„Das Wichtigste ist der Spaß an der Sprache“: Eman Khalaf leitet den Arabischkurs an der VHS

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Das Unterrichten an der VHS macht Eman Khalaf Spaß: „Vor allem, weil die Teilnehmer so viel Motivation mitbringen.“

Coesfeld. Wenn Eman Khalaf schreibt, sieht es fast so aus, als würde sie malen: Die verschnörkelten arabischen Buchstaben bewundern die Teilnehmer des Arabisch-Sprachkurses der VHS Coesfeld regelmäßig. „Die andersartige Schrift fasziniert die Gruppe immer wieder“, schmunzelt die Sprachkursleiterin. „Damit es allerdings nicht zu schwierig wird, konzentrieren wir uns im Kurs vor allem auf die Kommunikation, sodass die Gruppe auch wirklich dazu kommt, Arabisch zu sprechen.“ Seit 2018 leitet die Syrerin den Arabischkurs – zunächst war nur ein Schnupperkurs geplant, doch dank der positiven Resonanz läuft der Kurs nun immer noch weiter.

„Es ist toll, mit wie viel Motivation die Teilnehmer an das Arabisch herangehen. Sie haben richtig Lust die Sprache zu lernen und das ist ganz entscheidend“, lobt Eman Khalaf ihren Kurs. Nachdem der Schnupperkurs beendet war, wollten die Arabisch-Schüler noch mehr von der Sprache lernen. Kurzerhand wandten sie sich an die Teilnehmer an ihre Sprachlehrerin und baten um eine Verlängerung des Angebots. Die VHS war einverstanden und jetzt taucht Khalaf zusammen mit ihren Schülern seit Anfang Februar noch mehr in die Sprache ein. Die Motivation Arabisch zu lernen sei dabei ganz unterschiedlich. „Manche brauchen das Arabisch beruflich, andere wollen die Kommunikation mit Flüchtlingen erleichtern oder ihre Sprachkenntnisse für den Ägyptenurlaub verbessern“, so die Kursleiterin.

Einen Arabischsprachkurs gab es an der VHS Coesfeld zuvor nicht. In Kontakt traten beide Seiten durch die Deutschsprachkurse, die Eman Khalaf seit 2016 an der VHS besucht. „Ich wurde dann angesprochen, ob ich mir vorstellen kann, einen Schnupperkurs zu geben“, berichtet die 24-Jährige. Eine Tätigkeit, die ihr gut gefällt. Vor allem, da sie selbst weiß, wie es ist eine völlig fremde Sprache zu erlernen. „Der Vorteil in dem Arabisch-Kurs ist, dass ich die Sprache auf Deutsch erklären kann. Das ist in den Deutschkursen für die Arabischsprechenden manchmal nicht so einfach“, erklärt die Syrerin.

Aufgewachsen in Damaskus in Syrien, kam Eman Khalaf zusammen mit ihren Eltern 2015 nach Deutschland und fing an die Sprache zu lernen. Mittlerweile spricht sie fließend Deutsch. Ein bisschen Sprachtalent gehört sicherlich auch dazu, denn schon in Damaskus studierte Eman Khalaf englische Literatur. „Das hat mir den Start in Deutschland natürlich erleichtert. Immerhin kannte ich schon die Buchstaben“, erzählt die 24-Jährige.

Neben der kulturellen Umstellung, war für die Syrerin nachdem sie Anfang 2016 nach Coesfeld zog war vor allem der Wechsel vom Stadt- zum Landleben groß. „Die Umstellung von der Großstadt Damaskus zum Landleben in Coesfeld war zunächst ungewohnt. Hier ist das Leben ruhiger und es gibt mehr Natur“, berichtet Khalaf.

Momentan macht die 24-Jährige eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement bei MedSkin Solutions Dr. Suwelack. Durch einen Termin zur Studienberatung bei dem Regionalzentrum Coesfeld der FernUni Hagen lernte sie Horst Dichanz, Professor an der Fern-Uni-Hagen, kennen. „Er hat mir sowohl bei meinen Deutschkenntnissen geholfen als auch dabei Kontakt zu MedSkin Solutions Dr. Suwelack herzustellen. Mit seiner Hilfe machte Khalaf zunächst ein Praktikum im Unternehmen. Anschließend bekam sie direkt das Angebot einer Lehrstelle

Bei ihrer Ausbildung hat Eman Khalaf im mittlerweile zweiten Lehrjahr schon einige Abteilungen kennengelernt: „Mir gefällt besonders die ‚Costumer Excellence’, da ich den Kontakt zu den Kunden dabei mag“. Und auch ihr Wissen aus dem Studium in Damaskus kann sie hin und wieder bei ihrer Arbeit miteinbringen. „Manchmal gibt es internationale Kundengespräche, dann freue ich mich auch einmal wieder Englisch sprechen zu können“, so die Coesfelderin.

Und auch ihre Deutschkenntnisse entwickelt sich durch ihre Arbeit und die Sprachkurse immer weiter. Doch immer noch finden sich so manche Tücken in der Sprache. „Im Arabischen gibt es nur einen Artikel, hier sind es drei. Das ist immer noch kompliziert“, erklärt die 24-Jährige. Auch die Aussprache sorgt gelegentlich noch für Hürden: „Das ‚ch’ ist für mich schwierig auszusprechen.“ Umgekehrt geht es den Teilnehmern des Arabisch-Sprachkurs aber genauso. „Die Gruppe hat immer wieder Schwierigkeiten manche Laute auszusprechen, dann nenne ich ihnen eine vereinfachte Aussprache.“

Im Vordergrund steht vor allem die Kommunikation in alltäglichen Situationen. Nachdem im Schnupperkurs etwa Begrüßungen erlernt wurden, stehen jetzt Themen wie Körperteile oder Uhrzeiten auf dem Programm. Und wenn dabei die Grammatik oder Aussprache nicht direkt perfekt ist? Nicht schlimm, findet Eman Khalaf: „Das Wichtigste ist der Spaß an der Sprache.“

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