Sternenfotograf Jochen Fehmer war auf einer außergewöhnlichen Expedition in Schweden

Unterwegs zum Polarlicht

Ein beeindruckendes Himmelsschauspiel sind die Polarlichter über den verschneiten Weiten von Schwedisch Lappland. Dabei tauchen die kosmischen Erscheinungen den Himmel in ein grünes Licht und sorgen für eine mystische Stimmung beim Betrachter. Foto: Jochen Fehmer

Coesfeld. Stille. Dunkelheit. Nur die Bäume rauschen im Wind.

Das Röhren der Elche ertönt kurz. Dann wieder Stille und Finsternis. Kälte. Plötzlich verfärbt sich der Himmel. Ein geheimnisvolles Grün sorgt für eine mystische Stimmung, für eine besondere Faszination. Ein beeindruckendes Naturschauspiel über den Gipfeln der Nadelbäume. Unter dem grün erleuchteten Firmament steht einsam eine Person in der Weite der verlassenen Landschaft. Ausgestattet mit einem Stativ, auf dem eine Kamera installiert ist. Unbeweglich schaut sie bewundernd in den Himmel und löst die Kamera aus ...

Der Coesfelder Jochen Fehmer hat sich auf eine ungewöhnliche Fotoreise begeben: Anfang Januar war der Freizeit-Astronom und Hobby-Fotograf gemeinsam mit seinem Freund Andre Pooschke für rund eine Woche in Schweden. Dabei war das Ziel der Expedition, möglichst einzigartige Aufnahmen von den Polarlichtern und anderen Himmelsphänomenen zu machen.

„Andre Pooschke besitzt ein Haus in Schweden, wohin er mich eingeladen hat. 500 Kilometer von Stockholm am 63. Breitengrad in einem 120-Seelen-Dorf“, berichtet Jochen Fehmer. Vom 2. bis 11. Janaur waren die beiden auf Fototour in den einsamen Gebieten des schwedischen Lapplandes unterwegs. „Wir sind stundenlang auf der Autobahn gefahren und haben kein anderes Auto getroffen. Es war schon faszinierend.“

Unterbrochen wurden die Autofahrten nur ab und zu von Rentierherden, die die Straße überquerten.

„Da haben wir einfach angehalten und gewartet, bis das Schauspiel zu Ende war und sind dann weitergefahren“, schmunzelt Fehmer. Tagsüber waren sie unterwegs, haben zugefrorene Seen und imposante Brücken mit der Kamera eingefangen, nachts wurde der Himmel betrachtet. Dabei war vor allem die absolute Ruhe für Jochen Fehmer beeindruckend. „Wir haben einmal mitten in tiefster Natur angehalten und das Stativ mit der Kamera aufgebaut. Es war so ruhig, dass wir aus zwanzig Kilometern Entfernung ein nahendes Fahrzeug gehört haben.“

Immer wieder waren sie von der Stille und der wilden Natur umschlossen, nur das Röhren der Elche und das Rauschen des Windes in den Bäumen waren zu hören. Und das bei nächtlichen Temperaturen von minus 15 Grad Celsius. „Der Körper gewöhnt sich aber schnell an diese trockene Kälte, nach einigen Tagen stört es nicht mehr.“

Besonders die Polarlichter am Himmel haben es dem 48-jährigen Coesfelder angetan. Fotografiert hat er nachts auf einem Hügel direkt hinter dem Haus. „Polarlichter sind riesengroß, richtige Wellenbewegungen in der Luft sind zu erkennen. Der ganze Horizont ist von den Lichtern ausgefüllt.“

„Ab und zu kam ich mir in Schwedens Wildnis vor, als wäre ich ein Fotograf der National Geographic.“

JOCHEN FEHMER

Mit einerm Stativ, einer Kamera und einem Fernauslöser sind so rund 1 000 Fotos von den Polarlichtern und anderen Himmelsphänomenden in Schweden entstanden. „Ab und zu kam ich mir in Schwedens Wildnis vor, als wäre ich ein Fotograf der National Geographic.“

Insgesamt drei Polarlichtnächte konnte Jochen Fehmer beim Aufenthalt in Schweden bewundern und fotografieren. Dabei dauert das ganze Naturschauspiel am Himmel jeweils rund 30 bis 45 Minuten. Allerdings gibt es auch in Skandinavien keine Garantie, Polarlichter sehen zu können. „Sie sind abhängig von den Sonnenstürmen. Wenn diese stark ausfallen, ist es ein ganz besonderes Schauspiel.“ 

Eine Wiederholung ist auch schon geplant. „Am liebsten möchte ich in den Herbstferien oder im tiefsten Winter noch einmal nach Schweden reisen, um die Himmelserscheinungen wieder zu beobachten“, sagt Fehmer. Dabei plant er auch Führungen anzubieten. Unter dem Motto „Back to the nature“ sollen dann vier bis fünf Interessierte mit nach Schweden fliegen können, um sich mit „auf die Jagd nach den Polarlichtern zu begeben.“

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Polarlichter

Die Polarlichter haben die Menschheit schon seit der Antike fasziniert. Früher hielten die Menschen die geisterhaften Erscheinungen für Zauberei und drohendes Unheil. Dabei entsteht die kosmische Erscheinung durch ein Wechselspiel zwischen Erde und Sonne. In der Regel treten die Polarlichter gürtelförmig rund um den magnetischen Pol auf. Dementsprechend werden sie auch als Nordlicht und Südlicht bezeichnet. In unseren Breiten sind die Polarlichter – anders als etwa in Nordskandinavien oder auf Island – nur etwa vier- bis achtmal pro Jahr zu sehen. 

 Hobby: HimmelskörperJochen Fehmer hält kosmische Erscheinungen festCoesfeld. Ausgerüstet mit Thermohose, Kaffee, Campingstuhl und Schokolade geht es los. In die Dunkelheit. Dazu kommt die Canon D1 Mark 4, ein passendes Stativ und ein Teleskop mit 80 Millimeter Durchmesser. Ort ist der Modellflugplatz in Stevede. Einem der dunkelsten Orte von Coesfeld. Oder auch mal der Fuß des Longinus-turms in den Baumbergen.

„Durch einen beeindruckenden Blick auf den Saturn mit seinen Ringen durch ein Teleskop fing die Faszination für die Astronomie mit 25, 26 Jahren an. Schon damals habe ich mir die Nächte um die Ohren gehauen, um Himmelskörper zu beobachten“, blickt Jochen Fehmer zurück. Manchmal dauert der nächtliche Ausflug des Coesfelders zwei Stunden, manchmal eine ganze Nacht.

„Es ist einfach viel los am Himmel, immer sind andere Sternbilder und Himmelsphänomene zu entdecken, auch die ISS ist zu sehen“, berichtet der 48-jährige Hobby-Astronom, der vor eineinhalb Jahren auch die Fotografie als Steckenpferd entdeckte. „Zurzeit ist der Orion-Nebel als Paradebeispiel am Himmel zu erkennen, im Sommer ist die Milchstraße direkt über unseren Köpfen zu sehen.“

Dabei liebt Jochen Fehmer vor allem die Dunkelheit. „Das Umgebungslicht beeinflusst die Fotos. In manchen Nächten mache ich nur zwei, drei Fotos. Und wenn ich Pech habe, fliegt auch noch ein Linienflugzeug durchs Bild“, schmunzelt Fehmer. Auf der Suche nach schönen Orten und beeindruckenden Himmelsphänomenen reist er durch ganz Deutschland. So ging es schon auf die Zugspitze Fotografieren der Wolken, im März geht es nun wieder nach Fehmarn, wo die Sonnenfinsternis festgehalten werden soll.

Oft ist er bei den Touren nicht alleine, Fledermäuse, Eulen oder Igel besuchen ihn, wenn er in der Dunkelheit auf den richtigen Moment wartet. „Man gewöhnt sich zwar an die Geräusche in der Nacht, erschrecken tue ich mich aber doch noch.“

Ein Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. „Auf einem ehemaligen Flugplatz im Odenwald wurde mein Stativ von einem Auto plötzlich so angestrahlt, dass ich vor lauter Schreck einen großen Satz zurückgesprungen bin.“ 

SL-Ausgabe vom 28.1.2015

Von Florian Kübber

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