanverband. Dass es heute immer noch über 300 sind, liege am Zusammenhalt. „Die Fluktuation ist nicht groß“, sagt Heinrich Wenzel. „In diesem Jahr können wir drei Mitglieder für 65-jährige Kolping-Zugehörigkeit ehren. Vor zwei Jahren hatten wir mit dem nun verstorbenen Hermann Giepen sogar einen Geehrten, der 80 Jahre Mitglied war.“ Acht Jahrzehnte Kolping – für Wenzel war diese Ehrung eines Mitglieds das Highlight seiner bisher dreijährigen Zeit als Vorstandsmitglied. „Viele Ältere fühlen sich bei uns wohl. Dass das so bleibt, ist für die Zukunft unsere wichtigste Aufgabe“, sagt Wenzel. Wobei natürlich gerne auch Jüngere in der Kolpingsfamilie willkommen seien.

Großen Aufwand betreibt die Vorsitzende persönlich, um möglichst vielen Coesfeldern Kolping schmackhaft zu machen. Gemeinsam mit Begleitern besucht sie nicht nur Geburtstagskinder bei runden Ehrentagen ab dem 70. (ab dem 90. jährlich), sie unternimmt auch Besuche, um für Kolping zu werben. „Es macht mir Spaß. Und es ist schön, dass ich das noch machen kann. Ich habe Zeit, habe ein Auto, bin mobil“, sagt Hedwig Blome – und schmunzelt: „Dat löpp alles!“

Das Wichtigste ist und bleibt für das Vorstandsteam: „Wir werden weiterhin Aktionen anbieten, bei denen der Gemeinschaftssinn im Mittelpunkt steht!“

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