Wolfgang M. Müller erfuhr als Flüchtlingskind Leid – nun hilft er anderen

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Wolfgang M. Müller erlebte als Flüchtlingskind viel Leid. Heute ist er bei Amnesty International und im Flüchtlingsrat aktiv.

Dülmen. Schon als 7-Jähriger musste er bitterlich erfahren, was es heißt, ein Flüchtling zu sein – oft unerwünscht und grundlos abgelehnt: „Ich habe in meiner Kindheit manch Schlimmes erlebt: ‚Saupreußen’ – so nannten uns Einwohner und deren Kinder. Es gab aber auch die, die das Unglück dieser Zeit mit uns geteilt haben. Es waren wenige, aber es gab sie.“ Wolfgang M. Müller blickt zurück auf eine Zeit, die ihn stark geprägt hat und starke Impulse für sein jetziges Engagement zugunsten von Flüchtlingen und Benachteiligten setzte.

„Mit meiner Mutter bin ich im Jahr 1945 aus Schlesien mit einem der letzten Lazarettzüge zunächst nach Dresden gekommen und wir haben dort die Bombenangriffe überlebt. Von da aus sind wir weiter geflüchtet und haben in Niederbayern ein Dorf in der Nähe von Passau erreicht. Hier haben die Bewohner uns Flüchtlinge oft eher ablehnend bis feindselig aufgenommen. Der Schulbesuch im Nachbarort ist für mich oft zum Spießrutenlauf geworden“, berichtet Müller. Häufig sei der Unterricht in der Schule mit Schlägen durch einheimische Kinder verbunden gewesen, wobei der Lehrer vielfach unbeteiligt zusah. Den Heranwachsenden prägten alle diese zahlreichen Negativerlebnisse: Gewalt, Intoleranz, Feindseligkeit und Ungerechtigkeit sind Wolfgang M. Müller bis heute ein Gräuel.

1948 zog die Familie Müller dann nach Bielefeld, 1950 weiter nach Köln. Anschließend besuchte Müller, der heute 80 Jahre alt ist, die Handelsschule, machte eine Ausbildung zum Physiklaboranten und nahm ein Studium zum Wirtschaftsorganisator (DAA) auf. „Dann war ich von der Forschung über die Organisation von Betriebsabläufen und Konzernteilen bis zur Umorganisation und dem Management von Organisationen und Verbänden in verschiedenen Branchen tätig“, erklärt er. Als Geschäftsführer baute er damals unter anderem einen Freizeitpark in Duisburg auf.

Die beruflichen Erfahrungen im Bereich der Kernforschung (in der Kernforschungsanlage Jülich) Anfang der 1960er Jahre veranlassten Wolfgang M. Müller zu einer Zäsur in seiner beruflichen Tätigkeit: Er wechselte als Geschäftsführer der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in den Bereich der Menschenrechts- und der Bildungsarbeit.

Ab 1984 widmete sich Wolfgang M. Müller gemeinsam mit seiner im Jahr 2016 verstorbenen Frau Margret ganz der Arbeit für Flüchtlinge und der Menschenrechtsarbeit bei Amnesty International (AI). „Von 1995 bis 2001 war ich zudem hauptamtlicher Geschäftsführer des Flüchtlingsrates NRW“.

Neben seiner Berufstätigkeit setzte Müller sich schon vor 45 Jahren verstärkt für Flüchtlinge ein und war seitdem unentwegt für diese helfend im Einsatz – teilweise mit Nachtschichten und bis zu 1 000 Informations- und Beratungsgesprächen im Jahr. Für sein Engagement erhielt der Gründer und Geschäftsführer des Flüchtlingsrats im Kreis Coesfeld (FRC) am 10. Januar 2013 im Beisein von Dülmens Bürgermeisterin Lisa Stremlau in einer Feierstunde in Münster vom Regierungspräsidenten Prof. Dr. Reinhard Klenke das Bundesverdienstkreuz verliehen. Am Abend nach der Ehrung schloss sich in Dülmen ein Empfang in der Alten Sparkasse an, zu dem der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen eingeladen hatte. Glückwünsche überbrachten unter anderem die Grünen-Landesvorsitzende Monika Düker und rund 80 Vertreter aus Parteien, Kultur, Gesellschaft und Kirche, so beispielsweise der frühere evangelische Pfarrer Klaus Hüls. „Den Preis gebe ich an andere weiter. Die Arbeit ist ohne viele helfende Hände und auch besonders ohne meine Frau nicht möglich“, erklärte Wolfgang M. Müller damals. Vor zweieinhalb Jahren verstarb Müllers Ehefrau, die Hauptakteurin bei Amnesty International, mit der er bei AI zusammenarbeitete. Auch weiterhin setzt sich der agile 80-Jährige verstärkt für Amnesty und „seinen“ FRC sowie die Flüchtlingshilfe ein. Und auch heute noch ist sein großes Engagement ungebrochen.

Die neueste Entwicklung im Umgang mit Flüchtlingen vor allem auf europäischer Ebene macht Müller derzeit große Sorgen. „Es sieht so aus, als ob unsere Bürgerrechte und die Rechte Schutzsuchender geschleift werden sollen“, sagt er. Als „Schande“ empfindet es Müller, dass nichts unternommen wird, wenn Menschen im Mittelmeer auf der See ertrinken. „Europa muss da schnellstens handeln“, fordert er.

Doch die Helferzahl ist bescheiden, und insbesondere für seine umfangreiche Arbeit bei Amnesty International wünscht er sich noch weitere Unterstützer, und natürlich sind ihm auch für die allgemeine Flüchtlingsarbeit Ehrenamtliche stets willkommen.

Interessierte erhalten von ihm nähere Infos unter der Telefonnummer (02594) 82230 oder auch per E-Mail: frc@fluechtlingsrat.org.

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