Einsatzgruppe Naturschutz

Verlässlicher Partner für Natur und Umwelt

+
Einsatzgruppe Naturschutz mit Vertreterinnen des Naturschutzzentrums und des IBP im Naturschutzgebiet Laubfroschweiher in der Darfelder Bauerschaft Höpingen: (von links) Alexander Breitkopf, Karsten Gorille, Corinna Becke (Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V.), Dirk Broek, Carolin Burkert (IBP), Mike Wissing und Ulrike Feldkötter-Muschner (IBP).

Kreis Coesfeld. Strahlender Sonnenschein, Stille, Grün, und da stehen sie, die Jungs der Einsatzgruppe Naturschutz – pardon, die gestandenen Männer – mitten im Naturschutzgebiet Laubfroschweiher in der Darfelder Bauerschaft Höpingen. Stehen ist nicht das passende Wort. Denn Dirk Broek, einer aus der Truppe, setzt gerade einen Robinienpfahl in die Erde. Er ist Teil einer Schranke, die verhindern soll, dass Unbefugte mit Fahrzeugen in das Naturschutzgebiet fahren. Unterstützt wird er von Alexander Breitkopf, dem Mitarbeiter des Naturschutzzentrums und fachlichen Leiter der Einsatzgruppe.

Mitten auf der Fläche kämpfen Karsten Gorille und Mike Wissing akribisch mit dem Unkrautausstecher gegen den breitblättrigen Ampfer. Zig Schubkarren werden sie dort Ende des Tages von dem ungeliebten Platzräuber mit seiner langen Pfahlwurzel herausgeschleppt haben. Es ist keine ungewöhnliche Arbeit die gemacht wird, um zu verhindern, dass die ursprüngliche Vegetation verdrängt wird. Außergewöhnlich sind die Menschen, die sie machen: Dirk Broek, ein trockener Alkoholiker, Mike Wissing, ein Mensch, dem seine Fehlkalkulation, zum Verhängnis wurde, und Karsten Gorille, der mit seinen fast 60 Jahren in einer beruflichen Bildungsmaßnahme steckt. Broek und Wissing sind Klienten des Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V. (IBP).

Seit März vergangenen Jahres sind die drei Männer mit ihrem fachlichen Leiter in den verschiedenen Naturschutzgebieten in Billerbeck, Coesfeld, Havixbeck, Nottuln und Rosendahl unterwegs. „Über 100 Schutzgebiete gibt es im gesamten Kreis Coesfeld“, informiert Corinna Becke vom Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e.V. auf Anfrage der Streiflichter. Dementsprechend hatte die Einsatzgruppe schon eine Menge Einsätze. „Der Trupp ist echt Spitze“, findet Breitkopf. Dabei geht es nicht nur darum, die Jungs zu beschäftigen, sondern vor allem ihnen einen strukturierten Tagesablauf zu ermöglichen. Was dabei auch Ulrike Feldkötter-Muschner vom IBP insbesondere ins Auge gefallen ist: „Sie können unglaubliche Dinge.“

Pausen werden übrigens, soweit es möglich ist, pünktlich eingelegt. „Unsere Klienten brauchen feste Strukturen“, betont Carolin Burkert, die Bereichsleitung Ambulantes Wohnen des IBP e.V. Doch manchmal muss eine Sache erledigt werden – zur Freude von Dirk Broek. Denn der gelernte Maurer muss immer etwas machen. Trotz seiner Alkoholsucht arbeitete er in seinem Beruf. Zuverlässig ist er, der unter dem Dach des Alten Hofes Schoppmann lebt, bis heute. „Ich bin damals von mir aus losgegangen, um Hilfe zu finden“, sagt Broek. Der 64-Jährige lebte früher mit seiner inzwischen verstorbenen Frau und seinen fünf Kindern in Ascheberg. Der Kontakt zu ihnen möchte er langsam wieder aufbauen – eine Herzensangelegenheit. „Ein sehr emotional belastetes Thema“, so Carolin Burkert vom IBP. Behutsam werden die Beziehungen wieder aufgebaut, denn der Schutz vor dem Rückfall steht im Vordergrund. Broek nutzt seine freie Zeit, um Modell- und Vogelhäuser zu bauen. Dabei darf er die Werkstatt des Naturschutzzentrums nutzen, das seit 2015 auf dem Alten Hof Schoppmann in Darup seinen Sitz hat. Zwischendurch unterstützt er den dortigen ehrenamtlichen Mitarbeiter Franz Rolf, wenn Kinder wieder Vogelhäuschen bauen.

Auf Broek möchte Breitkopf auch nicht verzichten. „Er ist gut für die ,Fummelsachen’ bei der Arbeit, hat immer gute Ideen“, so der Leiter der Einsatzgruppe Naturschutz. Stumpf gearbeitet wird jedoch bei ihm nicht: „Ich versuche, den Kollegen zu zeigen, was in der Natur passiert.“ Wirkung hat es bereits gezeigt, hört man Karsten Gorille: „Sauerstoff brauchen wir, Tiere brauchen wir.“ Und dann erzählt er stolz von den vier Klapperstörchen, die er am Vortag gesehen hat. Mit Natur hatte Gorille in der „Schwarzen Pumpe“, einem ehemaligen Kohle- und Betonwerk in Cottbus, nicht wirklich viel.

Nach der Wende arbeitslos. 2001 ab in den Westen. Er arbeitete im Trockenbau und Galabau. Wenige Jahre später war er wieder arbeitslos und kam in eine berufliche Bildungsmaßnahme. „Hier habe ich ihn kennengelernt, weil wir selber in diesem Bereich tätig sind“, informiert Ulrike Feldkötter-Muschner. Als es darum ging, die Einsatzgruppe zu bilden, erinnerte sie sich an Gorille der eine ziemlich gute Arbeit auf dem Hof Schoppmann im Rahmen der beruflichen Weiterbildung geleistet hat. Gorille war begeistert, als er das Angebot für diese sozialversicherungspflichtige Stelle bekommen hat. „Ich könnte mich voll in die Natur reinschmeißen“, freut sich Gorille über seine Arbeit. Danach ackert der 59-Jährige mit Leidenschaft im Garten seiner Vermieterin. Sein Motto: „Man kann den ganzen Tag nicht nur arbeitslos sein.“

Mit seinen 37 Jahren ist Mike Wissing der Jüngste in der Arbeitsgruppe. Seine Motivation: „Ich möchte noch mit 80 noch Luft zum Atmen haben.“ Diese blieb ihm vor ein paar Jahren aufgrund einer Fehlkalkulation, wie er es nennt, weg. Der gebürtige Billerbecker, gelernte Heizungsbauer verlor seinen Job in einer Kölner Druckerei als der Markt in dieser Branche zusammenbrach. Dann ging es schnell: der Verlust der Arbeit zu groß, zu wenig Geld, dann obdachlos im Kreis Coesfeld und dann den Absprung zum IBP geschafft. Neuorientierung! Dann kam ein mehrwöchiges Praktikum in Schottland, bei dem er unter anderem geholfen hat, den Klippenschutz anzubringen. Die neue Stelle fügt sich für ihn nahtlos in seinen Werdegang an. „Für Herrn Breitkopf ist es eine enorme Entlastung, dass Herr Wissing jetzt auch den Anhänger-Führerschein macht“, so Corinna Becke. Die Natur lässt ihn auch am Feierabend nicht los. Dann aber eher auf der wissenschaftlichen Ebene. Die Physik in all ihren Facetten hat es ihm angetan.

LEADER-Projekt

Im März 2018 wurde die Einsatzgruppe zur Biotopenpflege vom Naturschutzzentrum und IBP installiert. Das Projekt wird zu rund 63 Prozent über Leader-Mittel gefördert. Finanziell unterstützt wird es zusätzlich durch den Kreis Coesfeld. Das Projektvolumen beträgt 397 000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare