Wagner-Doppelausstellung in Glasmuseum und Kunstverein

Ein Wechselspiel der Materialien

Coesfeld. „Als erstes sticht der Reiz des sorgfältig bearbeiteten Materials ins Auge und das Wechselspiel der Materialien mit ihren gegensätzlichen Wirkweisen – warm und kalt, kompakt und durchscheinend, leicht und schwer, naturhaft belassen und exakt geformt.

Das Arbeiten in Gegensätzen ist von jeher ein Charakteristikum im Schaffen des Künstlers Günter Wagner“, urteilt die Kunsthistorikerin Dr. Martina Wehlte. „Sowohl bei seinen Wandobjekten als auch bei den Bodenarbeiten – Installationen macht er sich den Raum als anschauliche und geistige Projektionsfläche zu eigen, durchdringt Raumschichten und kalkuliert die gestalterische Kraft des Lichts mit ein.“ Wagners Werke werden in Coesfeld ab diesem Wochenende gleich in zwei Kunsteinrichtungen gezeigt: Vom 21. Juni bis 30. August zeigt der Kunstverein Münsterland in seinen Räumlichkeiten am Jakobiwall 1 die Ausstellung „Günter Wagner: transparente Leichtigkeit und bewegte Schwere“. Parallel dazu ist vom 20. Juni bis 30. August im Glasmuseum Alter Hof Herding die Ausstellung „Günter Wagner: virtuelle Leichtigkeit – lastende Schwere“ zu sehen.

Kunstverein und Glasmuseum kooperieren diesmal, „um der Öffentlichkeit eine umfassende Werkübersicht Günter Wagners vorzustellen“, erläutert Jutta Meyer zu Riemsloh. „Im Kunstverein Münsterland erwarten die Besucher Arbeiten in Stahl. Zeitgleich, präsentiert das Glasmuseum Wagners Werk in Hinblick auf die Gestaltung mit Glas.“

Günter Wagner, 1955 in Karlsruhe geboren, lebt seit vielen Jahren in Bruchsal. Er studierte zunächst Grafik und Malerei in Marburg, um dann ein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe anzuschließen. 1988 erhielt er ein Projektstipendium des Bonner Kunstfonds für Bildhauerei in Italien. Seine Arbeiten werden mit großem Erfolg in ganz Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien und in der Schweiz ausgestellt. Erst in diesem Jahr wurde er mit dem Kunstpreis der Museumsgesellschaft Ettlingen ausgezeichnet.

Günter Wagner ist Bildhauer – das Glas ist für ihn ein künstlerischer Bedeutungsträger. Seine Werke sind eine Komposition aus unterschiedlichen, präzise bearbeiteten Materialien. Patiniertes Gusseisen, Stahl und Blei gehen konzeptuell mit Glas- oder Spiegelelementen eine Verbindung mit dem Licht und dem umgebenden Raum ein. Meist schafft Wagner geometrische Formen, die virtuos in ihrer unterschiedlichen Materialität ihre gegensätzlichen Wirkweisen transportieren. Leichtigkeit und Schwere, Lichtdurchlässigkeit und Kompaktheit vereinen sich zu einem äußerst ästhetischen Wechselspiel. Gemeinsam bauen sie Spannung und Entspannung auf, die ihrerseits in eine geradezu meditative Kraft münden. 

In Günter Wagners Objekten, Wandarbeiten und Installationen kann Glas in einer ungewohnten Dimension erlebt werden. Wenn er fragiles Glas mit massivem Metall verbindet, verkehrt sich die Wahrnehmung des Betrachters – denn beide Materialien können mal den Part des ruhenden, lastenden oder den des bewegten, leichten Momentes einnehmen. Die beiden Elemente Leichtigkeit und Schwere scheinen dabei mühelos ineinander überzugehen. Aus dieser Bipolarität beziehen seine Werke ihre innere Spannung und Anziehungskraft.

GLASMUSEUM:

Ausstellung: „Günter Wagner: virtuelle Leichtigkeit – lastende Schwere“ – zu sehen vom 20. Juni bis 30. August. – Eröffnung: Samstag, 20. Juni, 15 Uhr. – Öffnungszeiten: mittwochs und samstags 14 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr.

KUNSTVEREIN:

Ausstellung: „Günter Wagner: transparente Leichtigkeit und bewegte Schwere“ – zu sehen vom 21. Juni bis 30. August. – Eröffnung: Sonntag, 15 Uhr. – Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 13 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr.

SL-Ausgabe vom 17.6.2015

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