Vorbild Inklusion – LWL vergibt Sonderpreis an Hof Bertelsbeck

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Betriebsleiterin Silke Witte (links) ebnete Tobias Koddebusch den Weg zum landwirtschaftlichen Helfer.

Coesfeld. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat seinen Sonderpreis „Vorbild Inklusion“ an den landwirtschaftlichen Betrieb Bertelsbeck in Coesfeld vergeben, der seit Sommer 2017 einen jungen Mann mit Down-Syndrom beschäftigt. Der LWL zeichnet mit dieser Ehrung Betriebe aus Westfalen-Lippe aus, die sich ganz besonders für die Inklusion von Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt engagieren. Das Gewinner-Unternehmen wird zudem mit 5000 Euro belohnt.

Seit gut zwei Jahren kümmert sich Tobias Koddebusch zusammen mit zwei Kollegen um die rund 550 Tiere, die auf dem Hof der Bertelsbeck GbR in Coesfeld leben. Mit der Arbeitsstelle hat sich der größte Traum des jungen Mannes, der das Down-Syndrom hat, erfüllt. Er wollte schon als Junge Landwirt werden, denn seine Eltern führen selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb in Lüdinghausen. Wegen seiner Behinderung war es für den 19-Jährigen aber trotzdem nicht selbstverständlich, dass er seinen Traumberuf auch tatsächlich ergreifen konnte. Nachdem er die Hauptschule abgeschlossen hatte, stand er vor der Frage, ob er eine Stelle in einem Inklusionsbetrieb finden würde. „Ich bin dann hier gelandet“, sagt er strahlend. „Und hier bin ich sehr glücklich.“

Den Weg in diesen Beruf ebnete ihm zu einem großen Teil Betriebsleiterin Silke Witte. Gemeinsam mit ihren Arbeitgebern Alois Homann und Bernhard Langehaneberg machte sie aus der Bertelsbeck GbR ein inklusives Unternehmen. Als 2016 ein Kollege in den Ruhestand ging, wurde eine Stelle frei. Die Betriebsleiterin nutzte die Gelegenheit und wandte sich an Mechthild Schickhoff, die Inklusionsberaterin der Landwirtschaftskammer NRW. Sie stellte den Kontakt zu Tobias Koddebusch her, der zunächst ein Jahrespraktikum im Betrieb machte. Heute ist er als landwirtschaftlicher Helfer fest beim Hof angestellt.

Vier Tage pro Woche hilft Koddebusch im Stall mit. Eine seiner Hauptaufgaben ist es, die Ferkel zu versorgen. „Am Anfang war das merkwürdig, ich musste viel Neues lernen und behalten“, so der Lüdinghausener. Witte und ihr Kollege Markus Schwaag begleiteten Tobias Koddebusch und unterstützen ihn auch heute noch bei den Aufgaben. „Ich muss damit umgehen können, dass manches etwas länger dauert oder öfter wiederholt werden muss“, sagt Witte. „Aber das geht gut. Für uns und unser Team ist die Zusammenarbeit eine Bereicherung, und wir haben dabei immer viel Spaß miteinander.“

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