Pater Hans-Michael Hürter kennt viele Gemeindestrukturen. Arbeit in Ruanda und Marseille

Weltkirchlicher Horizont öffnet Chancen für Kirchenformen

Pater Hans-Michael Hürter mit einer Gruppe ghanischer Studenten in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Coesfeld. Überall auf der Welt gibt es Christen. Doch überall auf der Welt sind sie anders organisiert, pflegen andere Formen des Austausches, des Betens und des Glaubens.

Pater Hans-Michael Hürter hat in seinem Leben verschiedene Gemeindestrukturen kennengelernt. „Es ist spannend, zu erleben, wie viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede es bezüglich der Struktur christlicher und auch anderer Gemeinden gibt“, sagt der gebürtige Coesfelder, der 1989 in der St.-Lamberti-Kirche durch Weihbischof Josef Voß zum Priester geweiht wurde.

Der Lebenslauf von Pater Hans-Michael Hürter lässt erahnen, wie vielen (Glaubens-)Erfahrungen er gemacht hat: Nach dem Abitur am Coesfelder Pius-Gymnasium verließ Pater Hans-Michael Hürter die Kreisstadt, um zunächst zwei Jahre lang in Trier Theologie zu studieren. Dann ging er für ein Jahr in die Schweiz ins Noviziat. Es folgte ein zwei-jähriges Praktikum in Ruanda, „um in einer Gemeinde zu arbeiten sowie Land und Leute kennen zu lernen.“ Anschließend studierte Pater Hans-Michael Hürter drei Jahre Theologie in Toulouse, war danach bis 1993 Priester in Ruanda. Auf Grund der in dem afrikanischen Staat herrschenden politischen Umstände zog es ihn zurück nach Deutschland.

„Möchte Erfahrungen

im Bistum einbringen“

Drei Jahre war der gebürtige Coesfelder Kaplan in Köln, dann ging er für sechs Jahre in die französische Stadt Marseille, um dort als Pfarrer tätig zu sein. Seit 2004 arbeitet er im Referat Weltkirche des Bischöflichen Generalvikarat Münster sowie als Pfarrer in der Gemeinde Niels Stensen in Ladbergen.

„Meine vielen Erfahrungen, die ich mit der Weltkirche gemacht habe, möchte ich jetzt im Bistum Münster einbringen. Ich möchte den Menschen vermitteln, dass sie Teil einer großen Kirche – der Weltkirche – sind“, erzählt Pater Hans-Michael Hürter. „Heute existiert eine ganz neue Art von Kirche. Die Volkskirche ist an ein Ende gekommen. Jeder Mensch entscheidet heute selbst an wen beziehungsweise an was er wie glaubt. Und diese neue Form der Kirche ist eine neue Möglichkeit, Nähe zwischen den Menschen zu schaffen. Ich erlebe die Weltkirche als eine Art Lerngemeinschaft – die Menschen können von einander lernen, wie man in einer großen Gemeinschaft leben und glauben kann.“

Zu diesen Einschätzungen gelangte Pater Hans-Michael Hürter vor allem durch seine Aufenthalte in Ruanda und Marseille. In dem afrikanischen Staat Ruanda war er in einer Pfarrei tätig, die flächenmäßig etwas größer als die Stadt Münster ist und der rund 40 000 Katholiken angehören. Lediglich drei Priester, zwei ruandische Schwestern sowie drei hauptamtliche Katecheten arbeiten dort. „Für so viele Leute waren das viel zu wenige“, so Pater Hans-Michael Hürter.

In Ruanda Menschen für

Leitungsaufgaben geschult

„Deshalb war es unser Ziel, Multiplikatoren zu schulen – also Menschen zu unterrichten, damit sie Leitungsaufgaben in den insgesamt 50 einzelnen Hügelgemeinschaften zu übernehmen.“ Beeindruckt hat den Pater an Ruanda besonders die Gelassenheit der Einheimischen. Trotz extremer Verhältnisse – sowohl in poltischer und wirtschaftlicher als auch klimatischer Hinsicht – würde die dort lebenden Menschen ein „innerer Frieden, eine gesunde Gleichhaltung des Gleichmuts“ auszeichnen.

In Marseille erlebte Pater Hans-Michael Hürter wiederum ganz andere Gemeindestrukturen. Als Pfarrer einer Gemeinde in einem sozialen Brennpunkt hatte er drei Hauptaufgaben: Die Förderung des christlich-islamischen Dialogs, die Arbeit mit Migranten sowie die üblichen Tätigkeiten in einer Pfarrei. „Ich war eigentlich Ansprechpartner für alle“, erzählt Pater Hans-Michael Hürter. Das einzigartige sei die enorme Isolierung der einzelnen Glaubensgemeinschaften gewesen: „Das waren alles Hochhaussiedlungen, in denen Menschen aus der ganzen Welt lebten – und zwar ohne von dem anderen nebenan zu wissen.“

Ziel von Pater Hans-Michael Hürter und seinen Kollegen war es, die Menschen miteinander bekannt zu machen, sie zu vernetzen und den Austausch zu fördern. „Zum Teil waren in den Gottesdiensten am Sonntag Menschen aus 26 Nationen mit ihren jeweiligen Kulturen. Die Frage, die sich uns stellte war: Wie integriere ich Christen aus aller Welt?“

Gerade diese Arbeit weckte in Pater Hans-Michael Hürter das Interesse für die Weltkirche: „Man muss auch mal über den eigenen Kirchturm hinaus schauen. Klar, man braucht seine Wurzeln, aber man muss sich auch öffnen für Neues, für Anderes. Wir sind alle Teil von Weltkirche.“ Und genau mit dieser Überzeugung ist er heute im Referat Weltkirche des Bischöflichen Generalvikarat Münster tätig.

„Kirche zwischen Abbruch,

Umbruch und Aufbruch“

In erster Linie plant er verschiedene Veranstaltungen – eines seiner größeren Projekte in der nächsten Zeit ist die Organisation des Eine-Welt-Gruppen-Treffens im Kreisdekanat Coesfeld am 24. September (siehe Seite 4) – und ist Mitglied im Arbeitskreis der Diözesanpartnerschaft mit Ghana, dort für die Fortführung und Intensivierung der Partnerschaft zuständig. Auch bei seiner Arbeit als Pfarrer rückt er die Weltkirche in den Mittepunkt und versucht, den Austausch von Menschen und Gemeinden zu fördern. „Kirche heute befindet sich zwischen Abbruch, Umbruch und Aufbruch. Wir sollten unseren Blick auf einen weltkirchlichen Horizont weiten, denn er birgt die Chance auf eine ganz neue Sichtweise.“

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