Förder- und Kooperationspartner vom Berufsnavigator zogen „Zwischenfazit“

Die Weichen für die Berufswahl richtig stellen

In der vergangenen Woche trafen sich Förder- und Kooperationspartner vom Berufsnavigator zu einem „Zwischenfazit“. Gleichzeitig wurden die Schülerinnen und Schüler der Q1 vom Gymnasium Nepomucenum von Beratern in der Berufswahl bestärkt. [aK]Foto: André Sommer[eK]

Coesfeld. „Was will ich eigentlich werden, wenn ich mit der Schule fertig bin?

“ Wo Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit häufig ziel- und ratlos ins Ungewisse geschlendert sind, sorgte seit 2007 im Kreis Coesfeld das Förderprojekt Berufsnavigator für Licht im Dunkeln. „Sorgte“ – denn in der Vorwoche fand der vermutlich letzte Navigator statt – zumindest in der bisherigen Form.

Der Grund für das Ende des erfolgreichen Projektes – insgesamt wurden im Kreis Coesfeld fast 13000 Schülerinnen und Schüler beraten – ist der Beschluss der Landesregierung, die Berufsorientierung landesweit zu vereinheitlichen. Ob, und wenn ja, in welcher Form der Berufsnavigator in das neue System „Kein Abschluss ohne Anschluss“ integriert werden kann, ist bisher noch völlig offen. Dennoch gab es durchaus optimistische Stimmen bei einem „Zwischenfazit“ am vergangenen Mittwoch im Gymnasium Nepomuceum, an dem die Förder- und Kooperationspartner, also Vertreter vom Kreis Coesfeld, von der Arbeitsagentur, von den Volksbanken und von den Rotary Clubs aus dem Kreis Coesfeld, teilnahmen.

„Zufrieden, was wir

auf die Beine gestellt haben“

Jochen Theisen vom Rotary Club Coesfeld-Baumberge und Projektkoordinator des Berufsnavigators blickte vor allem mit Stolz und Dankbarkeit auf die Entwicklung des Berufsfindungsprojektes: „Wir können wirklich sehr zufrieden sein, was wir in den vergangenen sieben Jahren auf die Beine gestellt haben. Es war eine mehr als sinnvolle Investition in die Zukunft unserer Jugend und diente anderen Kreisen und Gemeinden als Beispiel.“ Auch verdeutlichte er noch einmal die Wichtigkeit, jungen Menschen frühzeitig eine Perspektive zu geben: „Jeder zweite Schüler hatte ein Jahr vor der Schulentlassung keine Vorstellung zum späteren Beruf. Das führte unter anderem dazu, dass 2011 fast jeder vierte Auszubildende seine Lehre und jeder vierte Studierende sein Studium abbrach. Das zeigt deutlich, dass unsere Arbeit wichtig ist und wir im Auge behalten müssen, dass das Nachfolgeprojekt kein zu großer Rückschritt für unseren Kreis wird.“

Auch für den Projektträger Landrat Konrad Püning ist die Hilfestellung, die der Berufsnavigator den Schülern bietet, nicht wegzudenken: „Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel können wir nicht einfach wegschauen, wenn 25 Prozent der jungen Leute ihre Ausbildung abbrechen. Der Berufsnavigator im Kreis Coesfeld, mit Jochen Theisen als Motor, ist eine Erfolgsgeschichte. Diese wird mit ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ nicht enden, wir müssen nur aufpassen, dass bei dem neuen Projekt keine Lücken auftreten, die wir mit dem Navigator bereits geschlossen haben.“

Barbara Ossyra, die Leiterin der Agentur für Arbeit Coesfeld, hegt die Hoffnung, dass das Nachfolgeprojekt eine Ergänzung zum bestehenden System darstellen könnte: „Neben der Potenzialanalyse, die der Berufsnavigator bietet, wird bei ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ das Kennenlernen des Berufsfeldes eine Rolle spielen. Ich denke, dass wird eine sehr gute Kombination darstellen, auf die die Beratung der Arbeitsagentur aufbauen kann.“

Dirk Spanderen, Sprecher der Volksbanken im Kreis Coesfeld, hofft vor allem, dass auch künftige Projekte auf einem ähnlich hohen Niveau vernetzt sind: „Motivierte Auszubildende sind elementar wichtig für die Region. Die fast 13 000 zufriedenen Beteiligten haben gezeigt, dass es eine gute Entscheidung war, das Projekt zu unterstützen.“

Schüler des Nepomucenum

begeistert vom Navigator

Während die Förder- und Kooperationspartner ihr „Zwischenfazit“ zogen, nahmen die Schülerinnen und Schüler der Q1 im Nepomucenum am Berufsnavigator teil. Dabei zeigte sich, wie in den Vorjahren, dass ein Großteil der Teilnehmer entweder in der Berufswahl bestätigt wurde oder einen großen Schritt bei der Entscheidungsbildung gemacht hat. Für Schülerin Kim Looks war es vor allem interessant, von den Mitschülern beurteilt zu werden: „Es ist wirklich hilfreich, wenn einem die eigenen Freunde sagen, wo sie meine Stärken und Schwächen sehen. Mich hat der Berufsnavigator darin bekräftigt, bei der Bundeswehr zu studieren.“ Ihre Mitschülerin Kathrin Terhechte hat durch die anschließende Beratung plötzlich einen ganz neuen Beruf in den Blick gefasst: „Ich möchte nun Veranstaltungskauffrau werden. Ich hatte gar keine Ahnung, wie vielseitig der Job ist!“ Für Lotte Braakhuis war vor allem interessant, dass sie auch nach einem abgeschlossenen Studium noch bei der Polizei einsteigen kann: „Das eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten!“

An diesem Donnerstag, 15. Mai haben die Schülerinnen und Schüler nun die Möglichkeit, sich bei einem Tag der offenen Tür im Berufsinformationszentrum weitere Informationen zu ihren Wunschberufen zu besorgen.

Hintergrund:

Baustein zur Berufswahl

Der Berufsnavigator ist ein computergestütztes Verfahren, bei dem die Stärken der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler ermittelt und passende Berufe herausgefiltert werden. Dafür bewerten sich vier Schüler, die sich kennen, anonym, selbst und gegenseitig. Im Anschluss finden Beratungsgespräche mit einem Berufsberater statt, bei denen aus Testergebnissen, Interessen und Schulleistungen Berufsempfehlungen erarbeitet werden. Erstmals fand das von der Hamburger Berufsnavigator GmbH entwickelte Verfahren im Schuljahr 2007/2008 im Kreis Coesfeld statt.

Kein Abschluss ohne Anschluss

Der Grund für das Ende des Berufsnavigator-Projektes in seiner bisherigen Form, ist der Beschluss der NRW-Landesregierung von 2011, als erstes Flächenland ein landesweit einheitliches und effizient gestaltetes Übergangssystem zur Berufsfindung einzuführen. Es nimmt alle Schülerinnen und Schüler in den Blick und ermöglicht ihnen laut der Landesregierung einen guten, zielgerichteten Start in Ausbildung oder Studium. Das neue Übergangssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ unterstützt die Schülerinnen und Schüler frühzeitig bei der Berufs- und Studienorientierung, der Berufswahl und beim Eintritt in Ausbildung oder Studium. Ziel ist es, allen jungen Menschen nach der Schule möglichst rasch eine Perspektive für Berufsausbildung oder Studium zu eröffnen und durch ein effektives, kommunal koordiniertes Gesamtsystem unnötige Warteschleifen zu vermeiden. Die Partner im Ausbildungskonsens NRW, das sind die Landesregierung, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialpartner sowie die Kammern und Kommunen, haben sich 2011 auf das Gesamtkonzept für einen systematischen Übergang von der Schule in den Beruf verständigt und die gemeinsame Umsetzung vereinbart.​

SL-Ausgabe vom 14.5.2014

Von André Sommer

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